Zum Inhalt springen

International Ist ein neuer Prozess gegen Schmidheiny möglich?

Der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello soll eine neue Anklage prüfen: Diesmal wegen Mordes und nicht wegen Auslösen eines Umweltdesasters. Denn für Mord gelten andere Verjährungsfristen.

Legende: Video «Kassationshof annulliert Asbest-Urteil gegen Schmidheiny» abspielen. Laufzeit 1:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 20.11.2014.

Womöglich geht das Kapitel Stephan Schmidheiny und Asbest weiter. Zwar sei das eine Strafverfahren mit dem gestrigen Urteil sicher abgeschlossen, so Italien-Korrespondent Massimo Agostinis.

Der Turiner Staatsanwalt Raffaele Guariniello prüfe aber eine neue Anklage: «Er hat bereits 231 Dossiers von verstorbenen Asbestopfern gesammelt.» Darunter seien auch solche aus Eternit-Werken in der Schweiz und Brasilien. Das werde vielleicht den internationalen Druck auf den ehemaligen Eternit-CEO erhöhen, meint der Korrespondent.

Neue Anklage denkbar – diesmal wegen Mord

Legende: Video «Empörung nach Schmidheiny-Freispruch» abspielen. Laufzeit 1:20 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 20.11.2014.

Denkbar sei eine neue Anklage – diesmal wegen Tötung oder Mord statt wegen Auslösen eines Umweltdesasters. Laut eines italienischen Strafrechts-Experten habe der Staatsanwalt einen strategischen Fehler gemacht, als er den Prozess nicht aufgrund von Mord angestrengt habe, erklärt Agostinis. «Für Mord gelten in Italien ganz andere Fristen – vielleicht wäre dann die Verjährung nicht eingetreten.»

Der Staatsanwalt werde in den Schweizer Medien häufig als «eitler Pfau» dargestellt, dem es vor allem um sich selber gehe. «Das greift ein bisschen zu kurz», so Agostinis. Seit dem Zweiten Weltkrieg sei Italien von heimischen und ausländischen Industriellen als billiger Standort mit wenig behördlichen Auflagen zum Teil missbraucht worden. «Da sind unglaubliche Dinge zu Lasten der Arbeiter geschehen.»

Asbestverbot in Schweden bereits 1975

Dass Guariniello den Fall Schmidheiny/Eternit nun besonders verfolgt, könne ihm nicht verübelt werden, so Agistonis. «Wie so häufig in Italien versucht die Justiz, die Abwesenheit des politischen Italiens zu kompensieren.» Ausserdem glaube man in Italien nicht, dass Schmidheiny nicht schon gewusst habe, wie gefährlich die Asbestverarbeitung war.

Schmidheiny war zwischen 1976 und 1986 Mehrheitseigner der Firma Eternit. Doch bereits 1975 verbot Schweden als erstes Land der Welt das Asbest. Der Korrespondent in Rom erklärt: «Da hätten die Alarmglocken schrillen müssen, meint man in Italien.»

Die Firma Eternit mit ihrem Asbestzement ist untrennbar verknüpft mit der Familie Schmidheiny. Sehen Sie in der Chronik wie es dazu kommen konnte, dass sich Stephan Schmidheiny in Italien vor Gericht verantworten musste.

Autor: Marc Herter

5 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Erwin Notter, Gravenhurst ON Kanada
    Kanada/Quebec, liefert wahrscheinlich heute noch, Asbestos nach India. Vor ungefeahr 10/12 Monaten haben lokale Zeitungen, Bilder von India gezeigt indem indische Maenner mit Gabeln Asbestos streuen,ohne jegliche Schutzmasken! Kann mir jemand erklaeren wie in India die obigen Zustaende noch zulaessig sind und gleichzeitig Schmidheiny in Italien als Moerder angeprangert wird fuer Gegebenheiten die 30 Jahre zurueck sind und sicher nicht mehr zeitmaessig/wahrheitsgetreu illustriert werden koennen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Stephan Schmidheiny bleibt kontrovers, aber irgendwie auch eine tragische Person. Dieses natur gegebene faserige Silikat-Mineral wurde ihm quasi aus "Teufels Küche" mit in seine Wiege gelegt. Wieviel Industrielle wirken aktuell weltweit mit Produkten aus natürlich/synthetischen Stoffen/Kombinationen, die uns täglich vergiften, schädigen und töten? Sein Fehler war, er hätte Eternit, nie übernehmen dürfen. Für mich stellt er nur ein statuiertes Exempel am Pranger dar, wo hunderte stehen sollten!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von H. Wach, Luzern
    Unvergessen die TV Dokumentation vor ca. 10-20 Jahren! über den Asbest-Skandal: In GB haben die Gewerkschaften Ende 1920er-Anfang 1930er!! Jahren über die Gesundheitsbehörden durchgesetzt, dass die Asbestproduktion in GB eingestellt wird. Somit wurde bewiesen, dass es in erster Linie an der SUVA gelegen hätte, Schmidheiny’s Vater die Asbestproduktion zu verbieten. Die SUVA & andere Behörden sind Hörige der Wirtschaft. Inzwischen sind 1000e gestorben & Milliarden der Volkswirtschaft verloren.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen