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International Kritik an Belgiens Polizei ebbt nicht ab

Hätten die Anschläge von Brüssel verhindert werden können? Die Frage stellt sich mehr denn je. Offenbar hat die Athener Polizei bereits 2015 Pläne zum Anschlag entdeckt und weitergeleitet. Und auch ein belgischer Polizist in Istanbul soll beim Informationsaustausch gepfuscht haben.

belgische Polizisten
Legende: Belgische Polizisten liessen Warnhinweise versanden. Keystone/symbolbild

Die griechische Polizei soll vergangenes Jahr in zwei Wohnungen in Athen Pläne entdeckt haben, die auf einen Terroranschlag auf dem Flughafen von Brüssel hindeuteten. Bereits damals seien die belgischen Behörden informiert worden, berichtet der griechische Sender Skai.

Der Nachrichtensender beruft sich auf die griechische Polizei. Unter anderem sei eine Karte des Flughafens von Brüssel gefunden worden. Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen von Abdelhamid Abaaoud entdeckt, der als mutmasslicher Drahtzieher der November-Anschläge von Paris gilt.

Dem Bericht zufolge wurden die Unterlagen in Wohnungen entdeckt, die von Islamisten angemietet worden waren. Nach den Anschlägen von Paris im November habe sich herausgestellt, dass es sich bei einem der Männer um Abdelhamid Abaaoud gehandelt habe, meldete der Sender. Abaaoud gilt als mutmasslicher Drahtzieher der Pariser Anschläge. Er wurde im November wenige Tage nach der Terrorserie bei einem dramatischen Anti-Terror-Einsatz im Pariser Vorort Saint-Denis getötet.

Abaaoud hatte auf seinen Reisen quer durch Europa auch eine Wohnung in Athen gemietet. Die französische Polizei hatte nach seinem Tod eine DNA-Probe des 27 Jahre alten Terroristen an die griechischen Behörden übermittelt. Damals war im Zuge der Ermittlungen in einer anderen Wohnung auch ein 33-jähriger Mann festgenommen worden, den die griechischen Behörden anschliessend nach Belgien überstellten.

Nachlässiger Verbindungsoffizier

Am Freitag hatte der belgische Innenminister Jan Jambon bekanntgegeben, dass ein belgischer Polizist im türkischen Istanbul den Informationsfluss über den Attentäter Ibrahim El Bakraoui zwischen beiden Ländern verschleppt hat.

Der Verbindungsbeamte habe «mindestens nachlässig und weder sehr proaktiv noch sehr engagiert» gehandelt, als die türkischen Behörden Angaben zu El Bakraoui gemacht hätten, sagte Jambon am Freitag vor Parlamentariern. Der Mann habe «einen Fehler gemacht», was «inakzeptabel» sei.

Jambon gab an, El Bakraoui sei am 11. Juni im türkischen Gaziantep an der Grenze zu Syrien festgenommen worden, worüber der belgische Verbindungsbeamte in Istanbul am 26. Juni informiert worden sei. Drei Tage später habe der Polizist die Informationen nach Brüssel weitergeleitet.

Die dortige Antiterrorbehörde habe daraufhin um weitere Informationen über den in Belgien wegen kleinerer Delikte verurteilten El Bakraoui gebeten. Bis zum 20. Juli sei jedoch nichts geschehen. «Der Verbindungsoffizier hat nichts unternommen, es gab seinerseits keine Kommunikation mehr», sagte Jambon.

Erdogan wiederholt Kritik

Die Türkei hatte Belgien zuvor vorgeworfen, Warnhinweise über den des Landes verwiesenen El Bakraoui ignoriert zu haben. Am Freitag bekräftigte Staatschef Recep Tayyip Erdogan die Kritik. Die belgischen Behörden hätten «nicht das Notwendige unternommen», sagte er.

El Bakraoui und ein weiterer Selbstmordattentäter, Najim Laachraoui, hatten sich am Dienstag am Flughafen Brüssel-Zaventem in die Luft gesprengt. Rund eine Stunde später verübte El Bakraouis Bruder Khalid in einer U-Bahnstation einen Selbstmordanschlag. Insgesamt wurden mindestens 31 Menschen getötet und 300 weitere verletzt.

Legende: Video «Brüssel trauert» abspielen. Laufzeit 0:43 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 26.03.2016.

Belgiens Justizminister Koen Geens, der sich am Freitag ebenfalls im Parlament äusserte, hatte am Donnerstag angegeben, die Regierung sei im Sommer erst nach der Rückkehr El Bakraouis von dessen Abschiebung durch die Türkei informiert worden. Allerdings sei die belgische Botschaft im Juni über die Festnahme informiert worden.

Erdogan zufolge hatten die türkischen Behörden Belgien gewarnt, dass es sich bei dem abgeschobenen Mann um einen «ausländischen terroristischen Kämpfer» handle. Die belgischen Behörden hätten dies jedoch nicht bestätigen können und den Mann nach seiner Abschiebung freigelassen.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Als diese Kritik an der Polizei allein greift einfach viel zu kurz und ist unhaltbar. Sicher da kann es mal ein Verbindungsoffizier geben, der einen Fehler macht. Das ist menschlich und kommt in den besten Organisationen vor. Es gibt ein fundamentales Problem in der sog. liberalen, offenen, Multi-Kulit-Gesellschaft. In einer solchen Gesellschaft gibt es eben Herausforderungen, die nicht so einfach zu bewältigen sein. Multi-Kulti ist eben nicht nur schön, sondern es gibt leider auch Kehrseiten.
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Wenn man ein Verbot für Hausdurchsuchungen zwischen 24h und 5h am Morgen offiziell verhängt, ist es kein Wunder, wenn man monatelang nach Terroristen suchen muss. Ich hoffe, dass dieses Vorgehen nur in Belgien so gilt, sonst könnte man die ganze Terrorbekämpfung in Europa als "Theater" bezeichnen.
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    Man erinnere sich, wie unsere Politker uns Schengen schmackhaft machten: Nur mit Schengen habe unsere Polizei Zugang zu allen Info-Kanälen, die Sicherheit werde mit Schengen gewährleistet sein etc., einfach grossartig.
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    1. Antwort von Willy Boller (Willy Boller)
      Was hat das mit Schengen zu tun Frau Mayer? Wenn nicht einmal die EIGENEN Mitarbeitenden fähig und in der Lage sind, die Warnungen und Informationen an die eigenen Stellen weiterzuleiten?
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