Bei der Einreise auf dem Landweg von Spanien nach Gibraltar gibt es seit Mittwoch keine Grenzkontrollen mehr. Das freut vor allem die spanischen Grenzgängerinnen und Grenzgänger, die in Gibraltar arbeiten. Sie müssen sich nicht mehr ärgern über lange Wartezeiten.
Mehrere hundert Menschen sind in der Nacht auf Mittwoch in La Línea de la Concepción – dem spanischen Grenzort zu Gibraltar – zusammengekommen und haben den Countdown gezählt, bis es Mitternacht wurde, wie der freischaffende Journalist Hans-Günter Kellner erzählt. Kurz nach Mitternacht sind dann die ersten Personen vom EU-Land Spanien in die britische Exklave Gibraltar gereist – ohne dass sie ihre Pässe vorweisen mussten.
Spanien und Grossbritannien haben sich gefunden – nach langjährigen, schwierigen Verhandlungen. Grossbritannien musste laut Journalist Kellner dabei mehr Zugeständnisse machen. «Spanische Polizisten in Gibraltar, die auch noch Briten kontrollieren, die eigentlich britisches Territorium betreten. Das ist schon ein enormes Zugeständnis», sagt er.
Gibraltar ist britisches Territorium, seit 1713. Spanien aber betrachtet Gibraltar als illegal besetztes Gebiet. Dieser Streit ist noch nicht beigelegt.
«Den territorialen Anspruch hat Spanien nie aufgegeben», sagt Kellner. Man habe einfach gesagt: Über die Territorialfrage verhandeln wir nicht.
Der Südzipfel Spaniens gilt als eine eher strukturschwache Region. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch. Spanien erhofft sich durch das Abkommen Schwung für die Wirtschaft. «Es herrscht fast schon Goldgräberstimmung. Man hofft auf Investitionen aus Gibraltar», sagt der freischaffende Journalist Kellner.
Kellner befürchtet jedoch auch, dass es zu Spannungen kommen könnte. «Denn das Pro-Kopf-Einkommen in Gibraltar ist viermal so hoch wie in Spanien. Das könnte dazu führen, dass zum Beispiel Briten sich Wohnungen leisten können, die sich die Spanier dann nicht mehr leisten können.» Schon jetzt seien Überlegungen im Gange, wie diese Sozialgefälle verhindert werden können.