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Kanzler-Wahl Deutschland Martin Schulz – der Optimist

Legende: Video Deutschland vor der Bundestagswahl abspielen. Laufzeit 2:04 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 24.08.2017.

Am 24. September ist Bundestagswahl. Einen Monat vor dem Tag der grossen Entscheidung in Deutschland spricht fast alles für einen Sieg von Kanzlerin Merkel und ihrer Union. Gemäss Umfragen liegen CDU/CSU 14 Prozentpunkte vor der SPD.

Hoffnung in Trier

Doch der SPD-Kandidat hat seinen Optimismus noch nicht verloren: Tief im Westen weit weg von Berlin, in Trier, feiern hunderte SPD-Anhänger Martin Schulz. In seiner Rede an der historischen Porta Nigra im alten Stadtteil von Trier verspricht er ihnen, Kanzler zu werden. Es sei Zeit, Deutschland gerechter zu machen, was er und die SPD besser können als Merkel und ihre Union. Die SPD-Anhänger bitten nach dem Auftritt um Selfies mit ihrem Kanzlerkandidaten. Schulz erfüllt die vielen Wünsche geduldig.

Wir haben den Wahlkampf erst jetzt richtig begonnen.
Autor: Martin SchulzSPD-Kanzlerkandidat

Auf die Frage, ob er denn noch Chancen habe, sich weiterhin echte Hoffnungen auf den Sieg mache, sagt Schulz zu SRF: «Ja klar. Das haben sie doch gerade gesehen. Schauen Sie sich doch an, was hier los. Wir haben den Wahlkampf erst jetzt richtig begonnen.» Die Menschen in Deutschland seien zudem immer noch nicht alle aus den Ferien zurück.

Schulz Sieg «eher unwahrscheinlich»

Das ist eine sehr optimistische Einschätzung. Die Umfragewerte der letzten sechs Monate sprechen eine andere Sprache. Merkels Union hat seit Februar von 30 auf 38 Wählerprozent zugelegt. Die Kurve von Schulz‘ SPD hingegen zeigt im selben Zeitraum steil nach unten, von 31 auf heute 24 Prozent.

Schulz müsste es schaffen, eine Wechselstimmung in der Bevölkerung herbeizuführen.
Autor: Gero NeugebauerPolitikwissenschaftler an der Freien Universität Berlin

Kann Martin Schulz das Blatt tatsächlich noch wenden oder sind seine Ankündigungen Wunschdenken? Der Berliner Politikwissenschaftler Gero Neugebauer von der Freien Universität Berlin hält einen Sieg von Schulz zwar nach wie vor für möglich, aber für eher unwahrscheinlich: «Nur wenn Schulz es schafft, innerhalb kurzer Zeit einen Bewusstseinswandel herbeizuführen, der eine Wechselstimmung in der Bevölkerung erzeugt, ist ein Sieg möglich.»

Aber Wechselstimmungen werden dann erzeugt, wenn die Unzufriedenheit mit der Regierung in der Bevölkerung sehr gross sei. Und das sei momentan nicht der Fall.

Neue Regierungskoalition in Sicht

Ein Schulz-Sieg ist also zurzeit nicht in Sicht. Mehrere SPD-Spitzenpolitiker liessen zuletzt durchblicken, die SPD werde im Falle einer Wahlniederlage nicht noch einmal als Juniorpartner in einer Grossen Koalition mitregieren. In dem Fall müsste sich Merkel nach der Wahl einen neuen Regierungspartner suchen. Laut Umfragen sind dann eine Koalition mit der FDP oder eine Dreierkoalition mit der FDP und den Grünen am wahrscheinlichsten.

Machen sie sich keine Sorgen!
Autor: Martin SchulzSPD-Kanzlerkandidat

Davon will Schulz allerdings noch nichts wissen. Er schaue eben nicht wie die meisten Journalistinnen und Journalisten auf die Sonntagsfrage, die Umfrage die alle zwei Wochen erscheint. «Mich interessiert eine einzige Sonntagsfrage und das ist die am 24. September abends um 18 Uhr», so Schulz.

Dann muss Martin Schulz gehen und gibt uns noch einen Rat mit auf den Weg. «Machen sie sich keine Sorgen!»

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Nicolas Dudle (Nicolas Dudle)
    Was bitteschön soll ein Kandidat denn anderes tun? flennend auf die Bühne treten, kundtun, man habe sowieso keine Chance und bereits vorab die Niederlage betrauern? Also bitteschön... Schadensbegrenzung beginnt im Wahlkampf und nicht erst nach der Wahl.
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  • Kommentar von Dani Queren (Queren)
    Deutschland hatte sich vom liberalen Staat verabschiedet und die FDP entsprechend in die Wüste geschickt. Solange dies so ist, wird es auch nur noch die grosse Koalition geben. Der Wahlkampf ist ein absolutes Nullrundenspiel.
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    1. Antwort von Michael Räumelt (Monte Verita)
      1.Deutschland war noch nie liberal.2. Die FDP hat sich selbst in die Wüste geschickt... die FDP geht immer nur mit demjenigen ins Bett, wer das beste Angebot ihr macht.... leider ist Lindner in der falschen Partei.
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    2. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      @Räumelt: Wie im wirklichen Leben. Man geht immer mit demjenigen oder derjenigen ins Bett, wer das attraktivste Angebot macht, wenn ohne Angebot was läuft, dann sind die meisten ohnehin nicht standhaft.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    Die Deutschen Wähler(innen) haben es nicht einfach: Welches ist das "kleinere Uebel"? Wer die letzten 4 Jahre verfolgte, hat, ausser der Willkommenskultur zur "Völkerwanderung", eigentlich die CDU/CSU mehr erreicht, als die Geldverteiler und "Berufshumanisten" (SP/Grüne/etc.). Dies werden die Wähler(innen) sicher an der Wahlurne bestätigen! Wir haben kaum Grund (oder das Recht!) die nördlichen Nachbaren zu belehren! Bei uns politisieren (fast alle Parteien) bei der "Schweiz-Abbruch AG"!
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    1. Antwort von Kurt Meier (Kurt3)
      Rolf Bolliger , ich hätte zwei Fragen an Sie : 1. wie unterscheiden Sie , welche Häfte der GoKro mehr erreicht hat ? 2. was verstehen Sie unter der " Schweiz-Abbruch AG " ?
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