Israel sprengt Haus eines Attentäters in die Luft

Die Familie eines mutmasslichen Attentäters muss für dessen Taten büssen: Israel hat das Haus der Familie in die Luft gesprengt. Derweil hat der Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem ein weiteres Todesopfer gefordert.

Soldat in Israel Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein israelischer Soldat in Jerusalem nähert sich einer Synagoge, die von zwei Palästinensern attackiert wurde. Reuters

Um weitere Attentate zu verhindern, greift Israel zu schärferen Massnahmen. Nach dem blutigen Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem hat die Regierung damit begonnen, die Häuser der Familien von Attentätern zu zerstören.

Das erste Opfer dieser Politik wurde die Familie eines Palästinensers, der mit seinem Auto an einer Tramhaltestelle in Jerusalem Wartende überfahren hatte. Noch vor Tagesanbruch sprengten Sicherheitskräfte das Haus von dessen Familie in die Luft. Auch die Häuser der beiden Attentäter, die eine Synagoge angegriffen hatten, sollen zerstört werden.

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Intervention in Jerusalem?

Israels Wirtschaftsminister Naftali Bennett hat nach dem Anschlag einen Militäreinsatz im arabischen Ostteil Jerusalems gefordert. Ziel sei es, dort die «Terror-Infrastruktur zu zerstören», sagte Bennett dem israelischen Armeesender.

Polizist stirbt an Verletzungen

Derweil hat jener Anschlag ein weiteres Todesopfer gefordert. Nachdem palästinensische Attentäter vier Rabbiner in einer Synagoge im Stadteil Har Nof getötet haben, ist nun auch einer der beteiligten israelischen Polizisten seinen Verletzungen erlegen. Damit steigt die Anzahl der Todesopfer auf fünf. Die beiden Attentäter wurden wenige Minuten nach ihrer Tat von Polizisten bei einem Feuergefecht erschossen.

Es war der erste tödliche Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem. Die radikale Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) gab an, die beiden Attentäter seien Mitglieder der Gruppe gewesen. Während Palästinenserpräsident Mahmud Abbas den Anschlag verurteilte, sprach die radikal-islamische Hamas von einer «heroischen Tat». Augenzeugen sprachen von einem «Massaker».

Drei der Opfer stammten aus den USA und eines aus Grossbritannien. An den Begräbnissen nahmen Tausende Menschen teil.

«  Wir befinden uns in einem Kampf um Jerusalem »

Benjamin Netanjahu
Israelischer Ministerpräsident

Derweil wächst in Jerusalem die Sorge vor einer Zuspitzung des Nahost-Konflikts. «Wir befinden uns in einem Kampf um Jerusalem, unserer ewigen Hauptstadt», schrieb Netanjahu beim Kurznachrichtendienst Twitter. «In diesem Kampf müssen wir zusammenhalten; dies ist das Gebot des Tages.»

Ein israelischer Soldat vor einem Militärfahrzeug Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Nach dem Anschlag kam es im Westjordanland zu Zusammenstössen zwischen dem israelischen Militär und Palästinensern. Keystone

Waffen zur Selbstverteidigung

Die beiden Attentäter hatte er zuvor als «Tiere in Menschengestalt» bezeichnet und schärfere Sicherheitsvorkehrungen in der Stadt angekündigt. Der israelische Polizeiminister will es mehr Israelis erlauben, zur Selbstverteidigung Waffen zu tragen.

Einem Bericht der Zeitung «Haaretz» zufolge kam es in der Nacht auf Mittwoch zunächst zu keinen grösseren Zwischenfällen in Jerusalem. Im Westjordanland gerieten demnach aber rund 200 Palästinenser mit 50 jüdischen Siedlern aneinander. Sie mussten von Soldaten getrennt werden.

Mord oder Suizid?

Seit dem Abbruch der Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern im April ist die Lage in Nahost immer weiter eskaliert. Zuletzt sorgte der Tod eines arabischen Busfahrers, der am Sonntag erhängt aufgefunden worden war, bei den Palästinensern für neuen Zorn.

Laut den israelischen Behörden hat der Mann Suizid begangen. Palästinenser gehen dagegen von einem Lynchmord durch jüdische Siedler aus. Der Fall heizte die Stimmung an, die ohnehin nach einem Streit um die Nutzung des Tempelbergs in Jerusalem sehr angespannt war.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Israel übt Vergeltung

    Aus Tagesschau vom 19.11.2014

    Nach dem blutigen Anschlag auf eine Synagoge in Jerusalem folgt nun die Antwort Israels. Ministerpräsident Netanjahu hat unterdessen damit begonnen, was er die „Schlacht um Jerusalem“ nennt.

  • Weiterer Terrorakt in Jerusalem

    Aus Tagesschau vom 18.11.2014

    Zwei palästinensische Angreifer haben in Jerusalem einen Anschlag auf eine Synagoge verübt. Dabei wurden vier Juden getötet. Die Polizei erschoss anschliessend die beiden Täter. Israel hat bereits scharfe Reaktionen angekündigt. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Pascal Weber.

  • Ruhiger Tag auf dem Tempelberg

    Aus Tagesschau vom 31.10.2014

    In Jerusalem und im Westjordanland gab es heute vereinzelt Proteste und Ausschreitungen - der befürchtete Gewaltausbruch blieb aber aus. Nach dem gestrigen Attentat auf einen jüdischen Aktivisten hatten Israels Behörden den Tempelberg gesperrt. Darauf haben die palästinensische Politiker heute zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. Doch der Tag blieb relativ ruhig und der Tempelberg war geöffnet.

  • Tempelberg in Jerusalem wieder geöffnet

    Aus Tagesschau vom 31.10.2014

    Das hoch umstrittene Heiligtum Tempelberg in Jerusalem ist zwar wieder geöffnet, doch die Lage bleibt angespannt. Denn die Schliessung des Tempelbergs entspreche einer religiösen Kriegserklärung. Die Fatah-Partei von Präsident Mahmud Abbas ruft deshalb zu einem «Tag des Zorns» auf.