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International Mugabe: «In Simbabwe wird es keinen Umsturz geben»

Armut, Arbeitslosigkeit, Misswirtschaft: An einer Grosskundgebung in Harare haben Oppositionelle zum wiederholten Male gegen die Regierung Simbabwes protestiert. Die Polizei ging massiv gegen die Demonstranten vor. Derweil warnte der umstrittene Machthaber Mugabe davor, die Proteste auszuweiten.

Ein Demonstrant hält in Harare ein heruntergerissenes Strassenschild mit der Aufschrift "Robert Mugabe Road" in die Höhe.
Legende: Protest gegen den Langzeit-Machthaber: Ein Demonstrant hat in Harare ein Strassenschild heruntergerissen. Reuters

Bei einer Grossdemonstration in Harare ist es am Freitag erneut zu Zusammenstössen zwischen Regierungsgegnern und der Polizei gekommen. Simbabwes Machthaber Robert Mugabe warnte die Opposition darauf unmissverständlich, es werde keinen Umsturz wie im Arabischen Frühling geben.

«Sie verbrennen Reifen auf den Strassen, um an die Macht zu gelangen», sagte Mugabe in einer Fernsehansprache. «Sie denken, dass das, was im Arabischen Frühling geschehen ist, auch in diesem Land geschehen wird. Doch ich sage ihnen, dies wird nicht passieren.» Er wolle «Frieden im Land», sagte der Präsident und warf ausländischen Mächten vor, hinter den Protesten zu stecken.

Tränengas, Schlagstöcke, Drohungen

Zuvor hatte die Polizei in Harare Tränengas und Schlagstöcke gegen eine gerichtlich genehmigte Grosskundgebung der Opposition eingesetzt. Wie ein AFP-Reporter berichtete, setzten sich Demonstranten mit Steinwürfen zur Wehr.

Andere steckten Reifen in Brand und rissen ein Strassenschild mit dem Namen Mugabes herunter. Die Polizei verfolgte die Demonstranten und bedrohte Journalisten, die über die Kundgebung berichten wollten.

Mugabe krallt sich an die Macht

Die Regierungsgegner forderten Mugabes Verzicht auf die Macht und eine Wahlrechtsreform. Der 92-jährige Machthaber, der das südafrikanische Land seit der Unabhängigkeit 1980 regiert, will bei der Präsidentschaftswahl 2018 erneut antreten. Bei der Kundgebung kam es auch zu gewalttätigen Zusammenstössen zwischen den Anhängern der Opposition und Mitgliedern der Regierungspartei Zanu-PF.

Zur Kundgebung hatten 18 Gruppen der Opposition aufgerufen, darunter die Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) des langjährigen Oppositionsführers Morgan Tsvangirai und die kürzlich gegründete Partei Simbabwes Volk Zuerst (ZPF) der ehemaligen Vizepräsidentin Joice Mujuru.

Des Volkes Zorn

Die Anführer der Opposition verurteilten das harte Vorgehen gegen die Kundgebung und kündigten an, den Druck auf Mugabe zu erhöhen. «Die Wut des Volkes sitzt sehr tief», sagte Tsvangirai. «Die heutige brutale Unterdrückung des Volkes wird es nicht daran hindern, seine Rechte auszuüben.»

Der frühere Minister und Mugabe-Vertraute Didymus Mutasa, der ins Oppositionslager gewechselt ist, kündigte erneute Proteste am kommenden Freitag an. Die Proteste würden bis zum Tag der Wahl weitergehen, sagte Mutasa. «Wir haben genug von der Zanu-PF-Misswirtschaft.»

Nachwehen der Wahlen

Die US-Botschaft in Harare äusserte sich besorgt angesichts der Berichte über Gewalt und rief die Regierung zur Zurückhaltung auf. Auch die Vertretungen Kanadas und Australiens mahnten zur Einhaltung der Menschenrechte und warnten vor dem Einsatz von Gewalt.

In jüngster Zeit häufen sich die Proteste der Opposition. Diese wirft dem Regierungslager vor, die letzten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Jahr 2013 gefälscht zu haben.

Mugabe hatte das ehemalige Rhodesien 1980 in die Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Grossbritannien geführt. Der Freiheitskämpfer wurde zunächst Regierungschef, bevor er 1987 Präsident wurde. Mugabes Kritiker machen den greisen Machthaber für die schwere Wirtschaftskrise verantwortlich, unter der das südafrikanische Land seit Beginn des neuen Jahrtausends leidet.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Mugabe ist ein Despot,der sein Volk in unverantwortlicher Art & Weise geisselt. Wer einmal in diesem schönen Land reisen & die Menschen erleben durfte,kann sich grob vorstellen,wie hart das Leben unter solchen Spezies ist.Wer dies erlebt hat,der weiss, dass unsere Problemchen geradezu lachhaft sind.Auch wenn ich hier immer wieder das Gegenteil lese.Vielen würde es gut anstehen, einmal im Leben für eine gewisse Zeit in einem solchen Land zu leben.Er wäre dankbar in der CH geboren worden zu sein!
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Da gebe ich Ihnen 100% Recht, was Zimbabwe anbelangt. Man stelle sich vor, dieses Land war die "Kornkammer" Afrikas, und jetzt kann es die Eigenen nicht mal selber ernaehren. Es ist eines der fruchtbarsten Laender dieser Erde.. geopfert dem Machtanspruch und Eitelkeit eines Despoten der Sonderklasse! Aber eben hier hat das Volch nichts zu vermelden, darum haben die Probleme.. darum hat die CH weniger... aber die Linke wirds dann schon irgendwann mal schaffen, dass auch die CH verarmt!
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Der kommt weg... wenn nicht heute dann Morgen.. die Zimbabwer sehen wie gut es den umliegenden Laendern geht und dass sogar das komunistische Mozambique in vergleichbar annehmbarem Wohlstand aufsteigt.. wenn ihn der "Hoernlimann" nicht holt, dann wird er noch gestuerzt. Wenn ein Diktator vor Ausweitung der Proteste warnt ist es meist Marhaeus am Letzten!
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    1. Antwort von Franz NANNI (Aetti)
      Korrigenda: Mathaeus am Letzten..
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