Mit nächtlicher Ausgangssperre gegen Ebola

Das öffentliche Leben in Liberia kommt wegen Ebola praktisch zum Erliegen. Um das tödliche Virus in den Griff zu bekommen, gibt es neu eine nächtliche Ausgangssperre. Damit soll vor allem verhindert werden, dass die Leichen auf den Strassen deponiert werden, sagt ein Deza-Mitarbeiter vor Ort.

Ein Mann geht durch eine ausgestorbene Strasse. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Leere Strassen: Die Bevölkerung in Liberias Hauptstadt Monrovia geht nicht mehr freiwillig aus dem Haus. Keystone

SRF: Das tägliche Leben in Liberia hat sich massiv reduziert. Die Geschäfte schliessen früh, es gibt kaum noch Verkehr, die Bevölkerung geht abends nicht mehr aus. Ist ein Klima der Angst spürbar?

«Das tägliche Leben hat sich massiv reduziert»

5:06 min, aus SRF 4 News aktuell vom 21.08.2014

Deza-Mitarbeiter Andreas Deuble: Ja. Die Bevölkerung ist sich bewusst geworden, dass Ebola existiert. Sie hat nun Angst und ist vorsichtig. Die Leute berühren sich nicht mehr. Überall vor Gebäuden gibt es Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren.

Zwischen neun Uhr abends und sechs Uhr morgens dürfen die Leute nicht mehr aus dem Haus. Bringt diese Ausgangssperre etwas im Kampf gegen Ebola?

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Kranker Arzt geheilt

Der amerikanische Arzt Kent Brantly, der sich in Liberia mit dem Ebolavirus angesteckt hatte, ist angeblich geheilt. Vor drei Wochen wurde er mit einem Spezialflugzeug in die USA geflogen. Der 33-Jährige war dort mit dem experimentellen Mittel «ZMapp» behandelt worden.

Die Ausgangssperre existiert erst seit einem Tag. Sie wird bisher sehr gut eingehalten. Aber bereits vor deren Einführung sind die Leute nicht mehr freiwillig aus dem Haus. Mit der Sperre möchte man einerseits bezwecken, dass sich die Bevölkerung sicherer fühlt. Andererseits soll damit verhindert werden, dass die Leute in der Nacht die Toten auf den Strassen deponieren. Dies war bis anhin der Fall, weil die Behörden und auch die internationale Hilfe überfordert waren mit dem Abtransport der Leichen.

Und was ist Ihre konkrete Aufgabe vor Ort?

Wir haben seit anfangs März, als die ersten Ebolafälle registriert wurden, lokale Partner aber auch das liberianische Gesundheitsministerium in der Aufklärungsarbeit, in der konkreten Patientenbehandlung und beim Schutz des Spitalpersonals unterstützt.

Wie schützten Sie sich persönlich vor dem Virus?

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Drohende Hungerkrise

Die Welthungerhilfe geht langfristig von einer humanitären Krise als Folge der Ebola-Epidemie in Liberia und Sierra Leone aus. Um die Ausbreitung des Virus' aufzuhalten, stehen ganze Provinzen unter Quarantäne. Die Menschen können deshalb zum Teil keine Landwirtschaft mehr betreiben.

Ich arbeite nicht direkt mit Patienten. Die Gefahr einer Ansteckung ist für mich sehr gering. Es ist für mich viel wahrscheinlicher, in einen Unfall verwickelt zu werden, wenn ich mich auf der Strasse aufhalte. Trotzdem halte ich alle Schutzmassnahmen ein und grüsse die Leute eben zum Beispiel nicht mehr mit einem Handschlag oder umarme alte Freunde nicht mehr.

Können Sie eine Prognose wagen, wie schnell und nachhaltig das Ebolavirus in Afrika, insbesondere in Liberia, gestoppt werden kann?

Das Ausmass der Epidemie ist immens. Das gab es so bisher noch nicht. Eine Prognose ist momentan unmöglich.

Das Interview führte Iwan Santoro.