Krim-Führung will raschen Anschluss an Russland

In einer Woche sollen die Bewohner der Krim über eine Abspaltung von der Ukraine entscheiden. Schon wenig später soll die Halbinsel der Russischen Föderation beitreten, wie ein Vertreter der Krim-Führung sagte.

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Erstmals direkte Gespräche zwischen Ukraine und Russland

4:22 min, aus Tagesschau vom 8.3.2014

Eine Woche vor dem umstrittenen Krim-Referendum hat die politische Führung der ukrainischen Halbinsel einen schnellen Beitritt zur Russischen Föderation angekündigt.

«Der Übergangsprozess in eine neue Rechtsprechung ist kompliziert. Aber wir gehen davon aus, dass alles noch im März gelingt», sagte der Vorsitzende des pro-russischen Regionalparlaments, Wladimir Konstantinow, in der Krim-Hauptstadt Simferopol nach Angaben der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass. Konstantinow versprach den Lehrern, Ärzten, Soldaten, Polizisten und anderen Beamten der Krim, dass sich deren Einkommen in Zukunft im Schnitt vervierfachen werden.

Bei dem Referendum am 16. März sollen die Bewohner der Halbinsel entscheiden, ob die Krim sich von der Ukraine ablöst und der Russischen Föderation anschliesst. Moskau unterstützt den Anschluss.

Obama telefoniert mit europäischen Leadern

Derweil intensivierte US-Präsident Barack Obama seine Krisendiplomatie. Nach einem Telefonat mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Freitag sprach er am Samstag mit den politischen Führern Grossbritanniens, Frankreichs und Italiens sowie mit den Präsidenten der drei baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.

Nach Angaben des Weissen Hauses forderten alle Gesprächspartner übereinstimmend, dass Russland die Soldaten auf der Krim zurück in ihre Kasernen schicken solle. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident François Hollande habe Obama auch über neue Sanktionen gegen Russland gesprochen, teilte der Elysée-Palast mit.

Moskau: Keine russischen Soldaten

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow seinerseits forderte den Westen zu einem «Dialog ohne Beschuldigungen» auf: «Wir sind zu partnerschaftlichen Gesprächen bereit – allerdings akzeptieren wir keine Versuche, uns als einen Beteiligten des Konflikts in der Ukraine hinzustellen», sagte er laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Pro-russische Demonstration auf der Krim, eine Frau hält eine Russland-Fahne in die Kamera. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf der Krim leben mehrheitlich Russen. Mehrheitlich könnten sie für eine Abspaltung von der Ukraine stimmen. Reuters

Pro-russische Einheiten kontrollieren die mehrheitlich von Russen bewohnte ukrainische Halbinsel Krim. Moskau bestreitet jedoch, Soldaten ausserhalb vereinbarter Gebiete einzusetzen. Bewaffnete in Uniformen ohne Hoheitsabzeichen seien «Selbstverteidigungskräfte», die nicht unter dem Kommando des Kreml stünden.

Nach einem unbestätigten Zeitungsbericht haben pro-russische Kräfte inzwischen damit begonnen, den Übergang zur Halbinsel zu verminen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Kräftemessen auf der Krim

    Aus 10vor10 vom 7.3.2014

    Russland scheut im Ukraine-Konflikt keine Konfrontation mit dem Westen. Das Aussenministerium in Moskau liess verlauten, Russland liesse sich von Sanktionen und Drohungen nicht einschüchtern. Unterdessen verschärft sich die Situation auf der Krim. Pro-russische oder möglicherweise russische bewaffnete Soldaten stürmten am Abend eine ukrainische Militärbasis.