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Boris Nemzow auf offener Strasse erschossen
Aus Tagesschau vom 28.02.2015.
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International Nemzow-Mord: Ermittlungen in alle Richtungen?

Das mögliche Fluchtauto der Mörder von Boris Nemzow soll gefunden worden sein – das Tatmotiv steckt bislang im Dunkeln. Die Ermittler gehen von einer Vielzahl an Motiven aus, wie SRF-Korrespondent Christof Franzen erklärt. Er berichtet aber auch, dass eine Variante bislang nicht thematisiert wurde.

Nach dem Mord an dem russischen Oppositionsführer Boris Nemzow haben Ermittler Fernsehberichten zufolge möglicherweise das Fluchtauto der Täter gefunden. Der TV-Sender Rossija 24 zeigte das weisse Fahrzeug mit einem Nummernschild der russischen Teilrepublik Inguschetien, die im islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt. Von den Tätern fehlte demnach allerdings jede Spur.

Der Nachrichtenagentur Tass zufolge wollte Nemzow nach dem Abendessen in einem Restaurant kurz vor Mitternacht am Freitagabend noch einen Spaziergang am Roten Platz machen. Dort wurden der Polizei zufolge Schüsse aus einem vorbeifahrenden, weissen Auto auf ihn abgefeuert. Seine Begleiterin - laut Medienberichten eine 23 Jahre alte Ukrainerin - überlebte das Attentat.

Die Ermittler schlossen zuletzt auch einen islamistischen Hintergrund für den Mord nicht aus. Gegen Nemzow habe es Drohungen gegeben, weil er den Franzosen nach dem Anschlag auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» seine Solidarität ausgedrückt hatte, erklärten die Moskauer Behörden.

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Einschätzungen von SRF-Korrespondent Christof Franzen
Aus Tagesschau vom 28.02.2015.
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Tabubruch von Nemzow

Die russischen Untersuchungsbehörden gingen von einer Vielzahl möglicher Motive aus, sagt SRF-Korrespondent Christof Franzen: «Angefangen von einer privaten oder geschäftlichen Abrechnung bis hin zu einer grossen Provokation, wie man es nennt. Eine Provokation möglicherweise von westlichen Geheimdiensten oder auch von russischen Oppositionellen, um dem politischen System des Landes zu schaden.» Franzen glaubt, dass dies die Linie sei, die offiziell gefahren werde.

Auffallend sei allerdings, dass die Variante, jemand aus der militärischen oder politischen Elite könnte etwas mit diesem Mord zu tun haben, überhaupt nicht besprochen werde. «Das ist eigentlich verwunderlich, denn Boris Nemzow hat in den letzten Wochen immer wieder ein Tabu gebrochen. Er hat gesagt, dass der bewaffnete Konflikt in der Ukraine eine Folge der russischen Aggression sei», erklärt Franzen. Nemzow habe auch immer wieder wiederholt, dass in der Ukraine russische Soldaten kämpften und stürben. Beides wird vom Kreml vehement bestritten.

Trauerkundgebung statt Demonstration

Nach einer grossen Trauerkundgebung im Zentrum von Moskau an diesem Sonntag soll der Sarg mit dem Leichnam des Politikers im Sacharow-Menschenrechtszentrum aufgebahrt werden. Dort sollen die Menschen nach russisch-orthodoxem Brauch am Dienstag Abschied nehmen können von dem früheren Vize-Regierungschef. Anschliessend ist die Beisetzung auf dem Prominentenfriedhof Trojekurowo geplant.

Der frühere Vizeregierungschef sollte an diesem Sonntag bei einer Demonstration von Regierungsgegnern auftreten, die gegen den Krieg in der Ukraine protestieren. Bei vielen Besuchen in der Ukraine hatte er die neue prowestliche Führung in Kiew unterstützt. Er hoffte, dass der Funke der Revolution auf Russland übergreife.

Putin kontaktiert Mutter von Nemzow

Kremlchef Wladimir Putin hat den in Moskau erschossenen Oppositionspolitiker Boris Nemzow für seine Verdienste gewürdigt und zugesichert, sich vehement für die Aufklärung des Verbrechens einzusetzen.

«Es wird alles getan, damit die Organisatoren und Täter dieses hässlichen und zynischen Mordes ihrer verdienten Strafe zugeführt werden», versprach Putin in einem Beileidstelegramm an die Mutter von Nemzow. In dem vom Kreml veröffentlichten Schreiben lobte Putin Nemzow als aufrichtigen Politiker, der seine Position verteidigt habe.

«Boris Nemzow hat seine Spur in der Geschichte Russlands hinterlassen, in der Politik und im gesellschaftlichen Leben. Ihm fiel es zu, auf bedeutenden Posten in einer schwierigen Übergangszeit für unser Land zu arbeiten», hiess es in dem Schreiben.

Liberaler Reformer

Boris Nemzow wurde am 9. Oktober 1959 in der Schwarzmeermetropole Sotschi geboren. Vor allem in den 1990er Jahren hatte er sich als liberaler Reformer einen Namen gemacht. Unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin war Nemzow zwei Jahre lang Vize-Ministerpräsident.

«Bestürzung» beim EDA

Das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) habe «mit Bestürzung vom Mord an Boris Nemzow» Kenntnis genommen und verurteile die brutale Ermordung, heisst es in einer Mitteilung. Und: «Das EDA fordert die russischen Behörden auf, alles zu unternehmen, dass das Verbrechen aufgeklärt wird und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.»

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56 Kommentare

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  • Kommentar von Bendicht Häberli , Burgdorf
    "Boris Nemzow wurde am 9. Oktober 1959 in der Schwarzmeermetropole Sotschi geboren. Vor allem in den 1990er Jahren hatte er sich als liberaler Reformer einen Namen gemacht. Unter dem russischen Präsidenten Boris Jelzin war Nemzow zwei Jahre lang Vize-Ministerpräsident". Wäre interessant, was wohl Präsident Jelzin HEUTE zu seinem Zögling Putin sagen würde!!???
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  • Kommentar von Marcel Chauvet , Neustadt
    Das Ganze erinnert mich sinngemäß an "Der Zerbrochne Krug" von Kleist, schon vor 200 Jahren geschrieben. Dorfrichter Adam setzt alle Taktiken ein, dass eigenes Unrecht nicht offenbar wird und Unschuldige beschuldigt werden. Allerdings ist diese russische Variante kein Lustspiel und es gibt in Putins Russland auch keinen Gerichtsrat Walter, der den modernen Staat repräsentieren könnte.
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  • Kommentar von H. Bernoulli , Zürich
    Die Instrumentalisierung dieses Mordes zur Putin-Hetze ist aufschlussreich. Putin ist sicher nicht so dumm, seinen Kritikern so medienwirksam einen Steilpass zu liefern. Wie Paul Craig Roberts es formuliert, am wahrscheinlichsten ist es entweder ein von der CIA geplanter Mord oder noch wahrscheinlicher ein Mord durch Ultranationalisten. Bei letzterem kann man allerdings Putin mitverantwortlich machen für das feindliche Klima gegenüber Oppositionelle (wie aber Poro/Jaz in der UK!)
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