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International Mali: Niedergang eines Vorzeigestaates

Trotz französischer Invasion und UNO-Präsenz: Die Lage in Mali ist verfahren. Daran ist auch die Regierung selber schuld.

Legende: Video Schweizer bei Anschlag in Mali verletzt abspielen. Laufzeit 2:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.03.2015.

Der arme Sahelstaat Mali galt lange Zeit als eine der wenigen funktionierenden Demokratien Afrikas, auch wenn es im Norden ab und an rumorte. Das Land ist etwa dreieinhalb Mal so gross wie Deutschland und hat gut 16 Millionen Einwohner.

Landkarte von Mali mit der Hauptstadt Bamako.
Legende: Während es in der Hauptstadt Bamako ruhig ist, gibt es im Norden des Landes immer wieder Anschläge. SRF

Doch mit dem Militärputsch 2012 wurde aus dem Vorzeige- ein Krisenstaat. Nach dem Putsch eroberten Islamisten und Tuareg-Rebellen den Norden des Landes. Die Tuareg stellen im Norden zwar nicht die Mehrheit der Bevölkerung, kämpfen aber seit Jahrzehnten für ihren eigenen Staat, den sie Azawad nennen.

Norden im Nu erobert

Die Tuareg und die Islamisten hatten zusammen ein leichtes Spiel, denn der Norden besteht hauptsächlich aus Wüste und ist nur schwer kontrollierbar. Waffen hatten die Rebellen zur Genüge – sie bedienten sich aus der Konkursmasse der libyschen Armee.

Die Eroberer riefen im Norden die Islamische Republik Azawad aus. Das heterogene Bündnis zwischen den verschiedenen Islamisten-Gruppen und den Tuareg war allerdings instabil.

2013 half eine internationale Streitmacht unter Frankreichs Führung den schwachen Streitkräften Malis, den Norden zurückzuerobern. Auch die Stadt Timbuktu wurde wieder von der Regierung kontrolliert. Es gab Wahlen und ein Friedensabkommen mit den Tuareg, das später wieder aufgekündigt wurde.

Unfähige Regierung

Zwar zeichnete sich in den letzen Wochen eine Entspannung ab: Die Tuareg verhandelte mit der Regierung. Doch die Lage bleibt unübersichtlich. Immer wieder finden Attentate statt, sowohl auf die UNO als auch auf andere Einrichtungen. Denn die Dschihadisten sind von ihrem Rückzugsgebiet, dem Gebirge im Nordosten, zurückgekehrt. Dorthin hatten ihnen die Franzosen nicht folgen wollen. Und die malische Armee ist unfähig und wenig entschlossen, den Norden zu verteidigen.

An der Unfähigkeit der Armee und der Unzufriedenheit der Tuareg ist die malische Regierung im Süden nicht unschuldig. Sie rüstet Milizen auf, die im Norden willkürlich gegen Zivilisten vorgehen. Sie macht in Verhandlungen keinerlei Zugeständnisse. Sie tut nichts gegen die wirtschaftliche Unterentwicklung des Nordens. Seit 2012 hat sich die wirtschaftliche Lage noch verschlimmert.

Statt die Armut zu bekämpfen, soll die Regierung ein neues Präsidentenflugzeug angeschafft haben, für 40 Millionen Dollar. Die Folge: Im vergangenen Mai fror der Internationale Währungsfonds (IWF) die Zahlung von sechs Millionen Dollar Hilfsgeld für Mali ein. Der IWF verlangte unter anderem Aufklärung über den Kauf des Flugzeuges.

Lösung nicht in Sicht

Verhandlungen mit den Rebellengruppen sind schwierig, denn im Norden sind mehrere Gruppen aktiv, die teilweise mit Islamisten aus anderen Ländern kooperieren. Scheichs, Islamisten, religiöse Würdenträger oder Tuareg-Führer kämpfen wahlweise für- oder gegeneinander, einzelne Kämpfer sind gar in mehreren Gruppen aktiv. Wer wirklich das Sagen hat, ist kaum zu durchschauen.

Die Rebellen-Gruppen werden sich nicht so leicht vertreiben lassen. Denn wer den Norden Malis kontrolliert, hat grosse Abschnitte jener Sahara-Routen unter Kontrolle, wo Menschen, Waffen, Benzin und Zigaretten geschmuggelt werden. Ein lukratives Geschäft.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Han Solo, Mali
    Habt ihr denn überhaupt eine ahnung, was in afrika läuft? Lasst doch bitte eure kommentare über eine sache, von welcher ihr keine ahnung habt. Schaut lieber mal auf mali und andere afrikanische länder, auch wenn es grad keine anschläge gibt. Africa unite!
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Hi Han, es ist doch fact, dass fast ausnahmslos alle Staaten im afrikanischen Raum von den eigenen Staatschefs und der Wirtschafts - Elite aufs erbaermlichste ausgenommen werden!... Dazu kommt ein zunehmender Terrorismus, Macht- wie Religionsgesteuert und eine erhoehte Kriminalitaet! Natuerlich sind die Laender landschaftlich schoen, die Menschen nett und fuer Touristen erschwinglich, aber damit hat es sich! Die postcoloniale Chance wurde verpasst!
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Und Weisse (oder Chinesen) geht in Afrika gar nichts. Ist einfach so.
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    1. Antwort von Sandro Baumgartner, Zürich
      Sagen Sie dass den Menschen in der Ukraine, Kosovo......
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  • Kommentar von jean passant, thun
    Ein muslimischer Staat mehr, der nicht funktioniert. Dreiviertel der Bevölkerung sind Analphabeten, das Bevölkerungswachstum ist viel zu gross, Frauen werden wie fast überall in den muslimischen Gegenden diskriminiert. Der Islam vermengt mit primitivem Geisterglauben hemmt Aufklärung und damit Entwicklung. Afrika muss sich endlich aus der selbstkonstruierten Unmündigkeit befreien.
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    1. Antwort von W.Ineichen, Luzern
      Genau so ist es. Welcher islamische Staat funktioniert eigentlich nach nur einigermassen demokratischen Regeln?
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    2. Antwort von Sandro Baumgartner, Zürich
      Mali repräsentiert nicht ganz Afrika und schon gahr nicht alle Muslimischen Länder. Die Wurzeln des Konflikts ist die Bombardierung Lybiens und die Plünderung der Waffenarsenale Gaddafis durch Jihadisten.
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    3. Antwort von Deim Imeroski, solothurn
      Und wieder ein Mensch der nicht begriffen hat das es da um mehr als Religion geht!!!!! Der Rohstoff Krieg ist in vollem Gange zwischen dem Westen( usa Frankreich ..) und dem Osten (China) da werden Milizen aufgerüstet und ausgebildet zB. Durch die usa die danach diese Länder destabilisieren also ihr Kommentar ist einfach nur falsch.
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    4. Antwort von M. Scherrer, Winterthur
      W. Ineichen: z.B. Indonesien, das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung (ca. 240 Mio.).
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    5. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Deim Imeroski, solothurn Leider nur allzu wahr... aber hinhoehren und hinlesen sowie verstehen tun die Wenigsten.. und die Bevoelkerung dieses Planeten waechst, die Ansprueche auch und der Migrationsdruck ist die Folge des von Ihnen Beschriebenen!!!
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    6. Antwort von jean passant, thun
      @Scherrer.Indonesien ist in der Tat ein Beispiel für einen einigermassen funktionierenden Staat, der eine überwiegend islamische Bevölkerung hat. Allerdings ist der Islam nicht Staatsreligion und die Auslegung ist zum grösseren Teil gemässigt. Das Beispiel bestätigt meine These, der Islam muss in seiner Absolutheit überwunden werden nur dann ist Entwicklung möglich.
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    7. Antwort von jean passant, thun
      @Imeroski. Ihre Theorie ist genau das Problem dieser Regionen. Die Schuld an der Fehlentwicklung wird dauernd dem Westen und dem Norden übertragen.Sehr viele Länder Afrikas bedürfen der Emanzipation. Diese besteht aber nicht im Köpfen von Christen und im Zerstören von Kulturgütern. Sehr viel Elend ist selbstgemacht und der Islam ist ein guter Nährboden für die Erhaltung rückständiger Strukturen.
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