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International Kritik an US-Raumfahrt nach Raketenexplosion

Die Explosion des Frachters «Cygnus» ist ein schwerer Schlag für die USA. Dabei galt das Outsourcing an Private als Wunderwaffe. Nach dem Unglück könnte die amerikanische Raumfahrt wieder stärker von Russland abhängig werden, warnen Kritiker.

Legende: Video Rückschlag für die US-Raumfahrt abspielen. Laufzeit 1:25 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 29.10.2014.

Nur sechs Sekunden nach ihrem Start vom Weltraumbahnhof auf Wallops-Island an der amerikanischen Atlantikküste verwandelte sich die Antares-Rakete am Dienstagabend in einen riesigen Feuerball und stürzte ins Meer. Sie sollte den Raumfrachter «Cygnus» mit Lebensmitteln und anderem Nachschub zur Raumstation ISS bringen, wo sich sechs Astronauten aufhalten.

Tanks explodiert

Die Ursachen der Explosion sind nach Angaben der Nasa noch völlig unklar. Offensichtlich seien die Triebstofftanks der Rakete explodiert. Nach einer ersten Explosion habe das Kontrollzentrum den Befehl zur völligen Zerstörung der Rakete gegeben, hiess es an einer Medienkonferenz. Damit soll verhindert werden, dass Raketenteile in bewohntem Gebiet einschlagen.

Der von der privaten Firma Orbital Sciences entwickelte Frachter «Cygnus» hätte rund 2300 Kilogramm Lebensmittel, Vorräte und wissenschaftliches Material zur ISS bringen sollen.

Erinnerungen an «Challenger»-Katastrophe

An Bord des Frachters befanden sich zwar keine unbedingt notwendigen Versorgungsgüter für die ISS-Besatzung, und es gab weder Tote noch Verletzte; dennoch bedeutet die Explosion den schwersten Rückschlag für die amerikanische Raumfahrt seit vielen Jahren. Und das Unglück weckt unwillkürlich böse Erinnerungen an die Explosion des Shuttles «Challenger» 1986. Damals kamen alle sieben Astronauten vor den Augen von Millionen Amerikanern ums Leben.

Auftrieb für Nasa-Kritiker

Rächt sich jetzt die Entscheidung der US-Regierung, ihr Shuttle-Programm 2011 trotz Kritik einzustellen? Private und unbemannte Raumfrachter zur Versorgung der Astronauten auf der ISS erschienen der Regierung von Präsident Barack Obama damals wie eine «Wunderwaffe», um die schwindelerregenden Nasa-Ausgaben in den Griff zu kriegen.

Schon 2011 bei der Einstellung der Shuttle nach 30 Betriebsjahren hagelte es Kritik von Raumfahrt-Fans und Republikanern. Zwar sei die «private Variante» auch eine Lösung. Doch mit dem völligen Verzicht auf die Shuttle – die Arbeitspferde der NASA – begäben sich die USA zugleich allzu sehr in die Hände der Russen. Denn seither sind US-Astronauten auf «Mitfahrgelegenheiten» in russischen Raumkapseln angewiesen. Die privaten Anbieter transportieren nur Versorgungsgüter und wissenschaftliches Gerät.

Zweiter Frachtertyp kann einspringen

Über knapp zwei Milliarden Dollar beläuft sich der Vertrag mit der privaten Firma Orbital Sciences, die den Frachter «Cygnus» entwickelte. Einen ersten erfolgreichen Flug gab es im September 2013, zwei weitere folgten. Bei einem letzten Flug im September wurden 1500 Kilogramm Nachschub zur ISS gebracht.

Eigentlich waren noch mindestens weitere sieben «Cygnus»-Missionen geplant. Ob sie überhaupt noch stattfinden, ist unklar. Denn die USA könnten auch auf den ebenfalls privaten Raumfrachter «Dragon» zurückgreifen. Das unbemannte Fluggerät der Firma SpaceX ist erst vor kurzem von seiner vierten Mission zur ISS zurückgekehrt. Und der nächste Start von «Dragon» ist für Dezember geplant.

Schweizer Technik an Bord

Schweizer Technik an Bord

Erst vergangene Woche berichtete «ECO» über die Beteiligung einer kleinen Schweizer Firma an den Flügen der Nasa. In den Raumkapseln, die in Richtung ISS starten, kommen Datenlogger aus Seuzach bei Winterthur zum Einsatz, die Beschleunigung und Vibration aufzeichnen – so auch auf diesem Flug. mehr

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