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International Nancy Reagan ist tot

Zart, fast zerbrechlich konnte die schlanke Nancy Reagan wirken, wenn sie neben ihrem Mann und Präsidenten den Massen zujubelte. Doch die acht Jahre im Weissen Haus prägte sie entscheidend mit. Nun ist «Queen Nancy» im Alter von 94 Jahren gestorben.

Legende: Video Nancy Reagan ist tot abspielen. Laufzeit 01:21 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 06.03.2016.

Die frühere First-Lady der USA, Nancy Reagan, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Dies melden US-Medien. Der Sender MSNBC berief sich auf Angaben der Ronald-Reagan-Präsidentenbibliothek.

Die frühere Filmschauspielerin war die zweite Frau des 2004 nach einer Alzheimer-Erkrankung gestorbenen republikanischen Präsidenten Ronald Reagan, der von 1981 bis 1989 amtierte. Sie erlag einer Herzinsuffizienz und soll neben ihrem Mann im kalifornischen Simi Valley bestattet werden. Vorher bekommt die Öffentlichkeit Gelegenheit, Abschied zu nehmen.

Die 1921 in New York geborene Tochter eines Autoverkäufers hatte mit dem Politiker zwei Kinder, ausserdem adoptierte sie seine beiden Kinder aus erster Ehe. Der grosse Einfluss auf ihren Mann, dem sie bei einer Pressekonferenz einmal sogar eine Antwort einflüsterte, brachte ihr die Spitznamen «Dragon Lady» und «Queen Nancy» ein.

«Schutzschild für den Präsidenten»

Zu einem ihrer berühmtesten der insgesamt 56 Staatsbankette zählt das Abendessen für Sowjet-Staatschef Michail Gorbatschow im Jahr 1985, in dem Beobachter auch ein langsames Ende des Kalten Krieges sahen.

«Sie definierte ihre Rolle als Schutzschuld für das emotionale und physische Wohlergehen des Präsidenten», sagte Carl Sferrazza Anthony, Historiker der First Ladies' Library in Ohio laut einem Bericht der «Washington Post». «Ich glaube, sie würde ihr Vermächtnis darin sehen, das Vermächtnis ihres Mannes mit geformt zu haben.»

Nancy Reagan spielte einst in mehreren erfolgreichen Filmen mit und lernte Ronald Reagan kennen, der damals ebenfalls als Schauspieler in Hollywood arbeitete. 1952 heiratete das Paar.

Äusserst konservative Ansichten

Während der politischen Karriere ihres Mannes arbeitete Nancy Reagan für mehrere Wohltätigkeitsorganisationen. Sie setzte sich vor allem über die Jahre hinweg für den Kampf gegen den Drogenkonsum unter Jugendlichen ein. Sie unterstützte die Anti-Drogen-Kampagne «Just Say No» und die Forschung zur Heilung von Alzheimer.

Nach ihrer Zeit als First Lady der USA zog sich Nancy Reagan mit ihrem Mann nach Kalifornien zurück.

Nancy Reagan war sehr konservativ. Dies zeigte sich auch in ihrer Kleidung, welche für viele Frauen Vorbildcharakter hatte. Auch ihre Ansichten zur Familie und Homosexualität waren sehr konservativ.

Beileidsbekundungen vor allem von Republikanern

Vor allem aus der republikanischen Ecke trafen umgehend Beileidsbekundungen ein. Der ehemalige Gouverneur von Kalifornien und Schauspielerkollege Arnold Schwarzenegger meinte in einem Tweet, dass Nancy Reagan für ihn eine Heldin war.

Auch die aktuellen republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz und Donald Trump äusserten sich zu Nancy Reagans Tod. Sie sei die Frau eines wahrlich grossen Präsidenten gewesen, meinte zum Beispiel Donald Trump. In Cruz' Erinnerung bleibt Nancy Reagan als eine Frau mit grosser Leidenschaft und Liebe für ihren Mann.

Die ehemalige First Lady Barbara Bush, die an Seite von George Bush senior von 1989 bis 1993 im Weissen Haus lebte, drückte der Familie Reagans ihr Beileid aus. «Nancy Reagan war Präsident Reagan absolut treu und es beruhigt uns, dass sie noch einmal vereint werden», teilte Bush in Houston (Texas) mit.

Sie sorgte für Glamour in Washington

Von Beginn an fiel der an Hollywood-Lifestyle gewöhnten Frau die Anpassung an den drögen politischen Alltag schwer. Als ihr Mann zwischen 1967 und 1975 Gouverneur in Kalifornien war, entschied sich Nancy Reagan für ein schickes Familienhaus im Vorort anstatt der heruntergekommenen Gouverneursresidenz und erntete dafür scharfe Kritik.
Auch dem Weissen Haus drückte sie ihren Luxus-Stempel auf: Nachdem ihr Mann 1981 gegen den Demokraten Jimmy Carter gewonnen hatte, liess sie das Anwesen renovieren und ersetzte sogar das teure Porzellan – ein auffälliger Kontrast zu der demonstrativen Sparpolitik des vorherigen Präsidenten. Als bekannt wurde, dass Nancy Reagan Kleider und Schmuck im Wert von vielen Millionen Dollars von Designern geschenkt bekommen hatte, schlitterte die oft mit der legendären Jackie Kennedy verglichene First Lady nur knapp an einem Skandal vorbei. Trotzdem präsentierte sie die immer konservativ geschnittenen Kleider weiterhin gern bei öffentlichen Auftritten – am liebsten in knalligem Rot, bald als «Reagan-Rot» bekannt.

Chefin im Weissen Haus

Schwarzweis-Foto von Nancy und Ronald Reagan mit Kurt Furgler.
Legende: Auch in Genf waren Nancy und Ronald Reagan – hier mit Kurt Furgler – gern gesehene Gäste. Keystone/Archiv

Mit dem Team im Weissen Haus geriet die First Lady immer wieder aneinander. Sie war als herrisch verschrien und soll sich unverfroren in Staats- und Personalangelegenheiten eingemischt haben. Mit Rat von Astrologen und Psychologen überarbeitete sie den Terminplan ihres Mannes – sehr zum Missfallen des Stabchefs des Weissen Hauses, Donald Regan.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Nancy Reagan hatte als Frau des Gouverneurs und als First Lady eine traditionelle Rolle. Vermutlich deshalb lebte sie sich als Gestalterin der Heime ihres Mannes aus und war gewünschtes Vorbild für die weibliche Wählerschaft. Ihr Auftreten in der Öffentlichkeit und ihre Tätigkeiten entsprechen einem konservativen Frauenbild. Die Anti-Drogenpolitik der (West)mächte war und ist verlogen. Und das bereits seit vielen Generationen. Vorbildliche Frauen/Mütter sind da ein gutes Aushängeschild.
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    1. Antwort von Franz Huber (R.)
      Haben sie nicht in den USA in mehreren Staaten den Cannabis Konsum legalisiert? Und eine 94 Jährige gehört natürlich einer Generation an, die ein traditionelles Frauenbild als "Normal" betrachtet. Aber die (West)Mächte können ja vom Rest der Welt lernen wie ein modernes Frauenbild aussieht. Die ein Leben frei von Drogen Politik ist eine Lüge. Aber gewisse Glaubenssätze sind einfach schwer aus den Köpfen zu bekommen. Bis zum heutigen Tag.
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    2. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Diese Frau war viel mehr als eine "traditionelle Frau". Sie hat unzählige Male ihrem dementen Gatten eingeflüstert was er machen muss.
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    3. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      @Planta: Reagan war in seiner Amtszeit sicher nicht dement. Nach meiner Kenntnis war er sehr unterschätzt. Mit Hilfe des Geheimdienstes und Spezialeinheiten des Militärs entwarf er geniale Strategien, um die Bevölkerung im Westen und die UdSSR-Gegner zu täuschen. Details gingen hier zu weit.
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    4. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Damals sprach man hinter vorgehaltener Hand davon. Aber da waren sie wohl noch hinter dem eisernen Vorhang.
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    5. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      @Planta: Geboren in der CH. Habe jedoch Zeit und Erfahrung gebraucht, um die Spielchen der Politik etwas besser zu durchschauen. Lerne jeden Tag dazu. Eines kann man aber sagen. Politik ist schmutzig. Je mächtiger Länder/Gruppen sind, umso mehr versuchen sie zu verschleiern. Nach meinen Infos hat Reagan erst ab Anfang der 1990 Demenzerscheinungen. Ich halte ihn während seiner Amtszeit für gerissen und skrupellos.
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