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International Mexikos Regierung geht gegen bewaffnete Zivilisten vor

Im mexikanischen Bundesstaat Michoacán sind seit mehreren Jahren Bürgerwehren aktiv. Sie kämpfen gegen Drogenmafia und korrupte Politiker. Nun will die Regierung die Zivilisten entwaffnen – sie schickt zusätzliche Truppen in die Region.

Legende: Video Drogenkrieg in Mexiko abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 14.01.2014.

Die mexikanische Regierung hat ein hartes Vorgehen gegen bewaffnete Bürgerwehren im Land angekündigt. Auslöser ist der Vormarsch der selbst ernannten Selbstverteidigungsgruppen im südwestlichen Bundesstaat Michoacán. Sollten sich die Kämpfer dort nicht zurückziehen, würden sie entwaffnet und festgenommen, sagte Mexikos Innenminister.

Die Bürgerwehren wiesen die Aufforderung umgehend zurück. «Die Bürgerwehren werden die Waffen nicht niederlegen und werden den Dörfern nicht die Hilfe entziehen, um die sie gebeten haben», heisst es in einer im Internet verbreiteten Stellungnahme. «Wir setzen unseren Kampf fort, bis die Anführer der Verbrecher hinter Gittern sind.»

Hochburg der Mafia im Visier

Zahlreiche Ortschaften in Michoacán haben die Bürgerwehren bereits besetzt, die Behördenvertreter in vielen Fällen abgesetzt oder gar festgenommen. In den letzten Tagen rückten sie auf die Kreisstadt Apatzingán vor. Der Ort gilt als Hochburg der Erzfeinde der selbst ernannten Gemeindepolizisten. Hier hat das Drogenkartell «Caballeros Templarios» (Tempelritter) das Sagen.

Ihr Vormarsch auf Apatzingán wird von heftigen Auseinandersetzungen begleitet. Immer wieder stellen Unbekannte Lastwagen und Busse quer über die Strasse und zünden die Fahrzeuge an. Wer hinter den Angriffen auf die Bürgerwehren steckt, ist unklar. Diese machen Handlanger der Tempelritter für die Attacken verantwortlich. Einer direkten Auseinandersetzung gingen die «Caballeros Templarios» bislang aber aus dem Weg.

Schwacher Staat – Bevölkerung organisiert sich selber

Bürgerwehren haben im Westen Mexikos Tradition. Die jüngste Offensive ist aber selbst für diese Region ungewöhnlich. Im Kampf gegen die Terrorherrschaft der Tempelritter griffen die Bürger in der Tierra Caliente vor knapp einem Jahr zu den Waffen und besetzten einzelne Dörfer. Jetzt wollen sie eine Entscheidung in ganz Michoacán erzwingen.

Fahrende Kolonne von Pickups, auf deren Ladeflächen bewaffnete Männer sitzen.
Legende: Die Bürgerwehren kämpfen gegen die Drogenkartelle – aber auch gegen die Staatsautorität. Reuters

Der Staat war im Westen Mexikos schon immer schwach. Unter anderem deshalb breitete sich die Drogenmafia aus und hält inzwischen ganze Landstriche unter ihrer Gewalt.

Als Reaktion darauf organisierten sich die Einwohner selber – in Bürgerwehren. Sie kämpfen nicht nur gegen die Drogenkartelle, sondern auch gegen Polizei und Armee. Auch die Sicherheitskräfte seien von den Verbrecherorganisationen unterwandert, sagen sie.

Auch Bürgerwehren vom Kartell unterwandert?

Die Bürgerwehren mit zusätzlichen Truppen zurückzudrängen, wird deshalb nicht einfach sein. Dies auch deshalb, weil in den von ihnen verwalteten die Gebieten die Gewalt oftmals tatsächlich zurückgeht. Doch die Lage ist unübersichtlich: Auch den Bürgerwehren wird vorgeworfen, teilweise von den Drogenkartellen finanziert und instrumentalisiert zu werden. Dies weisen die bewaffneten Zivilisten freilich weit von sich.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    1) Das sich in Mexiko die Bürger nun gegen die Gewalt stellen ist aus Sicht der Bürger zwar verständlich kann aber für den Staat dramatische Folgen haben. Wenn der Staat die Ordnung nicht mehr garantiert und den Selbstverteidigungskomitees diese Aufgabe zukommt, wird die Gewalt von diesen ausgehen. Da diese aber nur über begrenzte juristische Möglichkeiten und Integrität verfügen, wird es zu Standgerichten und einer Gewaltspirale kommen.
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  • Kommentar von Eveline Kölliker, Rohrbach
    Bürgerwehre erreichen sicher mehr als die unterwanderte Polizei und der Komplizen-Staat. Die Leute dort haben einfach die Nase voll weil praktisch jeder schon Angehörige verloren hat oder entführte Opfer beklagt und die Situation so katastrophal wurde, dass die Bevölkerung ihr Schicksal nun selber in die Hand nimmt. Andere (z.Bsp. Kolumbien...) könnten sich daran ein Beispiel nehmen!
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    1. Antwort von Bruno Hochuli, Reinach BL
      Sie sprechen mir aus der Seele, Das Volk muss das Heft selber in die Hand nehmen, wenn die Regierung unfähig ist, dies zu tun.
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