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Neue OECD-Studie Italiens Wirtschaft im Würgegriff der Verwaltungskrake

Legende: Audio Versprach gewaltsamen Kampf gegen Bürokratie, und ging: Ex-Premier Renzi. abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
1:47 min, aus HeuteMorgen vom 16.02.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlechtes Zeugnis für Italiens Wirtschaft von der OECD.
  • Ex-Premier Renzi versprach beim Amtsantritt «gewaltsamen Kampf gegen die Bürokratie» im Land.
  • OECD fordert von Rom, dass die Verwaltung etwa mehr Dienstleistungen übers Internet anbieten solle.
  • Renzis Nachfolger, Paolo Gentiloni, hat sich bei diesen Fragen bisher zurückgehalten.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stellt der Wirtschaft Italiens ein schlechtes Zeugnis aus. Und die Volkswirte präsentieren auch gleich einen Lösungsansatz: Italien müsse dringend Bürokratie abbauen, um wirtschaftlich wieder in Schwung zu kommen.

«Gewaltsamer Kampf»

Dass dieser Wunsch erhört wird, ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Denn die Bürokratie ist ein seit Jahren bekanntes Problem in Italien, an dem sich wohl auch nicht so schnell etwas ändern wird.

Als Matteo Renzi vor drei Jahren Regierungschef wurde, hatte er eine Vielzahl von Versprechungen parat: etwa die Wirtschaft mit einem, wie Renzi betonte, «gewaltsamen Kampf gegen die Bürokratie» anzukurbeln.

Renzi ging, die Bürokratie blieb

Renzi trat in der Zwischenzeit als Premier ab, die Bürokratie aber ist geblieben. Das auf jeden Fall schreibt die OECD in ihrem jüngsten Länderbericht zu Italien. Die Ineffizienz der öffentlichen Verwaltung und das langsame Justizsystem machten es noch immer schwierig, in Italien Geschäfte zu machen, heisst es wortwörtlich.

Um Abhilfe zu schaffen, erteilt die OECD den Regierungen jeweils auch Ratschläge. Italiens Verwaltung solle zum Beispiel mehr Dienstleistungen übers Internet anbieten. Das heisst, zeitraubende, lästige Behördengänge sollen abgeschafft werden. Und Italien solle seine öffentliche Verwaltung reformieren, was nichts anderes heissen kann, als einen Teil des teuren Apparats schlicht und einfach zu kappen.

Zu viel Personal auch in Banken und Unternehmen

Wobei die Bürokratie in Italien längst nicht nur den Staat trifft. Auch grosse Unternehmen, Banken etwa, haben in ihren Büros viel zu viel Personal angestellt.

Sämtliche Regierungen der letzten Jahre haben jeweils hoch und heilig versprochen, das Übel der Bürokratie an der Wurzel zu packen. Einzig Renzis Nachfolger, Paolo Gentiloni, hat sich bisher zurückgehalten. Wohl weil er weiss, dass sein Mandat höchstens ein Jahr, bis zu den nächsten Wahlen, dauern wird. Das ist zu wenig Zeit, um den Kampf gegen Italiens Bürokratie aufnehmen und gewinnen zu können.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    "Bürokratie" - Ist dies der neue Name der Mafia?
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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    60 Millionen ItalienerInnen, jeder Einzelne ist mit seinem Temperament, seinen Vorlieben und Ängsten ein Puzzlestück von Italien. Die Bürokratie und die Verwaltungskrake sind eine Art Beschäftigungs- Versicherung und wer da herumschrauben will, hat den stillen Widerstand auf breitester Front gegen sich. Fatalismus, Leerläufe, Vorschriften, Dossierberge, Zuständigkeiten, Zeit etc. helfen wirkungsvoll, den Personalbestand zu halten.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Es funktioniert einfach nicht in der EU. Diese EU-Länder sind viel zu unterschiedlich als dass daraus eine wirklich funktionierende Union entstehen könnte. Solange Deutschland mit dem (billigen) EURO alle übrigen EU-Länder hintergehen kann, dauert diese EU-Leidensgeschichte an. Erst wenn sich die schwächeren EU-Länder wirklich gegenüber Deutschland usw. emanzipieren, gerät die EU in existenzielle Bedrohung. - Deutschland regiert heute defacto die ÊU. Und das ist sehr fraglich.
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    1. Antwort von Urs Müller (Confoederatio)
      Hauptsache mal wieder ein Kommentar gehen die EU und gegen Deutschland. Italieb hat sich diese selber aufgebaut. Und warum sollte der Euro nicht funktionieren? Klappt doch in der Schweiz auch. Oder hat AR auch nur annähernd die gleiche Wirtschaftskraft wie BS?
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    2. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Es gibt so viele Beispiele, wie es eben in der EU nicht funktioniert. Beispiel ruiniert sie u. a. viele Milchbauern. Nicht nur in der EU, sondern z. B. auch in Kolumbien, weil sie Milchüberschüsse dorthin exportieren & zu Billigpreisen anbieten. So finden sich dort dann auch Johgurt aus D. für ganz wenig Geld in den Regalen & viele Produkte aus Milchpulver der EU. Die EU ist gut für Grossunternehmen & Banken, aber für Klein,- & Familienbetriebe ist sie tödlich.
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    3. Antwort von Michael Räumelt (MRäumelt)
      Der BREXIT brachte deutlich zum Ausdruck, dass ein Großteil der Bürger die Zerstörung Europas durch die EU in Brüssel nicht länger tolerieren will.Die EU ist nichts anderes als eine politische grenzenlose kriminelle Vereinigung, welche auf Kosten von Millionen von Bürgern einen gigantischen Raubzug an Geld, Vermögen und Menschenrechten vollzieht. All das läuft hierbei schön getarnt als „demokratisches“ Spektakel ab.
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    4. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Herr Urs Mueller, wir haben einen Finanzausgleich in der Schweiz, darum kann's auch funktionieren.
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