Die IOM hat im letzten Jahr etwa 30 Prozent des Budgets verloren. Dies vor allem durch die fast gänzliche Auflösung der US-Entwicklungsbehörde USAID, die viele Projekte bei der UNO-Organisation für Migration finanziert hatte. 6000 Personen, oder fast ein Viertel aller Angestellten, wurden entlassen.
«Neun Millionen Menschen, die letztes Jahr in irgendeiner Form Hilfe von der IOM erhielten, haben diese verloren», sagt IOM-Generaldirektorin Amy Pope. Das betreffe etwa Menschen in Flüchtlingslagern, die eine Gesundheitsversorgung erhalten hätten.
Private sollen Lücken schliessen
Politisch ist die humanitäre Zusammenarbeit vielerorts unter Druck. Staatliche Gelder dürften nicht so schnell wieder zurückkommen. Amy Pope will deshalb mehr Kooperation mit der Privatwirtschaft.
Ihr gehe es nicht nur um ein reines Spenderverhältnis, sondern um eine echte Zusammenarbeit. In Zeiten von Fach- und Arbeitskräftemangel seien Unternehmen vielerorts auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Da könne die IOM helfen, etwa bei der Ausbildung junger Menschen.
Kritik am Modell
Während staatlich finanzierte Projekte wenigstens teilweise einer demokratischen Kontrolle unterliegen, fehlt dies bei privaten Partnerschaften allerdings komplett. Und es besteht die Gefahr, dass durch den Fokus auf wirtschaftliche Interessen der humanitäre Aspekt von Flucht und Migration in den Hintergrund rückt.
Private Unternehmen stünden auch in Krisensituationen helfend zur Seite, betont Amy Pope. So arbeitet die IOM seit 2019 mit der Buchungsplattform Airbnb zusammen. Die US-Techfirma hat etwa ukrainischen Flüchtlingen gratis Unterkünfte zur Verfügung gestellt: «Statt auf der Strasse schlafen zu müssen, haben diese Menschen temporären Schutz gefunden.»
Allerdings steht Airbnb selbst in der Kritik, Menschen aus ihrem Zuhause zu drängen. In Städten wie Barcelona oder Lissabon gilt die Plattform als ein Hauptreiber für steigende Mieten. Auch wird Airbnb etwa dafür kritisiert, Ferienwohnungen in illegalen israelischen Siedlungen im Westjordanland anzubieten.
Gefahr von neuen Abhängigkeiten
Die Frage, wie diese Vorwürfe in Einklang mit den Werten der IOM stehen, drängt sich auf. Amy Pope antwortet nur allgemein. Die Zusammenarbeit mit Firmen werde stetig ausgewertet. Es habe schon Fälle gegeben, wo sie beendet wurde, weil ethische Standards nicht eingehalten wurden.
Dennoch ist sie überzeugt: Die IOM kann positiv auf die Unternehmen einwirken. So habe man schon mehrfach erreicht, dass Unternehmen die eigenen Praktiken verbessert haben. Etwa, indem die Lieferketten auf mögliche Zwangsarbeit untersucht wurde.
Dies basiert allerdings auf Freiwilligkeit. Die UNO-Migrationsbehörde hat nicht nur keine Instrumente, um Standards durchzusetzen, wegen des Rückgangs staatlicher Gelder drohen neue Abhängigkeiten.