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Zwei schwarze Jugendliche sind eingehüllt in orange Wärmedecken. Sie schauen besorgt; einer in den Himmel, der andere nach links.
Legende: Minderjährige Migranten sind Menschenhändlern oft ausgeliefert. Reuters
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International Junge Flüchtlinge: «Viele werden zur Prostitution gezwungen»

Die Balkanroute ist praktisch zu. Nun verzeichnet Italien wieder eine deutliche Zunahme an Flüchtlingen. Fast täglich gelangen Hunderte an Land. Viele von ihnen sind unbegleitete Minderjährige. Eigentlich müssten sie besonders geschützt werden, doch das ist längst nicht immer der Fall.

Salvo Pappalardo leitet die Anlaufstelle der Caritas beim Bahnhof Catania auf Sizilien. Hier bekommen obdachlose Italiener und Flüchtlinge etwas zu essen, Kleider, ärztliche Versorgung. Ein Teil der Flüchtlinge, die hierher kommen, leben von der Prostitution, wie Pappalardo sagt. «Viele junge Frauen aus Nigeria oder Eritrea, auch junge minderjährige Männer prostituieren sich oder werden dazu gezwungen.»

Eigentlich müsste der Staat minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge in speziellen Heimen unterbringen, sie schützen. Doch es fehle an Plätzen. Zudem würden Jugendliche oft ausreissen. «15 bis 20 Prozent der Jugendlichen machen sich aus dem Staub», schätzt Pappalardo. Wer zum Beispiel Eltern oder Verwandte in Deutschland habe, versuche sich nach Norden durchzuschlagen.

Prostitution oder Drogenhandel

Weil diese Jugendlichen meist kein Geld hätten, würden sie leicht Opfer von Kriminellen. «Es gibt Leute, die diese Jugendlichen genau beobachten. Wer diesen Leuten geeignet für Prostitution oder Drogenhandel erscheint, wird gezielt herausgepickt.» Die Caritas, sagt Pappalardo, versuche das zu verhindern und zeige Täter an. Doch es gehe um viel Geld, um mächtige Hintermänner. Die Caritas sei deswegen auch schon bedroht worden: «Sachschäden an unseren Gebäuden oder zerkratzte Autos unserer Mitarbeiter: Man gab uns zu verstehen, dass wir uns nicht einmischen sollen.»

Wer diesen Leuten geeignet für Prostitution oder Drogenhandel erscheint, wird gezielt herausgepickt.
Autor: Salvo PappalardoLeiter Anlaufstelle Caritas Catania

Etwa zwei Autostunden von Catania entfernt, im Innern Siziliens, liegt das Städtlein Mazzarino. In einer alten Schule hat diese Gemeinde ein Heim für rund 20 minderjährige Flüchtlinge eingerichtet. Einer von ihnen ist Salah. Der junge Somalier erreichte Europa am 12. April 2015 als damals 15-Jähriger.

Die italienische Küstenwache hatte ihn gerettet und nach Agrigento gebracht. Dort aber wollte er nicht bleiben: «Ich bin abgehauen, denn Italien gefiel mir nicht, ich wollte weg», sagt er, der Verwandte in Deutschland hat. Was dann genau passierte, ist unklar. Schliesslich fand man Salah verwahrlost und verwirrt auf der Strasse. Er hatte Glück, man brachte ihn in dieses Heim.

Gemeinden beziehen Geld fürs Nichtstun

Einer von Salahs Kollegen wird gefeiert, denn eben wurde sein Asylgesuch angenommen. Sie singen das Geburtstagslied. Es geht zwar nicht um einen Geburtstag, aber dieses Lied ist das einzige, das alle 15 jungen Männer können.

Mara gehört zum Team, das die minderjährigen Flüchtlinge betreut. Jugendliche wie Salah gebe es viele, aber es gebe viel zu wenig Heime für sie. «Oft beziehen die Gemeinden zwar Geld für solche Heime, aber richten diese nicht ein.» Viele dieser Heime seien zudem schlecht geführt, böten den Jugendlichen wenig, oft nicht einmal Italienisch-Kurse.

Mazzarino gilt als gutes Heim. Die Stadt hat es eingerichtet, auch um Junge hierher zu holen, denn eigentlich zieht es die Jungen von hier weg. «Die jungen Italiener verlassen Mazzarino. Hier gibt es keine höheren Schulen, keine Arbeit. Auch ich war weg», sagt Mara. Erst diese Arbeit mit den jungen Flüchtlingen habe ihr die Rückkehr ermöglicht. «Ankunft, Abschied, Rückkehr. Das macht Sizilien aus», sagt Mara. «Wir haben eine grosse Geschichte der Migration.»

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Ökonomisch starke Länder beuten global schwache, abhängige Staaten aus. Dabei werden sowohl Menschen als auch Rohstoffe/Ressourcen billig ausgenutzt. Damit das möglichst lange so bleibt, hält man diverse Staaten unstabil und sorgt für schlechte soziale Strukturen. Schlaue und kriminelle Strukturen beuten Flüchtlinge hier nochmals aus, wenn sich Gelegenheiten ergeben. Nichts neues in der Menschheitsgeschichte. Für Betroffene ist die Ausbeutung teilweise weniger schlimm als Perspektivlosigkeit.
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  • Kommentar von paul waber  (sandokan)
    Ist Europa denn das gelobte Land? Wohl kaum...aber Illusionen sterben auf die harte Tour!
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Natürlich ist Europa für viele das gelobte Land, wie einst Amerika und andere Kontinente für Millionenen von Europäern.
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  • Kommentar von Michelle Frick  (michelle16)
    2 Abschnitt: Und europa mit ihrer gutmensch-politik ist für das leid mitschuldig. Es hätten niemals soviele missbrauchsfälle und todesfälle in europa oder im meer gegeben, wenn sie dicht gemacht hätten. Offenbar will aber die politik dieses massaker, anders kann ich es mir nicht erklären!
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    1. Antwort von Thomas Steiner  (Thomas Steiner)
      Bitte ehrlich sein. Ihnen sind die Flüchtlinge und ihr Schicksal egal, hauptsache sie kommen nicht zu uns.
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    2. Antwort von Jürg Sand  (Jürg Sand)
      Ja, Thomas Steiner, das nennt man Selbstbehauptung, heute bei uns nur noch bekannt unter dem abwertenden Begriff Egoismus. Genau wegen diesem elementaren Lebensprinzip machen sich die Jungen und Gesunden in Afrika und Islamistan auf, setzen alles auf eine Karte, reisen unter grosse Kosten und Risiken in Länder, wo man vor lauter Wohlstand dieses Lebensprinzip verhöhnt und lassen Land und Leute zurück, kümmern sich nur um sich und allenfalls noch um die Sippe.
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    3. Antwort von roland goetschi  (pandabiss)
      @Frick. "Es hätten niemals soviele missbrauchsfälle und todesfälle in europa oder im meer gegeben". Ja dann wären Sie in Ihrer Heimat elendig verhungert, Versklavt oder im Krieg getötet. Sie wissen genau wie gefährlich die Reise nach Europa ist , haben aber meist keine Alternative.
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    4. Antwort von Margot Helmers  (Margot Helmers)
      @Steiner / Götschi. Mehr als fünf Milliarden Menschen geht es schlechter wie uns. Zwei Milliarden Menschen müssen mit weniger als zwei $ pro Tag leben, die können sich eine Reise nach Europa gar nicht leisten. Wir sehen die "Survival of the fittest". Die einzige Möglich keit sehe ich bei der Familienplanung, Sanktionen gegen Kriegsgurgeln aller Art, Handelsembargo, Konten- und Einreisesperren von Diktatoren. Die Probleme müssen dort gelöst werden und nicht in der Schweiz. Wir sind nicht Gott.
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    5. Antwort von Christophe Bühler  ((Bühli))
      Ob die Politik Massker will oder die Mafia Kohle, scheint in Europa irrelevant, denn die Sozialindustrie verdient ebenfalls wacker mit. In Australien scheint es obiges nicht zu geben; nur die Prostitution, die ist wohl älter als die Mafia und die gibt es überall.
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    6. Antwort von Steve Rasmussen  (rast)
      Herr Götschi mal abgesehen davon, dass die Schlepper ein riesen Geschäft machen damit, und für ihren Zweck auch ordentlich die Werbetrommel rühren. Wenn hier nicht die Tore offen wären, würden diese Leute eben NICHT trotzdem ins Meer gehen. Wo kein Angebot ist ist auch keine Nachfrage, solange es wo anders ein Angebot gibt. Und das Angebot in der Region aus der diese Leute kommen würde anders aussehen, und nicht aussichtlos genug um sie aufs Meer zu zwingen, wären hier die Tore zu!
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    7. Antwort von Christophe Bühler  ((Bühli))
      @Roland Götschl: Im Ernst; Wenn also Papi Y als seine 3 Kühe nicht verkauft hätte um das Wassertaxi für den Sohn Y zu bezahlen, müsste Sohn Y jetzt nicht von seiner hiesigen Sozialhilfe Geld nach hause senden, wäre arm aber gücklich und würde weiter Kühe hüten, aber das ist für Sie keine Alternative
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    8. Antwort von Michelle Frick  (michelle16)
      @Goetschi: ich glaube sie haben den text nicht gelesen. Da steht, ihm gefiel italien nicht. Das heisst ganz klar, dass er nicht auf sicherheit aus ist, sonder auf geld. Wer vom krieg flieht, fühlt sich in jedem anderen land wohl. Und noch was, wenn die leute arm sind was machen die um hierher zukommen? Genau sie verkaufen ihre kinder. Solchen menschen kann man nicht helfen und will ich auch nicht.Wer sich selbst rettet und die kinder verkauft hat es nicht verdient in einem sicheren land zuleben!
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    9. Antwort von Michelle Frick  (michelle16)
      @Steiner: Leider hat man nur einen teil meines kommentares reingestellt, sonst wüssten sie, dass es nicht ganz stimmt. Mir sind die flüchtlinge nicht egal, zumindest die frauen und kinder nicht und männer nur diejenige welche frauen gut behandel. Die anderen sind mir tatsache egal und ja so egoistisch bin. Man kann nicht immer für alle alles aufgeben. Abgesehen davon sind viele afrikaner nicht imstande miteinander zuleben, wieso sollen sie es hier tun?
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    10. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      argot Helmers (Margot Helmers), Bülach@Steiner / Götschi. Mehr als fünf Milliarden Menschen geht es schlechter ALS uns.
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    11. Antwort von E. Waeden  (E. W.)
      @ M. F.: Für Politiker in D. sind Flüchtlinge ein Gottes Geschenk an Deutschland. So tönte es auf alle Fälle 2015.
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