Zum Inhalt springen

Header

Audio
Venezuela: Machen die USA-Propaganda gegen Maduro?
Aus Rendez-vous vom 01.05.2019.
abspielen. Laufzeit 04:58 Minuten.
Inhalt

Machtkampf in Venezuela Retten die USA den angeschlagenen Guaidó?

Am Dienstag schien in Venezuela ein Putsch seinen Anfang zu nehmen. Bald wurde klar: Von einem Volksaufstand mit Rückendeckung bedeutender Teile der Armee konnte nicht die Rede zu sein. Dem von Oppositionsführer Juan Guaidó angeführten Umsturzversuch fehlte es an Durchschlagskraft. Wohl auch, weil er seine Pläne verfrüht umsetzen musste, sagt Günther Maihold. Der Lateinamerika-Experte erklärt, ob die USA der geschwächten Opposition nun zu Hilfe eilen.

Günther Maihold

Günther Maihold

Lateinamerika-Experte

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Günther Maihold ist stellvertretender Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Das Forschungsgebiet des Soziologen und Politikwissenschafters umfasst Lateinamerika, Spanien sowie die organisierte Kriminalität.

SRF News: Die USA unterstützen Oppositionsführer Juan Guaidó. Was erhoffen Sie sich von ihm?

Günther Maihold: Er soll die Sicherheit der USA wiederherstellen. Das mag auf den ersten Blick nicht ersichtlich sein. Venezuela ist heute ein zentraler Umschlagplatz für Kokain, das aus Kolumbien kommt. Das Land hat umfassende Erdölressourcen.

Moskau nutzt Venezuela als eine Art Gegenbeispiel zur Ukraine: Man unterstützt eine Regierung, die den USA gewisse Schwierigkeiten im eigenen Hinterhof macht.

All dies ist unter der geopolitischen Logik, die gegenwärtig in Washington dominiert, zentral. Letztendlich stellt sich auch die Frage, ob es im Sinne einer Domino-Theorie dazu kommen würde, dass Kuba wanken würde.

Die USA drohen Kuba bereits mit Sanktionen, falls es seine Unterstützung für Maduro nicht stoppt. Wie schmerzhaft wären solche Sanktionen für Kuba?

Das ist schwer vorauszusehen. Gegenwärtig erkennen wir vor allem die Strategie der USA, mögliche wirtschaftliche Interessen von Kuba zu schädigen. Man hat Gesetze in Kraft gesetzt, die es erlauben, gegen ausländische Investoren in Kuba vorzugehen.

Guaidós Pläne sind durcheinandergeraten – das schädigt seine künftige Durchschlagskraft.

Erweiterte Sanktionen durch die USA könnten nur Kubas Zugang zu Lebensmitteln und Medikamenten betreffen. Das Land könnte hier aber sicherlich auf andere Märkte zugreifen.

Russland dagegen hat ganz andere Interessen in Venezuela als die USA. Es hat viel Geld investiert. Worum geht es Moskau ausserdem?

Russland geht es natürlich um die Kredite, die es Maduro gegeben hat. Man erwartet dafür entsprechende Erdöllieferungen. Das gilt auch im Fall von China. Zum anderen nutzt Moskau Venezuela als eine Art Gegenbeispiel zur Ukraine: Man unterstützt eine Regierung, die den USA Schwierigkeiten im eigenen Hinterhof macht. Man erhofft damit, Wirkung bei US-Präsident Trump zu erzielen.

US-Vizepräsident Mike Pence mit Oppositionsführer Juan Guaidó:
Legende: US-Vizepräsident Mike Pence mit Oppositionsführer Juan Guaidó: Greifen die USA jetzt zu anderen Mitteln, um in ihrem Hinterhof aufzuräumen? Reuters/Archiv

Oppositionsführer Guaidó rief am Dienstag zu einem Machtwechsel auf. Er schien sich seiner Sache sehr sicher. Was ist aus seiner Sicht schiefgelaufen?

Es scheint so, dass er seinen Plan vorziehen musste, weil er eine undichte Stelle vermutete. Das führte dazu, dass alle überrascht waren: Die Bevölkerung war nicht vorbeitet, genau so wenig wie seine eigenen Unterstützer. Letztendlich war das Ganze auch so schlecht orchestriert, dass lediglich 30 bis 40 Armeeangehörige Guaidó Gefolgschaft geleistet haben. Die Pläne sind also durcheinandergeraten – das schädigt seine künftige Durchschlagskraft.

Video
Einschätzungen der SRF-Korrespondenten zu den Ereignissen in Venezuela
Aus Tagesschau vom 01.05.2019.
abspielen

Guaidó hat zu neuen Demonstrationen aufgerufen. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihn Maduro nun verhaften lässt?

Er wird das nicht vor Publikum machen. Wenn er es vorhat, wird Maduro das zu einem geeigneteren Zeitpunkt tun. Der entscheidende Punkt ist aber, dass Guaidó die Zeit wegläuft. Er kann sich nur mit Massenmobilisierungen profilieren. Allerdings wächst die Frustration der Bevölkerung, weil sie keine Ergebnisse sieht. Insofern versucht er durch spektakuläre Aktionen wie gestern einen Impuls zu setzen.

Das Gespräch führte Ivana Pribakovic.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

21 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.