Italien will sein Tafelsilber verscherbeln

Italien muss Schulden tilgen. Doch mit strukturellen Reformen tut sich das Land schwer. Nun will es einige seiner Anteile von Firmen veräussern.

Das RAI-Gebäude in Turin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Italien will die Anteile am öffentlich-rechtlichen TV-Sender RAI verkaufen. Im Bild: Das RAI-Gebäude in Turin. Keystone

Italien will noch in diesem Jahr mit einer Reihe von Privatisierungen beginnen. Unter anderem sollen Anteile an der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt RAI und am Öl- und Gaskonzern ENI veräussert werden. Dies sagte der italienische Wirtschaftsminister Fabrizio Saccomanni in einem TV-Interview.

Die RAI-Anteile des Staates könnten im Rahmen eines umfangreichen Privatisierungsprogramms veräussert werden. Die RAI werde jedoch weiterhin Italiens öffentlich-rechtliche TV-Anstalt bleiben.

«Die Regierung (...) überprüft alle Möglichkeiten, um die Staatsschuld abzubauen», sagte er. Das Privatisierungsprogramm der Regierung soll bis Ende dieses Jahres offiziell angekündigt werden. Das Kabinett werde unter anderem auch Immobilien im Staatsbesitz verkaufen, erklärte der Minister.

Anteile im Wert von 80 Milliarden

Der italienische Staat besitzt derzeit 27,4 Prozent am Öl- und Gasunternehmen ENI im Wert von etwa 17,4 Milliarden Euro. Dazu kommen Anteile am Stromversorger Enel im Wert von etwa 8,4 Milliarden Euro, erhebliche Anteile am Industriekonzern Finmeccanica und andere Beteiligungen.

Über 80 Milliarden Euro könnte die Regierung in Rom mit Privatisierungen insgesamt einnehmen, schätzen Wirtschaftsexperten. Der italienische Staat ist Eigentümer von Immobilien, die nach offiziellen Angaben etwa 300 Milliarden Euro wert sind.

Ministerpräsident Enrico Letta stösst mit seinen Plänen jedoch auf Widerstand aus seinen eigenen Reihen: Spitzenpolitiker seiner Demokratischen Partei (PD) haben schwere Bedenken gegen das Vorhaben des Premiers.