Nach Unfall: In Brasilien stehen alle WM-Kräne still

Zwei Tage nach dem tödlichen Unglück auf der WM-Baustelle in São Paulo hat Brasilien die Notbremse gezogen. Sämtliche Kräne dürfen vorerst nicht weiterbetrieben werden. Jetzt gilt es etliche Auflagen zu erfüllen.

Der gekippte Kran in São Paulo. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Rettungskräfte tragen am Mittwoch einen toten Arbeiter von der WM-Baustelle. Keystone

Am Mittwoch kamen auf der WM-Baustelle in São Paulo zwei Arbeiter bei einem Kranunglück ums Leben. Jetzt muss sich die verantwortliche Baufirma Odebrecht erklären.

Sie muss dem brasilianischen Staat Dokumente vorlegen, die die korrekte Wartung und Instandhaltung der Maschinen, die Beachtung von Sicherheitsmassnahmen sowie die Qualifikation der Kranführer und Arbeiter nachweisen. Das teilte das Arbeitsministerium mit.

Unfall bei Stadionbau in Brasilien

1:02 min, aus Tagesschau am Mittag vom 28.11.2013

«Wir haben keine Eile»

«Der Bau wird sich mit Sicherheit verzögern, die Fristen der Fifa interessieren mich aber nicht, nur die Sicherheit der Arbeiter. Wir haben keine Eile», sagte Antônio Pereira vom zuständigen Ministerium. Man habe unter anderem noch nicht die Black Box finden können, die der Unglückskran haben müsste. Daher wolle er auch einen Experten des deutschen Kran-Herstellers zurate ziehen.

Die Baufirma Odebrecht und der Traditionsclub SC Corinthians als Stadionbesitzer erklärten, man werde die angeforderten Dokumente so schnell wie möglich zusammenstellen.

Unabhängig davon wolle man am Montag nach der viertägigen Trauerpause die Bauarbeiten am «Itaquerão» unter anderem mit der Fertigstellung der elektrischen und hydraulischen Systeme wie vorgesehen wiederaufnehmen.

Eröffnung verschoben

Wie die Zeitung «Folha de São Paulo» unter Berufung auf Organisationskreise berichtete, steht bereits fest, dass die bisher auf den 31. Dezember festgelegte Frist zur Übergabe des Stadions an die Fifa mindestens um einen Monat verschoben werden muss.

Der Unfall von São Paulo wird nun von der Polizei untersucht. Sie will innerhalb von 30 Tagen einen ersten Bericht präsentieren will. Der frühere brasilianische Stürmerstar Ronaldo sagte, es sei nun nicht Zeit, «an das Image Brasiliens im Ausland oder an Lösungen zur rechtzeitigen Fertigstellung des Stadions zu denken». In erster Linie müsse man «jetzt den Familien der Opfer beistehen».

Noch nicht fertiggestellte Stadien

  • Cuiaba, Eröffnung: Dezember 2013
  • Curitiba, Eröffnung: Dezember 2013
  • Manaus, Eröffnung: Dezember 2013
  • Natal, Eröffnung: Dezember 2013
  • Porto Alegre, Eröffnung: Dezember 2013
  • São Paulo, Eröffnung: wohl Februar 2014

Fertiggestellte Stadien

  • Belo Horizonte, Eröffnung: Dezember 2012
  • Fortaleza, Eröffnung: Dezember 2012
  • Salvador, Eröffnung: April 2013
  • Recife, Eröffnung: Mai 2013
  • Brasilia, Eröffnung: Mai 2013
  • Rio de Janeiro, Eröffnung: Juni 2013