Kurzer Prozesstag für geständigen Hoeness

Der dritte Tag im Prozess gegen Steuersünder Uli Hoeness ist nach knapp eineinhalb Stunden Verhandlungszeit zu Ende gegangen. Die Verteidigung des Bayern-München-Präsidenten akzeptierte die Steuerschulden in der Höhe von 27,2 Millionen Euro.

Gerade mal 90 Minuten dauerte der dritte Prozesstag gegen Uli Hoeness. Den Betrag, den der Präsident des Fussballklubs Bayern München hinterzogen haben soll, beziffert das Gericht inzwischen auf 27,2 Millionen Euro.

Die Verteidigung hat diesen Deliktsbetrag akzeptiert. «Die Zahlen hält die Verteidigung für sachgerecht, da zweifeln wir nicht dran», sagte Hoeness' Anwalt Hanns W. Feigen vor dem Landgericht München II. Die Verteidigung sei von den am Vortag bekannt gewordenen Zahlen keineswegs überrascht gewesen.

«Wir sind ja nicht dämlich», sagte Feigen. «In der Selbstanzeige, die Herr Hoeness am 17. Januar 2013 eingereicht hat, sind sämtliche Zahlen bereits enthalten.» Richter Rupert Heindl betonte, dass das Gericht bei einem Urteil von den neuen Zahlen ausgehen werde. In der Anklage war noch die Rede von 3,5 Millionen Euro.

Selbstanzeige für Strafmass entscheidend

«Mit dieser Anerkennung könnte der Prozess bereits morgen Abend beendet werden», sagt SRF-Korrespondent Casper Selg. Ein Urteil wäre damit bereits am Donnerstag möglich – vorausgesetzt, es werden keine Beweisanträge mehr gestellt.

Ob der Fussball-Funktionär tatsächlich ins Gefängnis muss, ist allerdings noch offen. «Die Verteidigung wird das zu verhindern versuchen», sagt Selg. Angesichts des gewaltigen Deliktsbetrages könne sie das aber nur auf eine einzige Art und Weise: Indem sie nachweist, dass Hoeness' Selbstanzeige die nötigen Bedingungen erfüllt.

«So eine Selbstanzeige verhindert eine Haftstrafe vollständig, wenn sie rechtzeitig und vollständig war», erklärt Selg. Rechtzeitig heisst, noch bevor die Steuerbehörden von dem Fall wussten. «Das ist nach Aussagen der Zeugen sehr knapp gewesen.» Die Vollständigkeit sei angesichts der nun aufgedeckten Höhe der Summe nicht gegeben.

Die Verteidigung werde in dem Punkt aber geltend machen, dass Hoeness damals bei der Selbstanzeige alles auf den Tisch gelegt habe, wovon er selber zu diesem Zeitpunkt gewusst habe. «Ob ihm das Gericht das abnimmt, ist die grosse Frage.» Sollte es ihm nicht glauben, ist eine unbedingte Haftstrafe wohl kaum zu vermeiden.