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Japans Monarchie Japan reformiert seine Monarchie: Adoption statt Kaiserin

Dem Kaiserhaus gehen die männlichen Erben aus. Eine umstrittene Gesetzesänderung erlaubt Adoption und soll so helfen.

Darum geht es: Japans Regierung unter Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hat eine Revision des 1947 eingeführten Kaiserhausgesetzes verabschiedet, um die Zukunft der Kaiserfamilie zu sichern. Die Änderungen ermöglichen männlichen Nachkommen ehemaliger Seitenlinien, die ihren kaiserlichen Status nach dem Zweiten Weltkrieg verloren haben, durch Adoption in die Kaiserfamilie zurückzukehren. Frauen bleibt der Thron weiterhin verwehrt.

So kam die Gesetzesreform zustande: Möglich wurde das, weil die Liberaldemokratische Partei (LDP) eine Zweidrittelmehrheit hält und bei der Parlamentswahl im Februar stark nach rechts gerückt ist, wie Martin Fritz erklärt. Der Journalist lebt seit vielen Jahren in Japan. Auch konservative Kräfte in der Opposition stimmten demnach für das Gesetz. Premierministerin Takaichi begründete es damit, dass die männliche Blutlinie «die einzige Quelle der Autorität des Kaisers» sei.

Diese drei potenziellen Thronfolger gibt es: Kaiser Naruhitos Bruder, Kronprinz Akishino (60), dessen Sohn Prinz Hisahito (19) und Naruhitos 90-jähriger Onkel Prinz Hitachi. Sollte Hisahito als einziger verbliebener Prinz in der jüngsten Generation der Kaiserfamilie für kein männliches Kind sorgen, könnte – so sieht es die Gesetzesänderung vor – ein männlicher Nachkomme eines adoptierten Familienmitglieds den Thron besteigen.

Darum sorgt die Gesetzesreform für Aufregung: Mit der Reform scheint die Möglichkeit für eine weibliche Kaiserin noch unwahrscheinlicher. Die Regierung bleibt bei der Regel, dass nur Männer der kaiserlichen Blutlinie Nachfolger sein dürfen. Viele Japaner bedauern das, da sie sich Prinzessin Aiko, die 24-jährige Tochter des Kaisers, als künftige Kaiserin vorstellen könnten. Eine Neuerung in der Gesetzesänderung ermöglicht es weiblichen Mitgliedern der Kaiserfamilie lediglich, ihren kaiserlichen Status auch nach einer Heirat mit Bürgerlichen zu behalten. Allerdings erhalten ihre Ehepartner und Kinder dadurch keine Mitgliedschaft in der kaiserlichen Familie und bleiben weiterhin Bürgerliche.

Das konservative Frauenbild in Japan: Zögerliche Reformversuche

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«Bei der Gleichberechtigung hinkt Japan dem Westen um ein bis zwei Jahrzehnte hinterher», sagt Japan-Experte Martin Fritz. Das Frauenbild der Konservativen sei rückwärtsgewandt. «Als Japan im 19. Jahrhundert den Nationalstaat gründete, lautete das Ideal: gute Ehefrau, weise Mutter.» Frauen sollten den Männern dienen. «Diese patriarchalische Gesellschaft bleibt das Ideal jener Konservativen, die in Japans Elite den Ton angeben», sagt Fritz.

Frauen würden in Japan schlechter bezahlt, arbeiteten häufig Teilzeit ohne Festanstellung und übernähmen den Grossteil der Kindererziehung und Pflege der Eltern. In öffentlichen Positionen seien sie stark unterrepräsentiert. Sanae Takaichi ist die erste Frau als Premierministerin nach 103 Männern. Nur 15 Prozent der Parlamentsabgeordneten sind weiblich.

Seit rund 30 Jahren gebe es Bemühungen zur Gleichstellung, erklärt Fritz. So hat die aktuelle Regierung das Ziel ausgegeben, den Frauenanteil in Führungspositionen bis 2030 auf idealerweise 30 Prozent anzuheben – was laut dem Japan-Kenner kaum erreichbar sei. Bei den Staatsanwälten in Tokio funktioniere hingegen eine verpflichtende Quote: Der Frauenanteil läge dort heute bei 50 Prozent. Väter im öffentlichen Dienst müssten neuerdings Vaterschaftsurlaub nehmen. Kindergartenplätze seien kostenlos und ausreichend vorhanden.

So reagiert die Öffentlichkeit: Eine Debatte über Gleichberechtigung werde in Japan jetzt nicht geführt, erklärt Experte Fritz. «Das Kaiserhaus ist ein spezieller Fall. Es steht unter dem Zwang, weiter zu existieren.» Das führe dazu, dass die Männer im Kaiserhaus sich «wie Zuchtbullen fühlen» und die «Frauen wie Gebärmaschinen». Kaiserin Masako sei unter dem Druck, einen Sohn gebären zu müssen, psychisch krank geworden. Jetzt müsse sie an ihrer Tochter erleben, dass es eine Generation später nicht besser geworden sei, so Fritz.

Eine Familie sitzt auf einem Sofa mit zwei Hunden.
Legende: Kronprinz Naruhito mit Ehefrau Masako und Tochter Aiko im Jahr 2007. Masako litt unter dem Druck, einen männlichen Thronfolger gebären zu müssen AP Photo/The Imperial Household Agency of Japan, HO

So schätzen Fachleute den Entscheid ein: Viele sehen das Gesetz kritisch. Laut Verfassung ist der Kaiser das Symbol des Staates. Wenn künftig jemand Kaiser werden kann, der zuletzt vor 600 Jahren mit der heutigen Kaiserfamilie direkt verwandt war, gefährde das die gesamte Institution. Einige Experten warnen deshalb: Das Gesetz bedeute langfristig den Untergang des Kaiserhauses. Die Kaiserfamilie zählt derzeit nur noch 16 Mitglieder, was die Zukunft der ältesten Erbmonarchie der Welt weiterhin unsicher erscheinen lässt.

Info 3, 18.7.2026, 17:00 Uhr ; 

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