«Ja, ich will» – britische Homosexuelle dürfen heiraten

Seit Mitternacht ist Schwulen und Lesben in England und Wales die Eheschliessung erlaubt. Premierminister David Cameron hatte das Gesetz zur Homo-Ehe im vergangenen Jahr gegen erheblichen Widerstand aus seiner konservativen Tory-Partei durchgesetzt.

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Bildlegende: Seit 17 Jahren ein Paar – und endlich dürfen sie heiraten: Peter McGraith und David Cabreza in London. Keystone

Die ersten homosexuellen Paare heirateten gleich in der Nacht zum Samstag, als die Gesetzesänderung in Kraft trat. Über das gesamte Wochenende sind viele weitere Hochzeitsfeiern geplant. Der britische Premierminister David Cameron sprach von einem «wichtigen Moment» für das Land.

«  Wenn die Liebe von Menschen durch das Gesetz entzweit wird, dann ist es das Gesetz, das geändert werden muss. »

David Cameron
Premierminister

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Bildlegende: Ein Zeichen der neuen vollen Gleichberechtigung: Die Regenbogenfahne weht über Regierungsgebäuden in London. Keystone

Cameron erklärte, es spiele von nun an in Grossbritannien «keine Rolle mehr, ob man heterosexuell oder homosexuell ist», der Staat sehe alle Beziehungen als gleichberechtigt an. Das sei auch eine «starke Botschaft» an junge Menschen, die sich über ihre Sexualität noch nicht klar seien. Sie wüssten nun ebenfalls, dass alle gleich seien.

Cameron hatte die Neuregelung gegen Widerstände in seiner konservativen Partei durchgesetzt. Von der Mehrheit der Bevölkerung wird das Vorhaben unterstützt.

Schotten und Iren bleiben aussen vor

Die Neuregelung gilt allerdings nicht für Schottland und Nordirland. Das schottische Parlament hatte im Februar die Basis für die Homo-Ehe geschaffen – die ersten Ehen in Schottland sollen von Oktober an geschlossen werden können. In Nordirland, wo es noch immer Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Protestanten gibt, bestehen derzeit keine Pläne, nachzuziehen.

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Widerstand bleibt

Eine Umfrage am Freitag hatte ergeben, dass noch immer 20 Prozent der Engländer eine Einladung zu einer Hochzeitsparty von Schwulen oder Lesben ausschlagen würden.

Die Gesetzesänderung hat letztlich allerdings vor allem symbolischen Charakter: Schon seit 2005 können schwule und lesbische Paare in Grossbritannien zumindest ihre Partnerschaft eintragen lassen und dadurch die gleichen Rechte und Verantwortlichkeiten wie heterosexuelle Paare erhalten. Auch im Adoptionsrecht haben Schwule und Lesben bereits Rechte wie andere Paare.

Das Recht zur formellen Eheschliessung wird von der Homosexuellen-Community nach jahrelangem Kampf aber als hoher ideeller Wert angesehen. So dürfen Schwule und Lesben nun auch kirchlich getraut werden – allerdings bisher nicht in der Church of England, der anglikanischen Hauptkirche in Grossbritannien.

Der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, kündigte am Samstag jedoch an, die Kirche werde ihren Widerstand gegen die Home-Ehe nun aufgeben. «Das ist nun Gesetz», sagte das geistliche Oberhaupt der Kirche von England.