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Krise in Simbabwe «Die Armee hat im Namen des Vizepräsidenten zurückgeschlagen»

Die Militäraktion in Simbabwe galt wohl der Frau von Präsident Mugabe und ihren Unterstützern. Das sagt ARD-Korrespondent Jan-Philipp Schlüter im Gespräch.

Jüngerer Mann mit Bart, im Hintergrund Palmen und ein Traktor.
Legende: Jan-Philipp Schlüter ist ARD-Korrespondent für das südliche Afrika. Er lebt in Johannesburg (Südafrika). zvg

SRF News: Kann man den Informationen aus Simbabwe trauen, dass es sich bei den Vorkommnissen nicht um einen Putsch gegen Präsident Robert Mugabe handle?

Jan-Philipp Schlüter: Eigentlich sind alle Zutaten eines Putsches vorhanden: Gepanzerte Fahrzeuge fuhren in der Nacht in die Hauptstadt Harare ein, das Militär kontrolliert die wichtigen Punkte in der Stadt, der staatliche Fernsehender ist von Soldaten besetzt worden und ein uniformierter General hat in der Nacht eine vorgefertigte Meldung am Fernsehen verlesen. So läuft ein Putsch in Afrika normalerweise ab. Deshalb würde ich auch die Vorkommnisse in Simbabwe einen Putsch nennen.

Dafür, dass sich im Land offenbar Revolutionäres tut, ist die Stimmung doch sehr entspannt.

Das Militär beharrt allerdings darauf, dass es bloss gegen Kriminelle aus dem Umfeld von Präsident Mugabe gehe. Diese hätten die Verfassung gebrochen und untergraben. Mit ihren Aktionen hätten sie die Armut gefördert und eine wirtschaftliche Krise heraufbeschworen. Um das zu ändern sei der nun erfolgte temporäre Eingriff des Militärs nötig.

Was weiss man über den Verbleib des 93-jährigen Diktators Mugabe, der nicht von der Macht lassen will?

Im Umfeld seines Privathauses sollen in der Nacht Schüsse abgegeben worden sein, berichten Ohrenzeugen. Deshalb könnte er dort von der Armee festgesetzt worden sein. Der Armeegeneral am TV versicherte der Nation, dem Präsidenten gehe es gut, er und seine Familie seien wohlauf und in Sicherheit. Auch seine Partei ZANU-PF teilte mit, Mugabe sei nicht verletzt worden und befinde sich in Sicherheit.

ZANU-PF tweetet im Namen von Emmerson Mnangagwa

Wie präsentiert sich die Situation in den Strassen der Hauptstadt Harare?

Es ist verhältnismässig ruhig. Die Leute verfolgen aufmerksam, was sich tut. Die Menschen in Simbabwe warten schon seit Jahren darauf, dass die Ära von Diktator Mugabe endlich endet. Nun hoffen viele, dass das tatsächlich der Fall ist. Die Simbabwer versuchen, den Tag so entspannt wie möglich anzugehen: Die Kinder gehen zur Schule, die Erwachsenen gehen zur Arbeit.

Die Menschen in Simbabwe warten schon seit Jahren darauf, dass die Ära von Diktator Mugabe endlich endet.

Auch der internationale Flughafen ist geöffnet, Flugzeuge aus Südafrika sind am Morgen dort planmässig gelandet. Auffällig sind einzig die Soldaten in den Strassen mit ihren Kontrollposten. Dafür, dass sich im Land offenbar Revolutionäres tut, ist die Stimmung doch sehr entspannt.

Afrikanische Frau und afrikanischer Mann.
Legende: Grace Mugabe und Emmerson Mnangagwa wollen beide Präsident werden. Derzeit scheint Mnangagwa im Vorteil. Reuters

Worum geht es dem Militär, wenn es – laut eigenen Angaben – gar nicht die Macht im Land übernehmen will?

Auch wenn die Militärs sagen, dass sie die Macht nicht übernehmen wollen, so wollen sie aber doch ein gewichtiges Wort dabei mitreden, wer sie nun übernimmt. Am TV bezeichneten sie Mugabe weiterhin als Staatsoberhaupt und Oberkommandierenden der Streitkräfte. Vielleicht ist also Mugabe gar nicht das Hauptziel des Coups. Wahrscheinlicher ist, dass der Machtkampf um die Nachfolge Mugabes eskaliert ist.

Grace Mugabe möchte das Präsidentenamt ihres Mannes übernehmen.

Dabei gibt es im Wesentlichen zwei Gruppen: Einerseits den Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa, der die Unterstützung des Militärs hat. Er war vergangene Woche von Mugabe gefeuert worden, wobei man vermutet, dass dahinter dessen Frau, Grace Mugabe, steckt. Sie möchte selber das Amt ihres Mannes übernehmen. Um Grace Mugabe hat sich eine Gruppe von 40 jüngeren Ministern und Politikern der Regierungspartei ZANU-PF geschart. Offenbar hat das Militär nach der Entlassung Mnangagwas – der auch der ZANU-PF angehört – nun in seinem Namen zurückgeschlagen und auch einige der Unterstützer Grace Mugabes verhaftet.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

«Prunksüchtige» First Lady

Grace Mugabe ist 41 Jahre jünger als ihr Ehemann, Präsident Robert Mugabe. Sie war seine Sekretärin, bis er sie nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete. Grace Mugabe wurde in der Vergangenheit wiederholt für ihren luxuriösen Lebensstil kritisiert und gar als prunksüchtig bezeichnet. Dies notabene als First Lady eines der ärmsten Länder der Welt.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Fühlt sich komisch an, von einer Einmischung von Militärs in das politische Geschehen zu lesen und der Meinung sein, dass es ok sein dürfte. Ja, Mugabe ist 100 %-ig ein Auslaufmodell. Ich wünsche Simbabwe baldmöglichst einen weniger korrupten Nachfolger. Hoffentlich vergibt die Credit Suisse dort nicht auch einen 2-Milliarden-Kredit für «Fischerboote» ...
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Als Aussenstehender (und Steuerzahler!) hoffe ich sehr, dass dieser über 90-jährige Diktator endlich und für immer seine egoistische Macht verlieren wird! Nachdem viele weisse Einwanderer die Landwirtschaft und deren Produkte für die Bevölkerung aufbauten, jagte Mugabe diese "Erfolgreichen" alle aus Simbabwe aus, ohne Dank oder Abfindungen! Danach verarmte das afrikanische Land völlig! Nur Mugabe und sein Clan lebten gut weiter! Wen wundert's, dass momentan "halb Afrika" Richtung Europa möchte!
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    (17.02.2015) Die "EU" hat erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder Entwicklungshilfe an Simbabwe gezahlt. Die EU-Vertretung und die Regierung des afrikanischen Landes unterzeichneten in der Hauptstadt Harare ein Abkommen über 234 Millionen Euro, wie die Nachrichtenagentur epd berichtet. Wieviel hat die Schweiz bezahlt?... einfach unglaublich alles!!
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