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International Israel kritisiert Atomabkommen mit Iran scharf

Die Einigung im Atomstreit mit dem Iran provoziert harsche Kritik von Israel und den Golfstaaten. Beide befürchten eine Katastrophe und sprechen von einem historischen Fehler. Der Westen zeigt sich wiederum zufrieden und bezeichnet die Einigung als historisch.

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu.
Legende: Israels Premierminister Benjamin Netanyahu bezeichnete das Abkommen als historischen Fehler. Keystone

Israelische Politiker haben das Atom-Abkommen mit dem Iran als Kapitulation des Westens und einen Fehler historischen Ausmasses verurteilt. «Aus den ersten Berichten können wir schon schliessen, dass dieses Abkommen ein historischer Fehler für die Welt ist», sagte Israels konservativer Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.

Legende: Video Ben Huwyler zu den Reaktionen in Israel abspielen. Laufzeit 01:46 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 14.07.2015.

Netanjahu sieht den Iran nun auf dem Weg zur nuklearen Aufrüstung. In allen Bereichen, die den Iran vom Bau einer Atombombe abhalten sollten, seien Zugeständnisse gemacht worden, kritisierte Netanjahu. Das Ende der Sanktionen werde Teheran zudem Hunderte Milliarden Dollar verschaffen, mit denen Terror-Gruppen finanziert würden.

Israel werde seine Bemühungen nun vermutlich auf den US-Kongress richten, um ein Abkommen dort zu blockieren. «Ich denke, in den kommenden zwei Monaten werden wir Zeugen einer historischen ‹Mutter aller Lobbyschlachten› werden», sagte der Politikwissenschaftler Meir Javedanfar.

Konservatives Teheran ist zufrieden

Wohlwollende Anerkennung kommt von konservativen Reformgegnern in Teheran. «Das Atomteam hat in einer einzigartigen Art und Weise und mit viel diplomatischem Geschick die Interessen des Landes erfolgreich verteidigt», meldete sich die konservative Partei Isargaran (Selbstlose) in einer Mitteilung zu Wort.

Legende: Video Atom-Abkommen mit Iran abspielen. Laufzeit 04:54 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 14.07.2015.

US-Republikaner mit grosser Skepsis

US-Präsident Barack Obama pries das Abkommen und meinte, es mache «das Land und die Welt sicherer». Für den Iran sei «jeder Pfad» zur Atombombe abgeschnitten. Obama sagte, das Abkommen beruhe nicht auf Vertrauen, sondern auf einer Überprüfung durch internationale Inspektoren. Der Präsident rief den Kongress auf, die Einigung mit dem Iran mitzutragen. Für den Fall einer Ablehnung durch das Parlament drohte er mit einem Veto.

Die oppositionellen Republikaner zeigten sich davon unbeeindruckt. Sie haben das internationale Atom-Abkommen mit dem Iran scharf verurteilt. Der Präsident des Repräsentantenhauses, John Boehner, erklärte, die Vereinbarung werde zu einem weltweiten atomaren Rüstungswettlauf führen.

Der Mehrheitsführer im Senat, Mitch McConnell, sagte, die Fehler des Zwischenabkommens seien offenbar nicht ausgemerzt. Auch der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Senat, der Republikaner Bob Corker, drückte seine «tiefe Skepsis» aus, dass das Abkommen dem Iran den Weg zu Atomwaffen versperren könne.

EU sieht einen Durchbruch

Die EU würdigt die Atom-Einigung als «Durchbruch». Sollte das Abkommen in allen Punkten umgesetzt werden, könne es «ein Wendepunkt in den Beziehungen zwischen dem Iran und der internationalen Gemeinschaft sein», sagte EU-Gipfelchef Donald Tusk. «Die Einigung könnte (...) den Weg für neue Kooperationen zwischen der EU und dem Iran ebnen», sagte Tusk.

Moskaus Erwartungen an Washington

In Moskau atmet man auf: Russland werde alles für eine vollständige Umsetzung der Wiener Vereinbarung tun, sagte Kremlchef Wladimir Putin in Moskau. Russland erwartet Aussenminister Sergej Lawrow zufolge von den USA nun ein Ende der Pläne für eine Raketenabwehr in Europa. US-Präsident Barack Obama habe 2009 in seiner Prager Rede gesagt, dass sich das Vorhaben bei einer Einigung mit dem Iran erledigen würde.

Bern: Erfolg der Diplomatie

Die offizielle Schweiz begrüsste die Einigung. Es sein ein Erfolg für die friedliche Beilegung eines Konfliktes «mit den Mitteln der Diplomatie». Die Klärung sei «von historischer Bedeutung und ein Meilenstein für die Region des Mittleren Ostens und darüber hinaus» teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten EDA mit.

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81 Kommentare

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  • Kommentar von Dölf Meier, Uster
    Israel ist umgeben von feindlich gesindten Nachbarn. Zudem hat der Iran gedroht die Juden ins Meer zu werfen. Das frühere jüdische Land war um ein mehrfaches grösser. Die Juden haben den Gazastreifen der ihnen von ihrem Gott geschenket wurde abgetreten und wurden bestraft. Laut Bibel werden fremde Mächte aus allen Himmelsrichtungen in Israel eindringen und in der Schlacht in Harmageddon vernichtet werden. Die Bibel ist kein Märchenbuch, viele Prophezeiungen sind bereits erfüllt.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Sie haben in allen Punkten Recht, nur in einem nicht: Der Gaza-Streifen hat nie zu "Eretz Israel" gehört. Wer die Karte anschaut, welcher Stamm nach der Landverteilung wo angesiedelt wurde, kann erkennen, dass das Gebiet des heutigen Gaza-Streifens nie dazu gehört hat, genauso wenig wie die Halbinsel Sinai. Deshalb hat Israel auf diese beiden Gebiete auch nie einen Anspruch erhoben. Dagegen könnte sich gemäss Bibel noch einiges bewegen, was Jordanien, Syrien und Südlibanon betrifft.
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    2. Antwort von James Klausner, Interlaken
      1. Es gibt bis heute keinen direkten archäologischen Nachweis der die biblischen Mythen bestätigt. 2. Persien ist eine der ältesten Kulturnationen der Welt MIT archäologischem Nachweis. 4. Aus der persischen Mythologie sind erhebliche Teile in die Bibel eingeflossen. 4. Zählen Sie die Aggressionen auf, derer sich Persien in den letzten 200 Jahren schuldig machte. 5. Erbringen Sie den Nachweis, dass die Bewohner d. Gazastreifen keine Nachkommen d. Kanaanäer/Israeliten sind und nicht Zuhause sind.
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    3. Antwort von James Klausner, Interlaken
      6. Nehmen Sie zur Kenntnis, das Juden jahrhundertelang Gastrecht in Persien hatte, der Babylonische Talmud ist dort entstanden. 7. Zu welchem Zeitpunkt in der Geschichte war das "jüdische Land erheblich grösser", wie Sie schreiben? 8, Es gab zu keinem Zeitpunkt der Geschichte je einen rein jüdischen Staat in Palästina in dem nur der biblische Monotheismus alleinherrschende Religion war. Die Bücher von I.Finkelstein/N.A.Silbermann und Shlomo Sand helfen Ihnen in die Realität wenn Sie mögen.
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    4. Antwort von James Klausner, Interlaken
      Und eine Frage zum Abschluss: Die Schiiten warten auf die Wiederkunft des Mahdi, der aus einem Brunnen der Jamkaram Moschee klettern soll um der Menschheit das Heil zu bringen; Die Juden züchten die makellose 'Rote Kuh', deren Schlachtung auf dem Tempelberg die Ankunft Ihres Messias initiieren soll; Die Christen fabulieren von Gog und Magog und Armageddon und der Wiederkunft von Jesus; Welcher dieser Mythen ist der verrückteste und welcher hat bis jetzt mehr Leben gekostet?
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Netanjahu ist ein Kriegs-Politiker. Leider steht kein Land den Konflikt durch, wenn der Hass rundherum zunimmt. Es wird langsam Zeit für Politiker mit Visionen. Und über Saudi Arabien muss man nicht viele Worte verlieren. Sie werden früher oder später von den eigenen Radikalen heimgesucht. Iranische Politiker haben in der Vergangenheit aus Wut vieles gesagt, NS-Politiker aus Wut und Neid vor JZ'en Schlimmeres. Wir leben alle in der Gegenwart und müssen mit aktuellen Problemen fertig werden.
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    1. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      @szabo: Aha, sie stehen hinter Israel, schreiben sie immer wieder.Wenn sie eine solch waage Behauptung verbreiten,müssen sie Fakten liefern! Fakt ist, dass Israel unter Netanjahu keinen Krieg begann, geschweige denn ein anderes Land angegriffen hat. Die Gazakriege waren alle ein Folge der terroristischen Hamas, das wissen sie. Und die Hisbollah hatte 2006 mit Überfällen aus dem von ihnen kontrollierten Libanon den Krieg entfacht! Netanjahus Image ist deshalb so schlecht,weil es die Medien sagen.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger, Bern
    Obama macht Nägel mit Köpfen, Netanyahu nur ein riesen Bla Bla. Das hat er nun für seinen Auftritt vor dem US Kongress. Hat ihm alles nichts genützt, diesem alten Griesgram. Zusammen mit den Saudis, diesen feudalen Heuchlern, tun die Israeli gut daran, vorab vor ihrer eigenen Tür zu schrubben was das Zeugs hält, um dabei mit den Fanatikern in ihren Reihen aufzuräumen! Da kommen die vom gegenüberliegenden Ufer des Golfes geradezu zivilisiert rüber!
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    1. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      @Flückiger: Das einzige was Obama macht, ist seine bis heute erfolglose Aussenpolitik aufzupolieren.Was sie hier schreiben ist so etwas von grotesk und beleidigend, dass man ihnen entschieden wiedersprechen muss! Netanjahu ist sehr erfolgreich und realistisch,dagegen ist Obama ein Zauderer und Träumer, welcher die Gefahr des Iran völlig falsch einschätzt. Viele Politiker, vorallem hier in Europa, könnten sich eine Schneide abschneiden von Netanjahu. Er tritt ohne wenn und aber für sein Volk ein!
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