Katastrophenhilfe mit Twitterkarten

Auf den Philippinen herrscht nach dem Taifun Haiyan Chaos. Informationen sind unübersichtlich und widersprüchlich. Staat und Hilfsorganisationen müssen aber so schnell wie möglich wissen, wer wo am dringendsten Hilfe benötigt. Dank der digitalen Krisenkarte eines Schweizers ist das möglich.

Verwüstung von Wohnhütten auf den Philippinen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Wer braucht wo welche Hilfe? Micro-Mapping soll bei der Antwort helfen. Keystone

Patrick Meier ist ein digitaler Pionier mit Schweizer Wurzeln. Er ist Direktor der Abteilung für soziale Innovationen am Computer-Forschungsinstituts Qatar in Doha. Er hat von den Vereinten Nationen den Auftrag bekommen, die Sozialen Medien auf Informationen und Bilder zu untersuchen. Gar nicht einfach, sagt Meier. «Nach einer Katastrophe werden wir immer mehr von Sozialen Medien überflutet.»

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Patrick Meier ist Direktor der Abteilung Soziale Innovationen am Computer-Forschungsinstitut Qatar in Doha. Hier geht es zum Projekt

Bei Krisen kommunizieren die Menschen mit sozialen Medien. Das Resultat: Unmengen von Informationen, die Hilfswerke kaum auswerten können. «Es ist, wie wenn man eine Nadel im Heuhaufen suchen müsste.»

Computerprogramm filtert Tweets

Um sich in diesem Lärm von Informationen zurecht zu finden, hat Meier ein Verfahren entwickelt. Mit diesem kann er aus der Informationsflut, welche soziale Medien wie Facebook oder Twitter produzieren, die wichtigen Informationen herausfiltern: Er nennt das Micro-Mapping. «Wir lesen Tweets und SMS. Wir schauen Bilder und Videos auf Facebook an. Wir funktionieren wie ein Filter. Die gefilterten und nützlichen Informationen leiten wir den Hilfsorganisationen weiter. Das was sie brauchen, nicht 250'000 Tweets, sondern 5000 Tweets, die wirklich etwas aussagen.»

Zuerst filtert ein Computerprogramm automatisch die relevanten Tweets heraus. Nachher klassifizieren Freiwillige den Inhalt bei sich Zuhause am Computer.

500 Menschen haben in den letzten Tagen an ihren Computern Bilder und Tweets analysiert. Und sie haben sie auch klassifiziert: Bei Bildern zum Beispiel entscheiden sie, ob es sich um schwere, leichte oder gar keine Schäden handelt. Erst wenn drei Mitarbeiter zum selben Resultat kommen, wird dies auf einer digitalen Karte eingetragen. So funktioniert die Qualitätskontrolle.

Die Mitarbeiter können mit diesem System feststellen, wo die grössten Bedürfnisse und Schäden sind, und können dann die Hilfe priorisieren. Anhand dieser Karten können die Hilfskräfte ihre Hilfe organisieren: Wo braucht es sauberes Wasser? Wo ist die Stromversorgung unterbrochen? Wo fehlen Medikamente?

Hunderttausende von Tweets ausgewertet

Eine Million Tweets wurden seit dem Taifun auf den Philippinen verschickt. 250'000 wurden von Patrick Meiers Team ausgewertet und weitergeleitet. Bei den Hilfskräften sei die digitale Karte auf sehr positives Feedback gestossen, sagt Meier. Weil die Menschen auf den Philippen sehr aktiv sind im Netz, habe man sehr viele brauchbare Informationen bekommen.

Patrick Meier wird nun das System noch ausfeilen und verbessern – für die nächste Katastrophe.