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Wladimir Putin
Legende: Wladimir Putins enger Freund verwaltet über Briefkastenfirmen grosse Vermögen, die laut Journalisten «Fragen aufwerfen». Keystone
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International «Moskau sieht die Enthüllungen als Angriff des Westens»

Politiker und Prominente nutzten offenbar Briefkastenfirmen, um Vermögen zu verstecken. In den Dokumenten taucht auch ein enger Vertrauter Wladimir Putins auf. Wie reagiert der Kreml auf die Enthüllungen? Einschätzungen von SRF-Korrespondent David Nauer.

Es ist eines der grössten Datenlecks überhaupt: Im Jahr 2015 meldete sich ein Whistleblower bei der «Süddeutschen Zeitung». Im Gepäck hatte er eine riesige Datenmenge der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca , Link öffnet in einem neuen Fensterin Panama, die sich darauf spezialisiert hat, Briefkastenfirmen einzurichten. Die Daten reichen zurück bis ins Jahr 1977 und sind umfassender als alles, was Wikileaks je veröffentlicht hat.

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Panama Papers: Weisse Westen und ihre Schwarzmärkte
Aus Tagesschau vom 03.04.2016.
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Die «Süddeutsche» entschied sich, die sogenannten «Panama Papers» in Zusammenarbeit mit über 100 Medien auszuwerten. In monatelanger Arbeit haben Journalisten 214'000 Briefkastenfirmen in einer Datenbank erfasst. Brisant: Unter deren Kunden finden sich Staatsoberhäupter, Politiker, Prominente oder Leute, die ihnen nahestehen. Am Sonntagabend haben sämtliche beteiligten Medien ihre ersten Rechercheergebnisse veröffentlicht. Weitere Publikationen sollen folgen.

Der gute Freund Putins und die Schweizer Bank

Zumindest in einem Fall führen auch Spuren in die Schweiz, wie Oliver Zihlmann, Leiter des Recherchedesks der «Sonntagszeitung», erklärt. Er ist hierzulande federführend in der Auswertung der Daten: «In den Dokumenten taucht Sergei Roldugin, ein enger Familienfreund Wladimir Putins auf, der Transaktionen ausführt, die Fragen aufwerfen.»

Roldugin nutze dafür Offshore-Strukturen, die «in der Regel dazu dienen, Vermögen zu verstecken». Über diese soll er grosse Vermögen verwalten und Rechte an Aktien von Rüstungs- und Medienkonzernen innehaben. «Roldugin ist Musiker, es ist nicht ersichtlich, wie er dazu kommt», so Zihlmann.

Und: Roldugin hatte ein Konto bei einer kleineren Schweizer Bank, der Gazprombank, eröffnet und dabei «seine Nähe zum russischen Präsidenten verschwiegen», wie Zihlmann ausführt. Dies werfe die Frage auf, ob auch Geldbeträge über diese Bank geflossen sind – und ob die Bank wusste, dass der Mann Putin nahe steht. Denn dann, so Zihlmann, stellten sich Fragen der Sorgfaltspflicht. «Dies müssen aber die Finanzaufsicht oder die Behörden klären.» Die ausgewerteten Daten würden nur einen «Anfangshinweis» geben, dem man «auf den Grund» gehen müsse.

«Kreml nimmt die Enthüllungen ernst»

Dmitri Peskow, der Pressesprecher von Präsident Putin, hatte bereits am 28. März auf die kommenden Veröffentlichungen der 100 Medien reagiert. «Wir haben sehr unfreundliche Anfragen im Verhörstil erhalten, von einer Organisation, die sich Internationales Konsortium für Investigative Journalisten nennt», erklärte Peskow.

Diese Vorankündigung sei recht aussergewöhnlich, sagt SRF-Russland-Korrespondent David Nauer. Der Kreml scheine die Enthüllungen also schon ziemlich ernst zu nehmen. Jetzt – unmittelbar nach der Publikation – gibt es keine offizielle Reaktion aus Moskau. Die Verteidigungsstrategie des Kremls sei wohl, dass man auf die konkreten Vorwürfe gar nicht erst eingehe. «Stattdessen werden die Enthüllungen als Angriff feindlicher Kräfte oder als Angriff des Westens auf Russland dargestellt.»

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86 Kommentare

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  • Kommentar von A. Schulze  (A. Schulze)
    Jeder B Promi ist sicher neidisch auf Putin. Die müssen Insekten essen um in die Schlagzeilen zu kommen und Putin schafft es immer wider, bei jedem Thema, selbst wenn es garnicht um ihn geht. Wird immer amüsanter, dieses Putin- Bashing :D
    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Es wäre zweifelsohne dem Russen mehr gedient, wenn sich Putin, anstatt andere eifrig und permanent vor den Kopf zu stoßen, sich um die Wohlfahrt seines desolaten Landes kümmern würde. Die Schlagzeilen, die Putin produziert, machen einem schlecht.
    2. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Und egal was Putin für böse Streiche spielt, die Putin Fanboys können ihn, jenseits jeglicher Peinlichkeit, nicht genug loben.
  • Kommentar von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
    Und noch etwas: Wie die US-Konzerne und die USA mit Mafiamethoden die Regierungen erpressen, korrumpieren und Ggf. stürzen, erzählt John Perkins in seinem Buch "Bekenntnisse eines economic hitman". Wann wurde dieses System der Machtausübung in den Medien thematisiert? Dabei ist die Situation heute noch viel schlimmer geworden, das System hat sich auch innerhalb der USA etabliert.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Naja, Kapitalismus ist nichts für Unbedarfte, jedoch noch verwerflicher ist die russische Oligarchie, da sind die "Gewöhnlichen" kaum besser gestellt als Leibeigene.
    2. Antwort von Hans Bernoulli  (H.Bernoulli)
      @ A. Planta: Nur, die russische Oligarchie will nicht die alleinige Weltherrschaft, weil sie sich für etwas besonderes hält (Aussage US-Vize Biden).
    3. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Naja, die halten sich auch für etwas Besonderes, wollen auch expandieren (Syrien, Krim, Donezk) sind aber zu schwach. Schon die Sowjet Union verlor den Kalten Krieg aus finanziellen Gründen.
  • Kommentar von Martin Meier  (M.Meier)
    Und alle Amis sind natürlich sauber.... hahaha
    1. Antwort von carlo reve  (emblem)
      Ja! es sind z.b unsere Alliierten! Nachgedacht usw.. haben ausser Ihnen.. schon andere...!?...hust...
    2. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Was wollen Sie damit sagen? Dass die Russen genauso mies sind und damit alles in Butter ist, und man sich mit Volksschädlingen und Parasiten abfinden muss?
    3. Antwort von Martin Meier  (M.Meier)
      Inwiefern die Amis wirklich unsere Allierten sind sei dahingestellt (eher Eigennutz bis ans "geht-nicht-mehr"). Es geht hier weder um das Eine noch das Andere, sondern, dass man alle gleich blosstellen sollte, sprich, die Offshoremöglichkeiten in den USA (inkl. Delaware und den versch. Islands) sollte in solch einer Berichterstattung auch erwähnt werden. P.S. Ohne Russland wäre Europa seit 1939 Deutsch, bitte nicht vergessen wer den grössten Tribut gezahlt hatte¨!