Rückzug aus Staatenbund Krisenland Venezuela isoliert sich

Die Regierung Maduro will sich nicht mehr von der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) kritisieren lassen.

Video «Erneut Strassenschlachten in Caracas» abspielen

Erneut Strassenschlachten in Caracas

1:37 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.4.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf Anweisung von Präsident Nicolás Maduro zieht sich Venezuela aus der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) zurück.
  • Das kündigte Aussenministerin Delcy Rodriguez am Mittwochabend (Ortszeit) in Caracas an.
  • Hintergrund ist die wiederholte OAS-Kritik am Mitgliedsland, zuletzt wegen des gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstranten.

Ihr Land werde der OAS am Donnerstag ein entsprechendes Beschwerdeschreiben vorlegen, das den 24 Monate dauernden Austrittsprozess aus dem Staatenbund einleiten werde, sagte Rodriguez in einer Fernsehansprache.

Auf Twitter liess sich Rodriguez wie folgt verlauten: «Venezuela zieht sich aus der OAS zurück für seine Würde, Unabhängigkeit, Souveränität, für den Frieden und die Zukunft des Vaterlandes.»

Wiederholte OAS-Kritik

Zusatzinhalt überspringen

Stichwort: OAS

Die 1948 in Bogota gegründete Organisation Amerikanischer Staaten OAS umfasst die 35 Staaten Nord- und Südamerikas. Hauptsitz ist Washington D.C. Ziele sind die Förderung von Demokratie und Menschenrechten, die Bekämpfung von Kriminalität und Drogenhandel sowie die Friedenssicherung und die Schaffung einer panamerikanischen Freihandelszone.

OAS-Generalsekretär Luis Almagro hatte die venezolanische Regierung immer wieder heftig kritisiert und Neuwahlen in dem südamerikanischen Land gefordert.

Dazu hielt Rodriguez nun fest: «Niemals werden wir zulassen, dass kriecherische Lohnsklaven Venezuela beleidigen.»

32 Tote seit Anfang April

Die Lage im ölreichsten Land der Welt ist seit Wochen äusserst angespannt. Es herrscht Hyperinflation und eine dramatische Versorgungskrise. Seit Anfang des Monats starben bei politischen Unruhen nach jüngsten amtlichen Angaben 32 Menschen.

Gegner von Präsident Maduro kämpfen für vorgezogenen Parlamentswahlen und für eine Volksabstimmung über eine Absetzung des Staatschefs. Konservative und rechtsgerichtete Regierungsgegner machen Maduro für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der Machtkampf in Venezuela eskaliert

    Aus Tagesschau vom 20.4.2017

    Bei den Demonstrationen gestern kamen drei Menschen ums Leben. Und auch heute gehen Proteste gegen die Regierung in Venezuela weiter. Präsident Maduros reagiert mit Gewalt. Die freie Journalistin Hanna Silbermeier berichtet via Skype aus Caracas.

  • Venezuela versinkt im Chaos

    Aus 10vor10 vom 19.4.2017

    Seit Wochen halten die Proteste gegen die links-sozialistische Regierung von Nicolás Maduro an. Er steuere Venezuela in die Diktatur, sagen seine Gegner, und heute haben sie es an Demonstrationen lauter gesagt, als je zuvor.