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International Lebenslänglich für Erwin Sperisen

Der ehemalige Polizeichef von Guatemala mit Schweizer Pass, Erwin Sperisen, soll für den Mord an sieben Gefangenen im Jahr 2006 verantwortlich sein. Am Strafgericht in Genf wurde er als Mittäter in sechs und als Täter in einem Fall schuldig gesprochen.

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Lebenslange Haft für Sperisen
Aus Tagesschau vom 06.06.2014.
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Das Genfer Strafgericht hat den ehemaligen Polizeichef von Guatemala nach einem dreiwöchigen Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der seit 2012 in Genf inhaftierte schweizerisch-guatemaltekische Doppelbürger Erwin Sperisen ist direkt oder indirekt schuldig am Mord an sieben Häftlingen.

«Egoistisch und niederträchtig»

Der ehemalige Polizeichef soll im September 2006 bei der Erstürmung der Haftanstalt Pavon die Exekution von sieben Gefangenen angeordnet haben. Diese wurden mit Schusswaffen umgebracht.

In einem Fall soll Sperisen selber den Abzug gedrückt haben. Dafür erhält der 43-Jährige eine lebenslängliche Freiheitsstrafe. Sein Motiv wurde als «egoistisch und aussergewöhnlich niederträchtig» beurteilt, genauso wie sein ganzes Handeln als ehemaliger Polizeichef, so die Richter in ihrem Urteil.

Gerichtsszeichung
Legende: Aus Mangel an Beweisen: In zwei Anklagepunkten wurde Sperisen freigesprochen. Keystone

Die Häftlinge seien Opfer aussergerichtlicher Hinrichtungen geworden, befand das Gericht. Es stützte sich dabei auf zahlreiche Zeugen, die es als glaubwürdig einstufte. Sperisens einzige Verteidigung sei gewesen, zu beteuern, dass die Zeugen lügten.

Fehlende Empathie

Bei der Höhe der Strafe berücksichtigte das Strafgericht insbesondere die Schwere der Taten, die Zahl der Opfer und die fehlende Empathie des Angeklagten gegenüber den Gefangenen.

In weiteren zwei Punkten – dem Mord an drei weiteren Häftlingen – wurde Sperisen freigesprochen, weil seine Verantwortung nicht zu beweisen war.

Dabei ging es um den «Plan Gavilan»: Sperisen und weitere Verantwortliche des Sicherheitsapparates sollen 2005 geplant haben, 19 aus dem Hochsicherheitsgefängnis Infiernito entflohene Häftlinge aufzuspüren und hinzurichten.

Am 3. November 2005 soll ein entflohener Häftling von Polizeibeamten auf Anordnung von Sperisen erschossen worden sein. Das gleiche Schicksal soll am 1. Dezember 2005 zwei weiteren Flüchtlingen zuteil geworden sein.

Sperisen in Uniform, er zeigt auf etwas.
Legende: Erwin Sperisen wurde Polizeichef in Guatemala ohne Studium oder irgendwelche Vorkenntnisse. Keystone

Keine Auslieferung möglich

Staatsanwalt Yves Bertossa hatte in seinem dreistündigen Plädoyer von einem Staatsverbrechen gesprochen und eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Die Verteidigung verlangte einen Freispruch.

Der Angeklagte bekräftigte an seinem letzten Prozesstag seine Unschuld: «Ich bin kein Mörder und ich habe keine Morde angeordnet», sagte Sperisen.

Er hinterfrage noch heute die Richtigkeit seines Entscheides, 2004 im Alter von 34 Jahren die Führung der Policia National Civil (PNC) übernommen zu haben, einer durch Korruption vergifteten Institution.

Sperisen war 2007 nach seinem Rücktritt als Polizeichef nach Genf geflohen. Im August 2012 wurde er hier verhaftet. Nach Guatemala, wo Sperisen ebenfalls angeklagt wurde, konnte er als Doppelbürger nicht ausgeliefert werden.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Herman Husi , Köniz
    Wenn er tatsächlich verantworlich für die Hinrichtungen ist, dann hat er seinen Amt missbraucht und die Strafe verdient. Was ich niergendwo in den Nachrichten gelesen habe, ist was für "Opfer" die hingerichtete waren. Wie viele unschuldige Menschen haben diese "unschuldige" Mörder umgebracht? Diese echte Opfer werden einfach vergessen, weil sie keine Menschenrechte hatten. Es sieht so aus, dass nur Mörder Menschenrechte haben. Ich frage mich, was die Familien der Mörderopfer dazu sagen.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger , Bern
    Wieder mal erstaunlich, wie rasch in solchen Fällen Verteidiger dieser Chorknaben aus allen Löchern kriechen: Hingere mit ihm, u nie meh use la!
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    1. Antwort von Thomas Käppeli , Guatemal Ciudad
      Herr Adrian Flükiger, für ein so klares Urteil scheinen Sie über gute Kenntnis und Fakten im Fall zu verfügen, Bin auch für Recht, aber vorsichtiger und kein Richter. Hierzulande aussergerichtliche Selbst/Lynchjustiz weit verbreitet. Ob juristisch oder nicht juristische Person. Auch Meineid und falsche Zeugenaussagen für eine Handvoll Dollar zu haben und ein Auftragsmord mit CH-Minimallohn leicht aus eigener Tasche erschwinglich. So tickt nun mal die Welt und auch Guate leider keine Ausnahme.
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  • Kommentar von R.Anderegg , Zürich
    Kann ein Schweizer Gericht überhaupt seriös darüber urteilen, was sich in einem anderen Land abgespielt hat, wo man sich nur auf Dokumente beruft ( ohne vorgeladene Zeugen, dazu mit Amtshilfe aus einem fragwürdigen Staat) und der Genfer Staatsanwalt gar nie in dem südamerikanischen Land war?? Kommt noch hinzu, dass eine Klage von einer Frau aus Guatemala stammt, die ein Dokument unterschrieb, vom dem sie gar nicht wusste, dass es sich dabei um eine Mordanklage gegen Sperisen handelt.
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    1. Antwort von L. Duende , Mundo
      Herr Anderegg, die Justiz stützte sich weitgehend auf Dokumente und Aussagen, die sie von unabhängigen nationalen und internationalen Organisationen bekam, z.B. der CICIG. In Guatemala würde er möglicherweise als Staatsheld verehrt. Der Massenmörder José Efraín Ríos Montt ist heute noch frei. Sie haben wohl noch nie in Guatemala gewohnt.
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    2. Antwort von A.Käser , Zürich
      R.A./"Dr.Heroin" scheint auch bei uns eine bestens vernetzte"Grösse"zu sein.Seine Tentakel vermögen mittlerweile wohl den ganzen Planeten zu umspannen.Vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht,sollte man ihm nicht zu nahe treten.Es ist immer noch besser,man"befriedigt"ihn,indem man ihm ein"Bauernopfer"darbringt,als die Beziehungen,hinsichtlich seiner sehr finanzkräftigen"Relations",zu gefährden.
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    3. Antwort von R.Anderegg , Zürich
      Diese Organisationen, oder Organisationen im allgemeinen, sind eben nie unabhängig, da dahinter immer ein Staat, oder zumindest Leute stehen, mit einer klaren politischen Richtung/Ideologie. Deshalb sind auch deren Papiere und Aussagen nicht viel wert. Es braucht schon klare Dokumente aus erster Hand und vor allem auch Zeugen, die so anscheinend nicht vorhanden sind, bzw. alles zuerst über diese Organisationen an die Justiz gelangt, wo schon erhebliche Zweifel angebracht sind.
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