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Proteste gegen Maduro Mindestens zwölf Tote bei nächtlichen Unruhen in Caracas

Legende: Audio Venezuela: Angst vor einem Bürgerkrieg abspielen. Laufzeit 34:00 Minuten.
34 min, aus Echo der Zeit vom 20.04.2017.
  • Bei Protesten gegen Venezuelas sozialistischen Staatschef Nicólas Maduro hat es vergangene Nacht erneut gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gegeben.
  • Bei den Unruhen sind mindestens zwölf Menschen getötet worden. Damit sei die Zahl der Toten seit Beginn der Protestwelle auf insgesamt 20 gestiegen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
  • Die Opposition kündigte weitere Proteste an.

Im blutigen Machtkampf in Venezuela hat die Opposition das Militär zum Bruch mit dem sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro aufgerufen. «Gehen Sie nicht mit der Titanic Maduros unter», sagte einer der Oppositionsführer, Freddy Guevara, an die Adresse von Verteidigungsminister Vladimir Padrino. Der Vizepräsident des Parlaments kündigte für Montag neue Massenproteste im Land mit den grössten Ölreserven an, das nach Jahren des Niedergangs vor dem Ruin steht.

Appell zur Mässigung

Angesichts dramatischer Szenen in Caracas fordert auch die internationale Gemeinschaft von Maduro ein Zurückziehen der brutal agierenden Milizen. Bilder zeigten, wie von Motorrädern aus auf Demonstranten geschossen wurde, zudem prügelten Polizisten auf Protestierende ein, von denen einige ebenfalls gewalttätig wurden.

Der gewaltsame Konflikt in Venezuela sorgt international für Besorgnis. Die Europäische Union rief zur «Deeskalation» auf. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres forderte «dass alle Anstrengungen unternommen werden, um die Spannungen zu verringern und neue Auseinandersetzungen zu verhindern».

Neun lateinamerikanische Länder, darunter Argentinien, Brasilien und Kolumbien, kritisierten in einer gemeinsamen Erklärung «den Verlust weiterer Leben» in Venezuela.

Geld an den Klassenfeind

Mitten in den Kämpfen wurde zudem bekannt, dass Venezuela trotz der enormen Wirtschaftskrise eine Grossspende für den Wahlkampf von Donald Trump geleistet hat. Der Erdölkonzern Citgo, der dem venezolanischen Staatskonzern PDVSA gehört, hat 500'000 Dollar für die Vereidigungsfeier von US-Präsident Trump gestiftet. Das geht aus einer nun veröffentlichten Übersicht der US-Wahlkommission hervor. Demnach war es eine der grössten Spenden unter den insgesamt 106 Millionen US-Dollar, die für die Feier zum Amtsantritt Ende Januar zusammenkamen.

Die USA sind trotz aller Spannungen mit den seit 1999 in Caracas regierenden Sozialisten der wichtigste Abnehmer von Erdöl aus Venezuela.

Was bisher geschah

  • Am Mittwoch waren bei den Massenprotesten in Caracas ein 17-Jähriger und in San Cristóbal eine 23-Jährige durch Kopfschüsse getötet worden.
  • Augenzeugen zufolge wurden die Schüsse von Mitgliedern der «colectivos», von der Regierung bewaffnete zivile Gruppen, abgegeben.
  • Nach Angaben der Regierung wurde zudem ein Soldat von Demonstranten getötet.
  • Die Regierungsgegner in dem erdölreichen lateinamerikanischen Land machen Maduro für die Wirtschaftskrise verantwortlich. Sie kämpfen für ein Referendum über eine Amtsenthebung des Sozialisten, dessen Präsidentschaft regulär noch bis 2019 dauert.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Jacqueline Zwahlen (Jacqueline Zwahlen)
    Es gibt auch Gegendemonstrationen mit Hunderttausenden Teilnehmern. Warum hört und sieht man von denen nichts?
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  • Kommentar von Sebastian Frey (Sebastian Frey)
    Die andere Seite "Wenn's darauf ankommt, rückt Venezuelas Linke zusammen. Trotz aller Querelen & trotz der auch im chavistischen Lager weitverbreiteten Unzufriedenheit mit der Arbeit der Regierung versammelten sich am Mittwoch Hunderttausende in Caracas & anderen Städten, um den bolivarischen Prozess gegen die rechte Opposition zu verteidigen. Durch ihre Präsenz versperrten sie den Regierungsgegnern den Weg in das Stadtzentrum & damit die Möglichkeit, den Präsidentenpalast anzugreifen." A.Scheer
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    1. Antwort von Bruno Vogt (bru.vogt)
      Hr Frey, wenn die Unterstützung für die PSUV und den Chavismus so gross ist, wie sie hier jeweils behaupten. Warum lässt die Militärjunta nicht einfach freie und faire Wahlen durchführen, so wie sie auf Gouverneursebene verfassungsgemäss sowieso stattfinden sollten dieses Jahr? Was kann daran falsch sein? Oder könnte es daran liegen das der Chavismus weit weniger als 50% Unterstützung geniesst und in jedem anderen demokratischen Staat in die Opposition treten müsste, nur in Venezuela nicht?
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Wenn sich die Südamerikanischen Staaten nicht bald zusammenraufen und sich in Venezuela gezielt und konstruktiv einmischen, wird Venezuela über kürzer oder länger von US-Truppen besetzt und das venezuelanische Erdöl wird ohne Gewinnbeteiligung des venezuelanischen Staates und der Bevölkerung von Exxon gefördert und vermarktet.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Welcher südamerikanische Staat funktioniert gut? Südamerika ist nicht Europa.
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