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International Journalisten verhaftet: Es gibt keine Pressefreiheit in Ägypten

Die ägyptische Justiz beschuldigt zwanzig Mitarbeiter des internationalen Fernsehsenders Al Dschasira der Unterstützung des Terrorismus. Acht der Angeklagten sitzen in Untersuchungshaft. Es handle sich um eine politische Abrechnung, sagt eine unabhängige Journalistin in Kairo.

Drei Plakate mit einem ägyptischen Mitarbeiter des TV-Senders Al Dschasira
Legende: Ägyptische Mitarbeiter von Al Dschasira wurden sitzen in Haft. Keystone

SRF: Werden Sie in Ihrer Arbeit eingeschränkt?

Astrid Frevel: Journalistische Arbeit in Ägypten war nie einfach. Es gab nur graduelle Unterschiede. Seit dem Sturz Mursis herrscht zudem eine sehr negative Stimmung gegen Journalisten, insbesondere aus westlichen Ländern. Man wirft uns vor, wir würden die Situation nicht verstehen, weil wir den Putsch als solchen bezeichnet haben. Es ist tatsächlich praktisch unmöglich geworden, persönlich Muslimbrüder zu treffen, aber das ist schon seit vielen Monaten so.

Warum werden Journalisten von Al Dschasira nun von der Justiz als Unterstützer des Terrorismus gebrandmarkt?

Es ist eine politische Abrechnung: Hinter dem Fernsehsender Al Dschasira steht das Emirat Katar. Katar unterstützt noch immer die Muslimbrüder. Einige der Führungsfiguren sind sogar nach Doha geflüchtet. Aus diesem Grund wirft man nun den ägyptischen Mitarbeitern des Senders vor, sie seien Mitglieder einer terroristischen Organisation, und die Ausländer hätten ihnen geholfen.

Ist das Willkür?

Reine Willkür. Einer der Vorwürfe lautet etwa, dem ägyptischen Ansehen im Ausland geschadet zu haben. Mit solchen Floskeln kann man jede journalistische Tätigkeit unterbinden.

Sind die Medien in Ägypten gleichgeschaltet? Wie reagiert die Bevölkerung darauf?

Die Bevölkerung steht im Moment praktisch zu 100 Prozent hinter den Medien und zwar nicht unbedingt auf Druck von oben. Nach dem Sturz Mursis hat sich das so ergeben. Die meisten Medien sind von einem Tag auf den andern umgeschwenkt, gleich wie sie sich ein Jahr zuvor hinter Mursi gestellt hatten. Es gibt in Ägypten keine Tradition von unabhängigem Journalismus. Alle Medien sind irgendwelchen Interessen zuzuordnen. Also die Vorstellung, dass ein Journalist einfach informiert, oder allenfalls analysiert, gibt es hier nicht. Man macht entweder Propaganda oder eine Negativkampagne.

Ägypten hat keine freie Presse und steht davor, einen General zum Präsidenten zu wählen. Kehrt das Land zurück zu Mubaraks Zeiten, und das freiwillig?

Ja. Es sieht im Moment so aus, als ob die Mehrheit der Bevölkerung einfach Stabilität will und dafür auch mehr Repression in Kauf nimmt. Es ist ja so, dass alle kritischen Stimmen, die mehr Freiheiten und Menschenrechte fordern, unterdrückt werden, nicht nur die Muslimbrüder.

Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Astrid Frefel

Portrait von Astrid Frefel

Die Journalistin lebt und arbeitet seit Ende der Neunzigerjahre in Kairo. Davor war die Ökonomin aus Basel Wirtschaftsjournalistin für verschiedene Zeitungen und berichtete als Korrespondentin für den «Tages-Anzeiger» aus Wien und Istanbul.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Mohamed Moustafa, Zürich
    Guten Tag Frau Astrid Frevel: Übertreibung kann mann Immer!!!! Es ist ganz einfach die Journalisten hatten keine Bewilligung in Ägypten zu arbeiten darum sind sie verhaftet worden. Gesetze muss man respektieren. Oder!!!!
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  • Kommentar von Mustafa Ghanem, Aarau
    "zu 100% hinter den Medien"?? Haben Sie das wirklich gesagt Frau Frefel? Sie beziehen Ihre Informationen von eben diesen propagandistischen Medien wie es scheint? Wer stirbt dann wöchentlich auf den ägyptischen Strassen möchte ich sie mal fragen? Wussten sie von den Dutzenden getöteten Demonstranten am 3 Jahrestag der Revolution, natürlich ausserhalb des Tahrir platzes der für Propaganda reserviert ist? Wissen sie warum sie keinen Moslembruder zu sprechen bekamen? Weil alle im Gefängnis sitzen!
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  • Kommentar von Tamer Aboaloenin, Bern
    Ich glaube, man hätte noch erwähnen sollen, dass seit dem Putsch etwa 10 Journalisten und Journalistinnen getötet wurden und noch 15 anderen immer noch im Untersuchungshaft sind. Dass es in Ägypten keine Tradition von unabhängigem Journalismus gibt, wie Frau Frevel behauptet, ist eine reine Verleumdung bzw. Diffamierung. Frau Frevel hätte sich über die Geschichte des Journalismus in Ägypten besser informieren sollen. Dass "Die Bevölkerung zu 100% hinter den Medien steht", ist völlig daneben.
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