Muslimbrüder suchen Kompromiss – Armee stellt Ultimatum

Die ägyptischen Muslimbrüder bemühen sich um Deeskalation: Sie haben dazu aufgerufen, gegen den «blutigen Militärputsch» auf die Strasse zu gehen – allerdings gewaltlos. Zudem spricht Mursis früherer Premier von einem Kompromiss. Das Militär stellt den Muslimbrüdern offenbar ein Ultimatum.

Zwei junge Männer gehen an einer Wand vorbei, darauf ein Grafitti: Mursi-Anhänger wehren sich gegen den Militärchef. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: «Nein zum Coup» – das Bild an einer Mauer in Kairo symbolisiert die Macht von Armeechef Sisi über die Mursi-Anhänger. Keystone

In Ägypten drohen am Freitag Krawalle: Anhänger und Gegner der neuen ägyptischen Regierung wollen demonstrieren – in Massen. In aggressivem Ton hatte der ägyptische Armeechef Abdel Fattah al-Sisi am Mittwoch dazu aufgerufen. Als Antwort auf das Blutvergiessen von Anfang Woche forderte Sisi die Ägypter in einer Fernsehansprache auf, ihm das Mandat zu erteilen, «dem Terrorismus und der Gewalt ein Ende zu bereiten».

Muslimbrüder fordern friedliche Proteste

Die Muslimbrüder, denen der entmachtete Staatschef Mursi nahe steht, sowie mit ihnen verbündete islamistische Gruppen warfen dem Armeechef daraufhin vor, er habe zum Bürgerkrieg aufgerufen.

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Mursi-Seite meldet sich

Der Ex-Premier des abgesetzten Präsidenten Mursi zeigt Kompromissbereitschaft, um die verfahrene Situation zu entschärfen. In einer auf Youtube veröffentlichten Rede fordert er die Freilassung von verhafteten Muslimbrüdern – ebenso wie den vom Militär isolierten Mursi. Im Gegenzug werde das Blutvergiessen aufhören.

Nun haben die Muslimbrüder ihrerseits zu Protesten aufgerufen. Das Volk müsse für die Freiheit und gegen den «blutigen Militärputsch» demonstrieren, der zum Sturz von Präsident Mohammed Mursi geführt habe. Dies erklärte der Anführer der Muslimbrüder Mohammed Badie.

Die Proteste müssten aber friedlich ablaufen, forderte er. Badie befindet sich auf der Flucht und wird per Haftbefehl von den ägyptischen Behörden gesucht.

Angesichts der befürchteten erneuten Zusammenstösse bei den für Freitag geplanten Massenprotesten kündigte die Polizei ein massives Aufgebot an.

Militär äussert sich auf Facebook

Die Armee hat sich nun erneut zu ihren Absichten von Morgen geäussert. Das Militär wird «nicht auf Bürger schiessen, aber sie ist bereit, ihre Waffen gegen jene zu richten, welche Gewalt und Terror verbreiteten». Dies das Statement der Armee, welches auf der Facebook-Seite veröffentlicht worden ist.

Zudem gibt es offenbar ein Ultimatum des Militärs. Dies berichtet die Agentur Reuters mit Berufung auf Militärkreise. Die Muslimbrüder hätten 48 Stunden Zeit, sich dem politischen Versöhnungsprozess anzuschliessen. Man werde hart auf Aufrufe von Anführern der Gemeinschaft zu Gewalt oder Terrorismus vorgehen. Friedliche Demonstranten werde man hingegen schützen. Das Ultimatum wurde nach dem Aufruf der Muslimbrüder zu friedlichen Protesten verbreitet.

Ban Ki Moon fordert Freilassung von Mursi

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Ägyptens Streitkräfte aufgerufen, den entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi freizulassen. Nach den Worten seines Sprechers forderte Ban, dass Mursi und andere Anführer seiner Muslimbruderschaft «freigelassen oder ihre Fälle unverzüglich und transparent überprüft» werden.

Damit folgte der UNO-Generalsekretär Appellen der USA und der EU an die Streitkräfte, den entmachteten Präsidenten und seine Verbündeten nicht länger ohne Prozess festzuhalten.

Seit der Entmachtung Mursis am 3. Juli durch das Militär wurden bei den politischen Unruhen in Ägypten bereits mehr als 170 Menschen getötet.