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International Kiffen – von «legalized» bis «strengstens verboten»

Die grosse Mehrheit der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen der Konsum von Cannabis verboten ist. Doch es gibt Gebiete, wo zumindest der private Konsum erlaubt ist – oder wenigstens strafrechtlich nicht mehr verfolgt wird. Eine kleine Weltübersicht.

Mann raucht Joint an einer Cannabis-Messe in Uruguay
Legende: Hier ists legal: Kiffer an einer Cannabis-Messe in Uruguay Keystone

In der Schweiz ist der Anbau oder auch Verkauf von Cannabis gemäss Betäubungsmittelgesetz illegal. 2008 lehnte das Stimmvolk die «Hanf-Initiative» ab – diese hatte Straffreiheit unter anderem für Konsum, Anbau oder Erwerb gefordert.

Seit Herbst 2013 werden erwachsene Kiffer nur noch mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken bestraft, sofern sie nicht mehr als 10 Gramm Cannabis auf sich tragen. Und im Rahmen von Versuchen möchten nun mehrere Schweizer Städte Cannabis kontrolliert zum legalen Konsum abgeben.

Die Nachbarstaaten der Schweiz gehen unterschiedlich hart gegen Kiffer vor:

  • In Deutschland sind Anbau, Handel oder auch Besitz von Cannabis strafbar. In der Praxis stellen die Behörden bei Personen, die mit Kleinstmengen für den offensichtlichen Eigenbedarf erwischt werden, ein Strafverfahren beim ersten Vergehen allerdings oft ein.
  • In Österreich trat Anfang 2016 eine Strafrechtsreform in Kraft. Seit da führen Kauf und Besitz von Kleinstmengen Cannabis nicht mehr automatisch zu einer Strafanzeige – sofern der erwischte Konsument mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeitet.
  • Das Gesetz in Frankreich hingegen verbietet grundsätzlich nicht nur Besitz oder Handel, sondern auch den Konsum von Cannabis. Bei geringen Mengen können die Behörden die Strafverfolgung einstellen oder Kiffer zu einem Präventionskurs verpflichten.
  • Die Behörden in Italien wiederum ahnden den blossen Konsum von Cannabis nicht als Straftat; der Besitz für den persönlichen Gebrauch wird indes verwaltungsrechtlich verfolgt (etwa mit dem Entzug des Fahrausweises).

Europaweit ist die Bandbreite grösser:

  • In den Niederlanden geht grundsätzlich straffrei aus, wer mit bis zu 5 Gramm Cannabis erwischt wird; «Coffeeshops» verkaufen Cannabis unter klar geregelten Bedingungen an Volljährige. In Spanien sind Konsum und Anbau im privaten Bereich erlaubt; in Barcelona etwa gibt es Hunderte privater «Cannabis-Clubs».
  • Tschechien führte 2010 eines der damals liberalsten Drogengesetze Europas ein; in der Regel werden weder der Konsum noch der Besitz von Cannabis (in geringen Mengen) strafrechtlich verfolgt. Das Verfassungsgericht griff allerdings 2013 ein und stellte die Weichen wieder in Richtung weniger freizügig.
  • Nordische Länder wiederum halten die Zügel straffer. In Norwegen und Schweden etwa ist nicht nur der Besitz, sondern auch der Konsum von Cannabis strafbar.

Im Rest der Welt ist das Strafspektrum breit:

  • Uruguay legalisierte den Konsum sowie den staatlich kontrollierten Anbau und Verkauf von Cannabis 2013 als erstes Land. Registrierte Erwachsene mit uruguayischem Pass sollen künftig monatlich bis zu 40 Gramm Cannabis in Apotheken kaufen dürfen.
  • Auch in den USA ist Cannabis teilweise legalisiert. Mehrere Bundesstaaten haben Anbau, Besitz, Konsum unter bestimmten Bedingungen freigegeben. In rund zwei Dutzend Bundesstaaten ist Cannabis für medizinische Zwecke freigegeben.
  • Illegal ist Cannabis in Afrika und Asien. Verschiedene Länder kennen auch die Todesstrafe bei Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz – darunter fallen gemäss den Reisehinweisen des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) beispielsweise China, Singapur, Thailand oder Saudi-Arabien.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Andreas Kermann (Andreas Eros Kermann)
    Portugal mit seinem fortschrittlichsten Drogengesetz fehlt in diesem Artikel: Dort sind ALLE Drogen legal im Gebrauch - wer sich exakter informieren will fragt Google - der Platz hier reicht nicht für genauere Angaben.
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  • Kommentar von Dölf Meier (Meier Dölf)
    Ist Kiffen schädlich, so bin ich dagegen. Die Mehrheit wird mit höheren Krankenkassenprämien für die Sucht Weniger belastet
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    1. Antwort von Andreas Kermann (Andreas Eros Kermann)
      Wenn wir die Krankenkassenprämien von Sucht befreien wollen indem wir bestimmte Substanzen oder Verhaltensweisen verbieten enden wir in einem totalitären Staat. Tabak und Alkohol müssten als gefährlichste Drogen wieder verboten werden - was genau so wenig funktioniert wie das Verbot von Cannabis. Ja selbst das Essen müsste reglementiert werden, denn übergewichtige Personen verursachen auch sehr hohe Kosten im Gesundheitsbereich.
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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    In diesem Artikel fehlen die Auswirkungen, die die Legalisierung in verschiedenen Staaten mit sich gebracht haben. Nirgends sind die von den Legalisierungsgegnern vorgebrachten Befürchtungen von Mehrkonsum und -Abhängigkeit sowie tieferer Einstiegsalter eingetroffen. Im Gegenteil: Die Drogenmafia hat ein Standbein verloren, die Kriminalitätsraten gingen zurück, die Steuerbehörden haben viele Millionen zusätzlich eingenommen. Straffe Regelungen sind Voraussetzung; Zeit, sich daran zu orientieren.
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