«Land unter» in Deutschland: Tausende müssen die Häuser verlassen

In weiten Teilen Ostdeutschlands schaut man weiter mit bangen Blicken auf die Flüsse. In Dresden und Halle auf die Elbe und Saale. 30'000 müssen in Halle ihre Häuser verlassen. Weitere Landkreise bereiten sich auf die Fluten vor.

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden schaut man mit Sorge auf die Elbe. Ursprünglich sollte dort in der letzten Nacht der Scheitelpunkt des Hochwassers erreicht werden. Diese Vorhersage ist mittlerweile Makulatur.

Am Mittag kletterte das Elbe-Wasser dort auf 8,43 Meter. Normal sind in etwa zwei Meter. Das Landeshochwasserzentrum erwartet für Donnerstagmittag bis zu 8,80 Meter – normal sind etwa zwei Meter.

Das Hochwasser der Elbe werde aber dort die Dimension der Flutkatastrophe von 2002 nicht ganz erreichen. «Wir gehen von neun Meter plus aus. 9,40 Meter sind inzwischen ausgeschlossen», sagte ein Sprecher im Umweltministerium.

Immer mehr Menschen müssen in Dresden ihre Häuser verlassen. Am Morgen wurden 660 Personen im Stadtteil Gohlis in Sicherheit gebracht.

Im Osten der Stadt könnten weitere Evakuierungen hinzukommen, sagte ein Sprecher. Ausserdem sei in einigen Strassenzügen der Strom abgeschaltet worden.

Feuerwehrmänner paddeln durch einen überfluteten Stadtteil von Halle. (keystone) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Helfen, wo Hilfe benötigt wird: Zehntausende müssen in Halle wegen den Fluten ihre Häuser verlassen Keystone

Sachsen-Anhalt: Fluten in Halle 

In der Stadt Halle an der Saale spitzt sich die Hochwasserlage ebenfalls gefährlich zu. Halles Oberbürgermeister sagte, der Gimritzer und Passendorfer Damm seien durchgeweicht, Wasser trete an Sickerstellen aus und teils über die Deiche. «Das Wasser läuft auf die ersten Häuser zu.» Der Druck auf die beiden Hauptdeiche sei extrem hoch.

Die Saale hat einen Wasserstand von über 8 Meter erreicht. Das ist der höchste seit 400 Jahren. Normal liegt der Pegelstand dort bei knapp 2 Metern.

Vom Hochwasser bedroht sind fünf grosse Gebiete. Notquartiere wurden eingerichtet. Rund 30'000 Menschen wurden unterdessen aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen.

Warten auf Fluten in Niedersachen

Entlang der Elbe droht Niedersachsen zum Wochenende ein Rekordhochwasser. In Hitzacker im Landkreis Lüchow-Dannenberg laufen die Vorbereitungen, dort gilt seit Dienstagabend Katastrophenalarm. Der Landkreis liegt rund 100 Kilometer vor Hamburg.

 «Wir werden Sandsäcke auf die Deiche bringen, um gegen höhere Wasserstände gewappnet zu sein. Mehr können wir im Moment nicht machen», sagte der Bürgermeister der Gemeinde Elbtalaue.

Die Hochwasserlage spitzt sich auch in Brandenburg zu.

Donauflutwelle kurz vor Wien

Auch die Lage entlang der Donau bleibt äusserst angespannt: vor allem in Niederösterreich drückt der Fluss auf die Dämme. Hunderte Soldaten und Feuerwehrleute sind im Einsatz. Mit Schotter und Sandsäcken versuchen sie, aufgeweichte Stellen zu sichern.
 
In der Nacht zum Donnerstag soll der Hochwasser-Höhepunkt Wien erreichen. In nahen Gemeinden wie Korneuburg mussten Menschen bereits ihre Häuser verlassen.

Keine Entspannung in Tschechien

Der Scheitel der Elbe ist laut sächsischem Umweltministerium bisher noch nicht im tschechischen Usti durchgelaufen. Dort überflutete das Hochwasser weite Teile der Industriestadt. Bis zum Abend sollte die Elbe in der Stadt mit fast 100'000 Einwohnern nach Behördenangaben weiter ansteigen. Erwartet wird ein Pegelstand zwischen 11,1 und 11,5 Metern, normal sind an dieser Stelle im Norden des Landes etwa zwei Meter.

Ungarn in Alarmbereitschaft

Prekär ist die Lage auch in Ungarn: Dort rief Ministerpräsident Orban für weite Teile des Landes den Katastrophen-Notstand aus. Die Flutwelle der Donau wird heute erwartet, am Wochenende dürfte sie Budapest erreichen. Auch die Slowakei bereitet sich auf die Donau-Flutwelle vor.

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Gefahr von Hochwasser noch nicht gebannt

1:31 min, aus Tagesschau vom 5.6.2013