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International Italien: «Ein noch grösseres Unglück ist nur eine Frage der Zeit»

Italien ist extrem erdbebengefährdet und es hat viele alte Häuser – eine gefährliche Kombination. Dabei ginge es mit wenigen Mitteln auch anders.

Ein Haus ist halb abgebrochen.
Legende: In Italien überwiegt der Fatalismus: Weder die Regierung noch die Bürger kümmern sich um eine minimale Prävention. Keystone

SRF: Das Erdbeben im Apennin hat Dörfer zum Teil fast dem Erdboden gleichgemacht. Sind vor allem alte Bauten betroffen, oder gibt es auch einige neue Gebäude, die zusammengebrochen sind?

Philipp Zahn: Es hat beides, alte und neue Bauten. Die alten Bauten aus dem 19. Jahrhundert oder älter stürzten alle ein. Die neuen sind teilweise zerstört. In Neubauvierteln ist es teilweise so, dass ein Gebäude komplett einstürzte, während das andere Haus nebenan stehen blieb. Das zeigt: Auch wenn Häuser neu gebaut werden, legen viele Italiener offenbar wenig Wert darauf, dies erdbebensicher zu machen. Da wird oft viel mehr in die Ausstattung, ins Aussehen investiert.

Ist für einmal also nicht die Mafia schuld, die die Häuser schlechter baut, als dies der Bauherr eigentlich verlangt?

Ich denke nicht. Die Italiener legen offenbar zu wenig Wert auf Prävention. Dies, obwohl sie wissen, dass sich ihr Haus in einem Erdbebengebiet befindet. Hinzu kommt, dass die Kontrollen viel zu lasch sind.

Die meisten betroffenen Häuser sind sehr alt. Sind bauliche Massnahmen zu teuer?

Es gibt technische Möglichkeiten, um alte Häuser erdbebensicherer zu machen, etwa mit zusätzlichen Wänden oder Stützen. Das könnte mit unter 100‘000 Euro gemacht werden. Für den Mittelstand liegt das im Bereich des Möglichen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass mit solchen Massnahmen erhebliche Steuerabzüge gemacht werden können. Die Technik und das Wissen sind da. Es kommen paradoxerweise sogar Berufsleute aus anderen Ländern nach Italien, um zu lernen, wie man erdbebensicher baut.

Die Regierung macht seit Jahren nichts?

Jede Regierung behauptet nach jedem Unglück dasselbe: Man will alles machen, um die Bausubstanz erdbebensicherer machen. Man verabschiedet staatliche Förderprogramme, die finanziell aber viel zu wenig hoch ausgestattet werden. Und am Schluss passiert gar nichts. Auch in den betroffenen Erdbebengebieten wird nicht nachhaltig geholfen. Die Menschen nehmen die Politiker schon lange nicht mehr ernst. Sie fühlen sich verschaukelt.

Ein besseres Frühwarnsystem würde nichts bringen?

Die meisten Erdbeben passieren ohne jedes Vorzeichen, auch das jüngste. Zudem gibt es in Italien viele kleine Beben. In 99 von 100 Fällen passiert nichts. Man kann also nicht jedes Mal vorsorglich die ganze Bevölkerung einer Region evakuieren. Dieses Beben war eigentlich auch nur mittelstark. In Japan wäre bei einer solchen Stärke kein Gebäude eingestürzt.

Italien hat auch noch andere Gefahrenpotentiale. Wird da die Prävention ähnlich vernachlässigt?

In der Tat, es drohen neben den Erdbeben auch Vulkanausbrüche, Erdrutsche und hydrologische Schäden wegen der starken Unwetter. In Italien werden sozusagen alle Naturkatastrophen vereint. Dazu kommen die vielen alten und vernachlässigten Bauten sowie die weiterhin bedenkenlose Bauweise. Es werden etwa ohne Not Häuser ins Gefahrengebiet von Vulkanen gebaut. Mit anderen Worten: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein viel grösseres Unglück geschieht.

Das Gespräch führte Christa Gall.

Philipp Zahn

Philipp Zahn

Philipp Zahn berichtet für SRF aus Italien und dem Vatikan. Er lebt seit 1995 in Rom. Zahn studierte Geschichte, Volkswirtschaft und Philosophie in Berlin und Siena.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Alfonso Contria (Infowars)
    Also soll Italien jetzt alle Bauten abreissen und neue bauen oder wie? Guenstig wird das nicht und darum passiert auch nichts. Wohl die Haelfte aller Werte eines Landes liegen in den Immobilien. Ein dummer Artikel
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    " Für den Mittelstand liegt das im Bereich des Möglichen. " - Diese Aussage ist dreist. Denn der Mittelstand kämpft in Europa längst ums überleben. ein direktes Resultat der Steuerpolitik der EU-Länder. 100k€ mehr aufzubringen sind existenziell.
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  • Kommentar von Gerbrand Ronsmans (GRo)
    Also die These ist das mann mit Mitteln Naturgewalt besiegen kann? Also glaubt man einen Planeten zu erzwingen den es schon mehere Tausend Jahr in diesem Form gibt, mit Technisches Wissen aus die Letzte 150 Jahr. Ich kenn kein gebäude das Ohne instandhaltung länger als 50 Jahr Wind und Regen widersteht..... Noch zweifel beim Endlager?
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