Verfassungsrefom in der Türkei «Man hätte die Diskussion nüchterner führen müssen»

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Kritik an Medien zu Türkei-Referendum

Das türkische Verfassungs-Referendum beschäftigt die Medien, besonders in Deutschland. Die oft pauschal negative Berichterstattung löst bei vielen Türken eine Trotzreaktion aus – das behauptet der deutsch-türkische Journalist und Autor Eren Güvercin.

SRF News: Was stört sie derzeit an der medialen Debatte in Deutschland?

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Eren Güvercin

Eren Güvercin

zvg

Der 1980 geborene Sohn türkischer Eltern lebt in Köln und ist freier Journalist für verschiedene Radiostationen und Zeitungen. Er ist Mitinitiator der «Alternativen Islamkonferenz». 2012 erschien sein das Buch «Neo-Moslems: Porträt einer deutschen Generation».

Eren Güvercin: Fragwürdig ist die Art und Weise. Das vermittelt bei vielen türkisch-stämmigen Menschen hier in Europa das Gefühl, dass man von oben herab alles besser weiss, als die Menschen, um die es eigentlich geht.

Die Türkei entscheidet über ihre eigene politische Zukunft. Diese Entscheidung muss man schon den Menschen dort überlassen. Natürlich macht man sich Sorgen über die Entwicklung in der Türkei. Es ist aber wichtig, wie man das kommuniziert. Bei den türkisch-stämmigen Menschen dieses Von-oben-herab-Gefühl zu erzeugen, wäre fatal.

Was wird das beim Stimmvolk für Folgen haben?

Ich beobachte bei vielen, die gegenüber der Verfassungsreform anfangs eher etwas kritisch eingestellt waren, dass sie die Berichterstattung in den Ländern, in denen sie leben, als unfair wahrnehmen. Und obwohl sie sogar eher zu einem Nein tendiert haben, schwenken viele wieder zur Ja-Position zurück – quasi als Trotzreaktion auf die Medienberichterstattung.

Da verfallen sehr viele türkisch-stämmige Menschen in die Position, dass «wenn die sich so darüber aufregen, dann stimme ich doch mit Ja». Man sieht, dass nicht wirklich eine inhaltliche Auseinandersetzung stattfindet, sondern Trotzreaktionen auf die Debatten der letzten Wochen den Ausschlag geben werden.

Was wäre ihr Rezept für einen besseren Dialog zwischen dem Westen und der Türkei?

Man hätte diese Diskussion etwas anders führen müssen. Man hatte in deutschen Talkshows oft eine sehr starke Nein-Fraktion von deutschen Politikern, Journalisten und Politikwissenschaftlern. Auf der anderen Seite hatten wir ein oder zwei Vertreter einer Lobby-Organisation der Regierungspartei AKP oder einen AKP-Abgeordneten.

Aber es gab wenige bis gar keine Teilnehmer, die eine vermittelnde Position einnahmen. Sehr viele Türken, die relativ skeptisch gegenüber diesem Reformpaket sind, finden die Art und Weise auch nicht gut, wie der Westen und die Politiker in Deutschland mit dem Thema umgehen. Da hätte man nüchterner und rationaler Diskussionen führen können.

So haben die Emotionen gewonnen und die Fernsehzuschauer sehen die beiden extremen Fraktionen, aber wenig dazwischen. Ich glaube, man muss von diesem Schwarzweiss-Bild etwas Abstand nehmen und die Nuancen besser kommunizieren.

Das Gespräch führte Teresa Delgado.