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International «Man muss von einem politisch motivierten Mord sprechen»

Einer der bekanntesten Oppositionspolitiker, Boris Nemzow, ist in Moskau vor den Augen der Öffentlichkeit erschossen worden. Was der jüngste Auftragsmord für Russland bedeutet, erklärt SRF-Korrespondent Peter Gysling.

Menschen trauern am Tatort um den Oppositionspolitiker.
Legende: Die Bestürzung in Russland ist gross. Ist der Mord an Nemzow auch der Dolchstoss für die russische Opposition? Keystone

SRF News: Was weiss man über den Tathergang?

Peter Gysling: Ja man weiss, dass Boris Nemzow aus einem weissen Fahrzeug erschossen wurde. Das kann erstaunlicherweise auch ein russischer Fernsehkanal mit Bildern dokumentieren. Angehörige von Nemzow aber auch die Ermittlungsbehörden gehen von einem Auftragsmord aus. Man muss sicher von einem politisch motivierten Mord sprechen.

Was ist bekannt über die Hintergründe diese Auftragsmordes?

Nemzow war in Russland der wohl bekannteste Oppositionspolitiker. Furchtlos hat Nemzow in den letzten Jahren die Korruption unter Putins Regime kritisiert, etwa bei den Olympischen Spielen in Sotschi und jüngst eben auch die Kreml-Politik in der Ukraine. Diese Haltung ist den Machthabern und ihrem Umfeld gewiss sauer aufgestossen. Morgen Sonntag hätte Nemzow zudem auf einer vor Moskau geplanten Grossdemonstration der Opposition als Redner auftreten sollen. Wer den Mord in wessen Auftrag verübt hat, wird wohl wie in anderen Fällen hier in Russland kaum geklärt werden.

Was bedeutet der Mord von Boris Nemzow für die russische Politk?

Das ist im Moment schwer zu sagen. Einerseits ist die Bestürzung in Kreisen der Opposition gross. Diese Bestürzung könnte den Oppositionellen natürlich auch neuen politischen Schub verleihen. Anderseits könnte es sein, dass sich die Opposition noch mehr als in den letzten paar Monaten frustriert, aber auch verängstigt zurückzieht.

In den letzten Monaten ist das Terrain für eine regelrechte Hatz auf Oppositionelle und Andersdenkende gewissermassen vorbereitet worden. Auf Grossplakaten in einem Geschäftsviertel in Moskau sind kürzlich Andersdenkende oder Oppositionelle wie die Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaja oder Boris Nemzow als Teil einer fünften Kolonne – als Vaterlandsverräter – angeprangert worden. Diese Menschen gelte es zu bekämpfen, hiess es. Gleichzeitig zu den verschiedenen Repressalien des Regimes unter Wladimir Putin hat sich eben auch das innenpolitische Klima hier in Moskau zusätzlich verhärtet. Mit dem Mord an Boris Nemzow hat dieses Klima eine neue, sehr erschreckende Qualität erreicht.

Das Gespräch führte Tina Herren.

77 Kommentare

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  • Kommentar von Wolfgang Blum, Basel
    Die gesamte westliche Medien Landschaft berichtet geschlossen so als wäre klar dass der Mord im Auftrag des russischen Staates geschah. Keine Spur von evtl. Auftragsmord aus westlichen Kreisen oder kritische Recherchen. In solchen Fällen stellt sich immer die Frage wer den grössten Nutzen davon hat. Russland/Putin wohl kaum, denn Destabilisierung im eigenen Land bringt nur dem Gegner etwas. Putin steigt zur Zeit step by step aus dem Dollar aus. Wem schadet das?
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  • Kommentar von C Hunziker, Wollerau
    Vielleicht war es Putin - dann ist es eine unschöne Angelegenheit für das russische Volk. Was aber, wenn es Deutschland oder die Ukraine war? Die Deutschen sind - nach Start zweier Weltkriege wieder mächtig an Stimmung zu machen und halten sich NICHT an die unterzeichneten Verträge nach dem Mauerfall. Selbst Gorbatschow kritisiert Deutschland, dass sie ein gefährliches Spiel spielen und einen Krieg provozieren... So kann man Putin weiter demontieren und das Feindbild vergrößern.
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    1. Antwort von Bendicht Häberli, Burgdorf
      Ja lieber Herr Hunziker. Frau Merkel sucht den Krieg überall, zusammen mit Gregor Gisi, Steinmeir, Schäuble und weiteren "Bösewichten" und vor allem da die blonde "Militärchefin", eh wie hiess sie doch. Spiel ja keine Rolle, auf jeden Fall ist sie sehr gefährlich mit "ihrer" Bundeswehr. Einfach lachhaft!
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    2. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Wenn der litauische Botschafter in Washington Putin mit Hitler vergleicht und er von niemand aus dem Westen zurückgepfiffen wird - also alle diese Aussage sillschweigen zustimmen, dann ist dies eine Kriegserklärung! Denn wenn Putin = Hitler, dann muss er bekriegt werden und wer dagegen ist, ist für Putin = Hitler. So wird subtil und stetig eine Stimmung aufgebaut für einen Krieg und die Kriegsgegner in die Ecke getrieben. Gefährlich!
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  • Kommentar von Markus Gasser, Freiburg
    Putin hat der Familie des Ermordeten kondoliert - vielleicht bietet er sogar ein Staatsbegräbnis an. Wenn das kein Unschuldsbeweis wäre ! oder etwa nicht ?
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Staatsbegräbnisse gab es in der Geschichte für staatlich inszenierte Morde und Selbstmorde zuhauf, besonders auch unter Stalin, den Putin, daraus macht er kein Geheimnis, noch sehr verehrt und bewundert. Wenn führende Politiker skrupellose Massenmörder als Vor- und Leitbilder haben, braucht man sich über gar nichts mehr zu wundern. Das darf man laut sagen.
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