Kinderarbeit – bittere Realität im süssen Geschäft

Schluss mit Kinderarbeit beim Kakaoanbau, so das Versprechen der Schokoladenindustrie. Das Ergebnis der Anstrengungen ist ernüchternd: Die Zahl der Kinder, die die gefährliche Knochenarbeit verrichten, ist weiter gestiegen. Und es besteht wenig Hoffnung auf Besserung.

Ein Arbeiter auf einer Kakaoplantage in der Elfenbeinküste zeigte eine handvoll Kakaobohnen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bis die Schokolade in unseren Regalen steht, hat sie oft einen zweifelhaften Weg hinter sich. Keystone

Die Realität im Kakaoanbau ist eher bitter als süss: Mehr als 2,2 Millionen Kinder arbeiteten im vergangenen Jahr auf den Plantagen Westafrikas – knapp eine halbe Million mehr als vor sieben Jahren. Die allermeisten müssen auch gefährliche Arbeiten verrichten, beispielsweise mit der Machete Kakao-Schoten ernten, heisst es in einer Studie der Tulane University in New Orleans.

Eine Zunahme der Kinderarbeit ist das Gegenteil dessen, was die Schokoladen-Industrie versprochen hatte. 2001 hatte sie sich verpflichtet, die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu beseitigen. Die Umsetzung wurde mehrfach verschoben, zuletzt auf 2020.

«Kinderarbeit bleibt ein massives Problem»

Zusätzlich gibt es Einzelinitiativen grosser Unternehmen. Nestlé etwa hatte vor drei Jahren versprochen, Kinderarbeit auf den Kakao-Plantagen an der Elfenbeinküste in Eigenregie zu eliminieren. In einer Stellungnahme schreibt der Konzern: «Die Studie zeigt, dass es einige Fortschritte gegeben hat. Aber es ist klar, dass Kinderarbeit ein massives Problem bleibt.»

Ähnlich tönt es beim weltgrössten Kakao-Verarbeiter Barry Callebaut in Zürich: «Es ist uns bewusst, dass sich alle Beteiligten noch stärker engagieren müssen, um die Abschaffung missbräuchlicher Kinderarbeit und die freie Schulbildung für alle Kinder in den Anbaugebieten zu erreichen.»

Kein Geld für erwachsene Arbeiter

Ganz werde man das Problem wohl nie in den Griff bekommen, heisst es bei Lindt & Sprüngli, der ein eigenes Nachhaltigkeitsprogramm in Ghana lanciert hat. Das befürchtet auch Andrea Nüsser von der Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern. «Die Bauernfamilien verdienen am Kakao einfach zu wenig, um erwachsene Erntehelfer bezahlen zu können.»

Also müssen ihre Kinder Hand anlegen. Da wegen der steigenden Nachfrage nach Kakao in Westafrika immer mehr Kakao angebaut werde, müssten eben immer mehr Kinderhände mit anpacken. Solange die Kakao-Bauern am Anfang der Zulieferkette zu wenig Geld für ihren Kakao bekämen, werde sich daran auch nichts ändern.