Ist die Zika-Gefahr gebannt?

Kolumbien erklärt die Zika-Epidemie für überwunden – als erstes Land überhaupt. Doch: Wie ist die Lage in Brasilien, gut eine Woche vor Beginn der Olympischen Spiele? SRF News beantwortet die wichtigsten Fragen zu Zika.

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Bildlegende: Zika-Überträger Die weibliche Stechmücke «Aedes aegypti» Reuters

Anfang des Jahres war die weltweite Aufregung gross. Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnte vor einer Pandemie. Nun hat das kolumbianische Gesundheitsministerium erklärt, die Zika-Epidemie sei überwunden. Das Land war besonders schwer betroffen.

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Bildlegende: Risiko Für Schwangere ist das Zika-Virus besonders gefährlich. Reuters

Ebenso Brasilien. Doch auch dort ist Zika kaum noch ein Thema. Die Moskitoart Aedes aegypti – Hauptüberträger des mysteriösen Zika-Virus – ist rar geworden. Durch die kühleren Temperaturen ist die Aktivität der Moskitos sehr stark zurückgegangen – und damit auch die Zahl der Zika-Infektionen.

Wie ist die aktuelle Lage in der Olympiastadt?

In Rio herrschen Temperaturen von aktuell 22 bis 29 Grad, im südamerikanischen Winter gibt es in der Olympiastadt traditionell weniger Moskitos. An den Sportstätten wird mit Besprühungsaktionen dafür gesorgt, dass es dort mückenfrei ist. Zudem gibt es für Sportler, Funktionäre und Freiwillige umsonst Mückenspray.

Gibt es Gründe, Olympia zu meiden?

Schwangeren Frauen wird von Reisen in Zika-Gebiete abgeraten. Da eine sexuelle Übertragung möglich ist, empfiehlt die Gesellschaft für Tropenmedizin, dass Männer, die aus einem Zika-Ausbruchsgebiet zurückkehren, für acht Wochen Kondome beim Sex benutzen. Männer mit schwangeren Partnerinnen sollen das bis zur Geburt des Kindes tun.

Wie viele Fälle von Schädelfehlbildungen gibt es in Brasilien?

Es ist erwiesen, dass Zika schwere neurologische Schäden verursachen kann. Seit der systematischen Erfassung im vergangenen Jahr wurden 1709 Mikrozephalie-Fälle bestätigt und 3182 Verdachtsfälle registriert. Aber: Nur bei 267 bestätigten Fällen konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass sich die Mütter in der Schwangerschaft mit dem Zika-Virus infiziert hatten.

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Bildlegende: Mikrozephalie Das Zika-Virus verursacht, dass Babys mit einem zu kleinen Schädel geboren werden. Reuters

Ein anderer Grund für Mikrozephalie kann Alkohol in der Schwangerschaft sein. Als Mikrozephalie gilt, wenn das Baby mit einem Kopfumfang von 32 Zentimetern oder kleiner zur Welt kommt.

Ist mit einer neuen Welle zu rechnen?

«Wir erwarten, dass die gegenwärtige Epidemie in drei Jahren weitgehend überwunden ist», bilanziert ein Team von Wissenschaftlern im Magazin «Science».

Diese kommen zum Schluss, dass nach und nach ein so grosser Prozentsatz der Bevölkerung immun gegen das Virus sein könnte, dass es sich kaum noch weiter verbreitet. Wer einmal mit dem Erreger infiziert war, gilt als immun. Allein in Brasilien sollen sich seit letztem Jahr bis zu 1,5 Millionen Menschen infiziert haben.

Was sind die grossen Risiken?

Es gibt erste Indizien, dass Zika auch von anderen, weit verbreiteten Mücken übertragen werden könnte – und der Klimawandel scheint die Ausbreitung der Moskitoart Aedes aegypti zu beschleunigen. Das bedeutet: Nach Brasilien könnten auch andere Länder auf anderen Kontinenten plötzlich stark betroffen sein. Zika ist bereits in über 60 Ländern aufgetaucht.

Giftsprüher gegen Moskito in Rio Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Kampf gegen Zika geht weiter Trotz Entwarnung in Kolumbien ist die Gefahr in Rio noch nicht gebannt Reuters

Was tut die brasilianische Regierung?

Sie setzt auf einen Mix aus Aufklärung der Bevölkerung, Besprühung und Anwendung neuer Methoden. Wissenschaftler aus 60 Ländern diskutieren über den Einsatz sterilisierter Moskitos. Dabei sollen Männchen bestrahlt und unfruchtbar gemacht werden.

In Brasilien soll die Methode zur nächsten Moskito-Welle im Oktober zum Einsatz kommen. Und im November sollen die ersten Tests mit einem Impfstoff an Affen und Mäusen starten. Er soll spätestens ab 2018 zur Verfügung stehen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Gentechnik gegen Zika-Mücken

    Aus 10vor10 vom 4.2.2016

    Das Zika-Virus verbreitet sich in Süd- und Mittelamerika weiter. Eine britische Firma setzt alle paar Wochen 800 000 gentechnisch veränderte Mücken frei, um die Plage zu bekämpfen.