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International Mugabes Clan klammert sich an die Macht

Per Verfassungsänderung hat Robert Mugabe seine Amtszeit bis auf 2023 ausgedehnt. Ob er dann noch lebt, ist jedoch unklar. Damit die Macht über Simbabwe in der Familie bleibt, soll seine Frau Grace übernehmen. Politische Erfahrung hat sie keine, dafür einen Doktortitel – verliehen von ihrem Mann.

Vor gut zwei Wochen musste der Staatspräsident von Burkina Faso nach 27 Jahren den Sessel räumen. Die aufgebrachte Menge hat den Langzeitherrscher buchstäblich aus dem Amt gejagt. Doch Blaise Compaoré war nicht der letzte afrikanische Autokrat, der sich an die Macht klammerte.

Es gibt noch viele Langzeitpräsidenten, die ihre Amtszeit immer wieder mit Wahlmanipulationen oder Verfassungsänderungen verlängern. Beliebt sind gelegentlich auch Nachfolgeregelungen innerhalb der Familie. Eine solche zeichnet sich nun bei der Familie Mugabe in Simbabwe ab.

Der Methusalem unter den Präsidenten

Robert Mugabe ist nicht nur der älteste unter Afrikas Langzeitherrschern, er ist auch das älteste Staatsoberhaupt der Welt. Der Mann ist 90 Jahre alt und regiert Simbabwe seit 34 Jahren. Bei seinem Amtsantritt galt der verehrte Freiheitskämpfer als grosser Hoffnungsträger. Doch einmal an der Macht, wandelte sich Mugabe zum Diktator und stürzte das fruchtbare Land im Süden Afrikas in eine Nahrungsmittel- und Finanzkrise.

Wie viele alte Männer, die in Afrika an der Macht sind, kann Mugabe nicht loslassen. Im vergangenen Jahr liess er die Verfassung so abändern, dass er noch bis 2023 im Amt bleiben könnte. Er wäre dann 99 Jahre alt.

Nicht manipulieren lässt sich dagegen die Vergänglichkeit. Selbst Mugabe ist nicht für die Ewigkeit geschaffen. Der alte Mann in Harare wird müde. Während Kabinettssitzungen soll er zuweilen einschlafen, berichten Minister. Laut Geheimdienstquellen plagt Mugabe nicht nur das Alter, sondern auch ein bösartiger Prostatakrebs.

Gattin Grace soll übernehmen

Die Frage der Nachfolge steht deshalb seit längerem im Raum. Vor einigen Tagen wurde nun bekannt, dass Grace Mugabe nach dem Ableben ihres Gatten Staatspräsidentin werden will und die Nachfolge damit zu einer Familienangelegenheit werden könnte.

Politisch ist die 40 Jahre jüngere Gattin bisher kaum in Erscheinung getreten. Sie bewegt sich erst seit Kurzem als Präsidentin der Frauenliga der Regierungspartei auf der politischen Bühne. Für dieses Amt verlangen die Statuten eigentlich 15 Jahre Mitgliedschaft und herausragende Leistungen im Befreiungskampf. Die in Südafrika geborene Sekretärin verfügt weder über das eine, noch das andere.

Zum Doktortitel in drei Monaten

Das könnte der Grund sein, warum sich die ambitiöse Gattin vor einiger Zeit an der Universität Harare immatrikuliert hat. Bereits nach drei Monaten verliess Gucci Grace, wie die First Lady wegen ihren ausschweifenden Shoppingtouren genannt wird, die Lehranstalt als Doktor Grace Mugabe. Ihre Dissertation mit dem Titel «Wandel sozialer Strukturen und die Funktion der Familie» kann man leider nirgends lesen.

Publiziert wurde dafür ein pikantes Detail: Die Doktorwürde wurde ihr vom Rektor der Universität verliehen. Und der heisst – Robert Mugabe.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Man kann über ehemalige europäische Kolonialmächte in Afrika bezüglich Ausbeutung, Korruption, Überheblichkeit, Ignoranz und Vetternwirtschaft mit Recht wettern. Das gelbe vom Ei waren sie nicht. Was aber nach erzwungener/freiwilliger Entlassung in die Unabhängigkeit folgte, war für die Völker oft ein Gang vom Regen in die Traufe. Die neuen nativen Herrscher, kultivierten das Gelernte als unterdrückte bis zur Perfektion. Ähnlich gelagerte Prozesse, beobachtet man auch in Lateinamerika.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Simbabwe ist ein Paradebeispiel dafür, was mit einem afrikanischen Land passiert, das seine weisse Bevölkerung enteignet, vertreibt und ermordet. Rien ne vas plus! Rhodesien/Simbabwe war mal die Brotkammer Afrikas - jetzt ist es nur noch ein verarmtes, korruptes, heruntergewirtschaftetes Loch. Dieser Rassist Mugabe ist das Schlimmste, was diesem Land passieren konnte! In Südafrika steht in den nächsten paar Jahrzehnten ähnliches bevor, wenn sie nicht aufpassen.
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  • Kommentar von Benedikt Ali, St. Gallen
    @Franz NANNI, Nelspruit SA: Und wo bleibt unsere engagierte Stimme aus Südafrika?
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      Ja mein Lieber... leider haben es Andere vor mir auf den Punkt gebracht.. was bleibt da noch uebrig? Ausserdem, wenn ich ueber Mugabe schreibe laesst es die Netti nicht durch...;-D
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    2. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      @sf... was wieder mal beweist, Netti hat Humor...(auch)....;-D
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