Zum Inhalt springen

International Kriegsverweigerer bringen Putin in Erklärungsnot

Bislang hat der Kreml die Anwesenheit von russischen Soldaten im Donbass konsequent verneint. Das Dementi Putins erscheint doch plötzlich in einem anderen Licht. Laut einem russischen Internetportal verweigern Dutzende Soldaten den Dienst in der Ostukraine.

Russische Soldaten vor dem Kreml.
Legende: Keine russischen Soldaten in der Ostukraine. Die Behauptung von Wladimir Putin kommt arg ins Wanken. Keystone

Die Recherchen des unabhängigen russischen Onlineportals gazeta.ru der letzten Tage bringen Russlands Präsidenten Wladimir Putin in arge Schwierigkeiten. Detailliert schildert das Nachrichtenportal, wie die Soldaten Anatolij Kudrin und Iwan Schewkunow sowie die Unteroffiziere Pawel Tintschenko und Alexandr Jenjenko zuerst in die Nähe zur ukrainischen Grenze, ins Gebiet von Rostow am Don, verlegt worden sind. Dort sei mit Druck versucht worden, sie für den Kriegseinsatz im Donbass zu gewinnen.

Grosszügiger Sold als Lockmittel

Man habe ihnen zudem eine besonders gute Entlöhnung und eine spezielle militärische Auszeichnung in Aussicht gestellt. Die Militärs hätten sich aber vor einem solchen Einsatz gefürchtet und sofort um ihre Entlassung aus dem Wehrdienst gebeten. Doch ihre Entlassungsgesuche seien unbeantwortet geblieben, deshalb – und auch weil die Unterbringung auf dem Truppenplatz vor der ukrainischen Grenze unzumutbar gewesen sei – hätten sie sich die vier entschlossen, ihre Truppe zu verlassen.

Tatjana Tschernjezkaja, die Anwältin, welche unter anderem diese vier Armeeangehörigen vor einem Gericht im südrussischen Majkop vertritt, weiss von mehreren Dutzend russischen Soldaten, die sich jetzt wegen unerlaubten Verlassens der Truppe zum Teil wegen «Fahnenflucht» zu verantworten haben. Ihnen droht jetzt bis zu zehn Jahren Freiheitsentzug.

Behörden widersprechen

Einer der in der gazeta.ru zitierten Soldaten macht in seiner Verteidigung gegenüber dem Gericht geltend, dass er als russischer Soldat den Kriegsdienst in der Ukraine deshalb verweigert habe, weil ein solcher Einsatz gegen geltende Gesetze verstossen hätte.

Das Dementi aus dem Kreml kommt nur zögerlich. Lediglich anonym und pauschal werde nun behauptet, dass das Internetportal Lügen verbreite, meint Redaktor Wladimir Dergatschow.

Seine Kollegin Jelisaweta Majetnaja hofft, dass die Publikation eine unabhängige Menschenrechtsorganisation ermuntern werde, die Situation in den russischen Kasernen unter die Lupe zu nehmen.

Die vom russischen Staatsfernsehen verbreitete Propaganda vom Friedensvermittler im Konflikt in der Ostukraine gerät damit immer stärker unter Druck. Aufgeklärten Bürgern, so der Journalist Wladimir Dergatschow, sei letztlich klar, wer hinter der Aggression gegen die Ukraine stecke. Irgendwann aber, so Jelisaweta Majetnaja, werde man hier in Russland gewisse Dinge nicht mehr verdrängen können.

Putin fordert Truppen-Abzug

Für eine Stabilisierung der Lage im Kriegsgebiet Donbass hat Wladimir Putin den Abzug ukrainischer Soldaten aus dem Ort Schyrokyne bei der Hafenstadt Mariupol verlangt. «Dies haben auch die Aufständischen als Geste des guten Willens getan», meinte Putin einer Mitteilung des Kremls zufolge.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

88 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von HaPe Langenau, Zürich
    Mei, hätte Russland sich doch bloss irgendwas mit <WMD> aus dem Allerwertesten gezogen, dann hätten sie in Ruhe völkerrechtswidrig intervenieren können. So müssen sie sich für jede verdeckte Operation vor jedem ausgewogen berichtendem Medium rechtfertigen. Wie man sowas richtig macht und zwar ohne grüne Männchen und mit ganz viel Kollateralschaden - das haben andere doch genügend oft und anschaulich vorgemacht. Die lernen das nie die Russen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P. Manser, St. Gallen
    Lustig wie die Stimmung immer mehr gegen die Nato kippt. Da sind unsere Medien selber Schuld. Zu viele Propagandafehler produziert. Vorallem bei Reuters, BBC und den dt. Medien. Man verkauft einen Helikopterabschuss mit rührseliger Geschichte von totem ukr. General mit exkl. Live-Bildern, wo sich 12h später heraustellt es sind Bilder aus Syrien vor 4 Jahren. Man verkauft Bilder aus Weissrussland und von Videogames als exklusiv und live. SRY in der Zeit des Internets funktioniert das nicht mehr.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      So, so......."Lustig wie die Stimmung immer mehr gegen die NATO kippt" Woher wollen Sie denn das wieder wissen, davon hörte man bislang außer von Ihnen noch nichts. Die NATO erfreut sich vor allen bei den Nachbarn Putins größter Wertschätzung. Und auch alles andere was Sie da von sich geben sind Nebelkerzen
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Hans Weiler, St. Gallen
      @Chauvet. da darf ich Sie aber darauf aufmerksam machen, dass in DE das Vertrauen in die Medienlandschaft grundsätzlich stark am Schwinden ist und die Abonnementszahlen renommierter Blätter in den Keller rauschen. Als Propagandaorgane der Nato (die Chefs sind allesamt in atlantischen Organisationen verbandelt) dürfte das ja dann ein deutliches Zeichen GEGEN die Nato sein. Aber wie überall gibt es immer unverwüstliche Optimisten, die sich auch von nackten Zahlen nicht einschüchtern lassen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Hans Weiler, der Leserschwund ist ein europaweites Phänomen, auch in der Schweiz, wo gänzlich "un-atlantische", SVP-gesponserte Blätter genauso betroffen sind wie alle anderen. "Beweisen" lässt sich damit also gar nichts :-) Zur Sache: In Tschetschenien und Georgien wurde auch ein schmutziger Krieg geführt, aber mindestens war die russische Armee offiziell am Werk. Gut, dass es mutige Menschen gibt, welche sich gegen die neueste, verdeckte Variante wehren!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von David Neuhaus, Winterthur
      Herr Manser sie haben recht, plumpe Propagandafehler ebenso wie Berichterstattungen im Fernsehen, in denen sogar das gezeigte Video den Kommentar des Sprechers als offensichtliche Propaganda entlarvte. Trotzdem funktioniert es anscheinend bei einigen. Was muss man doch für eine pathologische Gesinnung haben wenn man Leute die solche Lügen und Manipulationen mitverantworten, trotz aller Beweise, unterstützt und als "mutige Menschen" lobt?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    5. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      "Pathologische Gesinnung" – D.Neuhaus teilt wieder einmal hemmungslos aus :-) Ich lasse mich davon nicht aus der Ruhe bringen und frage einfach: Hätten Sie, Herr Neuhaus, den Mut, unter russischen Verhältnissen als Soldat eine Verlegung in die Ukraine zu verweigern und einen Austritt aus der Armee zu beantragen? P.S. Plumpe Propagandafehler sind keine westliche Erfindung! Da gab es z.B. den berühmten Beitrag mit den "gekreuzigten ukrainischen Kindern", nachweislich gedreht irgendwo in Russland.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von N.Belg, Luzern
    Interessant, Frankreich ist ein europäisches Land, die Delegation besucht Krim und positiv überrascht, dort ist anders, als ihre Medien berichten. Aber hier wird nichts darüber erwähnt. Lieber suchen die vergeblichen "Beweise" für die russische reguläre Armee in der Ostukraine. Meiner Meinung nach, die Medien sollen für Frieden auf der Welt etwas leisten und Verantwortung tragen, nicht umgekehrt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Belg: Die sprichwörtlichen Potemkinsche Dörfer wurden schließlich in Russland erfunden. Meistens wird jedoch darüber berichtet, dass nach Invasion der Krim dort große Ernüchterung eingetreten ist. Und für die Russen selbst scheint die Krim jetzt ein großer Subventionsbetrieb zu sein.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von N.Belg, Luzern
      M.Ch Neid und Hass sind schlechte "Begleiter"...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Stanic Drago, Delemont
      M.C. Ich weiß nicht welche Quelle Sie haben, aber heute haben französische Delegierte berichtet von Glücklichen Menschen auf Krim.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    4. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Ich versuche nochmals, Stanic Drago zu antworten.... Klar, dass die 8 französischen Parlamentarier auf der Krim nur das Gute gezeigt bekommen. Gespräche mit Krimtataren sind anscheinend nicht auf dem Programm.... dafür Peinlichkeiten wie ein Fototermin mit "Obama du Penner"–T-Shirt und so.... traurig, dass sich stolze Franzosen für so was einspannen lassen! Aber die russische Diplomatie hat ja auch lange genug darauf hingearbeitet. Dass nur 8 Leute gekommen sind, spricht für sich....
      Ablehnen den Kommentar ablehnen