Korruption: Schweden trägt keine weisse Weste

Im Rüstungsgeschäft versickert viel Geld: In 80 von 82 Ländern gilt ein erhöhtes Korruptionsrisiko. Wie schneidet Gripen-Geschäftspartner Schweden ab?

Die Organisation Transparency International belegt: In zwei Staaten von 82 ist das Korruptionsrisiko sehr niedrig. Deutschland und Australien. In vielen anderen westlichen Ländern gilt es als erhöht. Zu diesen Ländern gehört auch Schweden – Geschäftspartner der Schweiz.

Schweden ist in Sachen Militär und Rüstung eine Grossmacht. Das hat einen historischen Hintergrund. Das Land war während des Kalten Krieges von den beiden Blöcken – Sowjetunion und NATO – umgeben. Zur eigenen Sicherheit hat sich Schweden eine sehr grosse Rüstungsindustrie aufgebaut.

Grosser Waffenexport

Nach dem Zweiten Weltkrieg hat der Staat auf Export umgesattelt. Diesen hat er in den letzten zwanzig Jahren vervierfacht. Heute ist Schweden der weltgrösste Exporteur pro Kopf, und die Rüstungsindustrie ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Ein Fünftel der schwedischen Waffen geht nach Saudi-Arabien. Dieses Land ist nicht nur der grösste Erdöl-Exporteur der Welt, sondern auch ein Land mit viel Geld. Zudem ist es eine Diktatur. Schweden wollte dort im Geheimen eine Waffenfabrik bauen lassen. «Schweden ist korruptionsanfällig», sagt SRF-Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann. Denn Schweden mache auch Geschäfte mit Diktaturen.

Die Schweiz macht Geschäfte mit dem korruptionsanfälligen Schweden: Der Gripen-Kampfjet soll die Armee verstärken. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Schweiz macht Geschäfte mit dem korruptionsanfälligen Schweden: Der Gripen-Kampfjet soll die Armee verstärken. Keystone

Zurzeit verhandelt auch die Schweiz mit Schweden über Rüstungsgüter. Es geht um den Kampfflieger Gripen. «Aus schwedischer Sicht ist klar, dass Korruption oder Schmiergelder nicht eigenen Zwecken dienen», sagt Kaufmann.

Schweden würde noch so gerne mit Ländern Geschäfte machen, die im Index von Transparency International weit oben stehen. Solchen Ländern wie Norwegen, Finnland und Dänemark will Schweden den Gripen schon lange verkaufen. Sie haben aber abgewinkt. In Folge hat Schweden dann mit Ländern wie Thailand und Südafrika Geschäfte gemacht und ist so in Korruptionsgeschäfte verwickelt worden.

Weisse Weste dank Schweiz

Mit der Schweiz hofft das Land aber jetzt, eine Weissrüstungs-Strategie zu verfolgen, wie Kaufmann sagt. Mit der Schweiz konnte eine Partnerin gefunden werden, bei der die Risiken der Korruption kleiner sind. Trotzdem spielt auch beim Gripen-Geschäft wieder viel Geld, Prestige und die nationale Sicherheit mit. «Da kommt eben die Transparenz manchmal ein bisschen zu kurz», sagt der Nordeuropa-Korrespondent.

Der Bericht von Transparency International attestiert Schweden keine weisse Weste. In der Öffentlichkeit und der Politik ist die Kritik an korrupten Geschäften sehr gross. Die Regierung, egal welcher politischen Couleur, soll Arbeitsplätze schaffen und erhalten und die Industrie stützen.

Doch nicht um jeden Preis: Nach Meinungsumfragen finden 90 Prozent der schwedischen Bevölkerung, man dürfe mit Diktaturen keine Waffengeschäfte machen.