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International «Juden gehören zu Europa»

Nach den Anschlägen in Paris und Kopenhagen befürchten Regierungen in Europa eine Abwanderungswelle der jüdischen Bevölkerung nach Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte zuvor die Juden aufgerufen, vor der Terrorwelle in Europa nach Israel zu fliehen.

Mann mit Kippa vor Brandenburger Tor
Legende: Die Sorge der jüdischen Bevölkerung ist nach den jüngsten Angriffen in Europa gewachsen. Reuters

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte in Berlin, die Bundesregierung, die Landesregierungen und alle Verantwortlichen in Deutschland würden alles dafür tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen und der Bürger jüdischer Herkunft gewährleistet werde. «Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben», sagte die Kanzlerin.

Auch Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls appellierte an die Juden, in Frankreich zu bleiben. «Frankreich ist genauso verletzt wie Ihr es seid, und Frankreich wünscht nicht, dass Ihr das Land verlasst.» Frankreichs Präsident François Hollande sagte am gleichen Tag, die Juden hätten «ihren Platz in Europa und besonders in Frankreich».

Nicht einschüchtern lassen

Frankreich und Deutschland reagierten auf eine Ausreise-Aufforderung an Juden in Europa durch den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. «Juden wurden auf europäischem Boden ermordet, nur weil sie Juden waren», hatte er gesagt.

Auch die jüdische Gemeinde in Dänemark wies die Aufforderung von Netanjahu zurück – trotz des am Wochenende vor einer Synagoge in Kopenhagen getöteten Wächters. Man dürfe sich nicht vom Terror einschüchtern lassen, meinen jüdische Repräsentanten. Zudem sei auch Israel nicht sicher.

Mehr Übergriffe

In den vergangenen Jahren nahmen in Frankreich judenfeindliche Angriffe deutlich zu; im Jahr 2014 wurden doppelt so viele antisemitische Straftaten wie im Vorjahr registriert. Viele der rund 600'000 Juden in Frankreich – die grösste jüdische Gemeinde Europas – erwägen daher auszuwandern.

Die Zahl jüdischer Einwanderer nach Israel hatte 2014 ein Zehnjahreshoch erreicht. Insgesamt kamen im vergangenen Jahr rund 26'500 Juden nach Israel, wie die Einwanderungsorganisation Jewish Agency bestätigte. Im Jahr zuvor seien es rund 20'000 gewesen.

Juden in der Schweiz

Nach den jüngsten Terroranschlägen in Frankreich oder Dänemark ist auch die jüdische Bevölkerung in der Schweiz verunsichert. Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) erhält täglich Anrufe von verunsicherten Juden. Mehr dazu hier.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Juden gehören zu Europa, Moslems auf den Südbalkan - vorallem wenn sie sich so aufführen wie sie leider immer öfter auftreten: Als hemungslos extreme Judenhasser! Es ist unfassbar, dass 2014 Moslems durch dt. Städte ziehen und "Hamas! Hamas! Juden ins Gas!" skandieren konnten ohne von der Polizei belangt zu werden. Ja, Frau Merkel, «Wir möchten gerne mit den Juden, die heute in Deutschland sind, weiter gut zusammenleben», aber Sie haben nicht mal den Mut zu benennen, wer dies verunmöglicht.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
    "Juden gehören zu Europa". Muslime ja auch. Es ist ja nun überhaupt nicht so, dass die 3 monotheistischen Religionen einander nicht auch verwandt wären. Sie gingen ja eine nach der anderen aus sich selbst hervor. Darum finde ich das Brimborium, das man oft darum herum macht, eher etwas lächerlich. Aber mir persönlich ist es im Grunde eh egal, ob jemand an einen Gott glaubt oder viele, solange man nicht vor meiner Tür missionieren kommt, wie es z.B. Zeugen Jehovas schon taten.
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    1. Antwort von Hans Haller, im Ausland
      Vor allem gehört der Laizismus zu Europa.
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  • Kommentar von Ursula Schüpbach, Biel/Bienne
    "Auch die jüdische Gemeinde in Dänemark wies die Aufforderung von Netanjahu zurück – trotz des am Wochenende vor einer Synagoge in Kopenhagen getöteten Wächters. Man dürfe sich nicht vom Terror einschüchtern lassen, meinen jüdische Repräsentanten. Zudem sei auch Israel nicht sicher." Und offenbar fallen auch nicht alle auf Netanjahus Propaganda-Tour rein. Aber er muss natürlich selber wissen, ob es wirklich hilfreich ist für sein Land, wenn auch er quasi alles auf die religiöse Karte setzt.
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    1. Antwort von Alex Kramer, ZH
      Vor ein paar Wochen war doch die Idee in Israel vorgetragen worden, sich als Jüdischen Staat (JS?) zu definieren. Ich finde die Reaktionen der Juden aus Frankreich und Dänemark nachvollziehbar und richtig, die Angriffe nicht auf das Judentum zu werten, sondern primär auf ihre Staatsbürger. Die Worte von Herrn Netanyahu riechen zu stark nach Gross-Israel und Expansionsgelüsten, legitimiert durch eine Massenflucht von Juden aus Europa. Zumal man ja Islamische Republiken auch nicht gerne sieht...
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      @Kramer - Israel hat die Halbinsel Sinai an Ägypten zurückgegeben und vor 10 Jahren den Gazastreifen an die sog. Palästinenser abgetreten. Da fragt man sich, wie Leute wie Sie einfach Unwahrheiten von "Gross-Israel und Expansionsgelüsten" verbreiten, wenn genau das Gegenteil der Fall ist. Unfassbar!
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