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International Netanyahu stürzt Israels Diplomatie in die Krise

Jahrzehntelang hat Israel auf exzellente Diplomaten vertraut und auf der Weltbühne gewandt agiert. Doch nun setzt Regierungschef Netanyahu im Auswärtigen Dienst auf Ideologie statt auf Kompetenz – und schwächt damit Israels internationale Position.

In Israel ist von einem «diplomatischen Gau», einem «diplomatischen Tsunami» die Rede. Gemeint ist, dass das Land sich aussenpolitisch immer schlechter verkauft, immer häufiger Niederlagen erleidet.

Benjamin Netanyahu.
Legende: Die Holzhammer-Diplomatie von Regierungschef Netanyahu schwächt Israels internationale Position Reuters/Archiv

Die Aufwertung Palästinas in der Uno konnte Israel nicht verhindern, auch nicht dessen Vollmitgliedschaft in der Unesco oder beim Internationalen Strafgericht. Selbst befreundete Länder gehen auf Distanz, von Wirtschaftsboykotten ist die Rede. Und besonders dramatisch: Die Beziehung zur Schutzmacht USA ist unterkühlt.

«Destruktiv»

Die israelische Aussenpolitik, die einseitig auf die oppositionellen Republikaner in Washington setzt, sei destruktiv, sagt US-Sicherheitsberaterin Susan Rice unverblümt. Der Mann von Regierungschef Benjamin Netanyahu in Washington, Botschafter Ron Dermer, ist inzwischen im Weissen Haus praktisch Persona non grata. Wenig hilfreich ist da, wenn er führende US-Medien als einäugig und einseitig abkanzelt.

Und wenn Israels Vertreter bei den Vereinten Nationen, Ron Prosor, die Weltorganisation angreift, hat er zwar oft nicht unrecht. Doch sein ätzender Spott gegenüber befreundeten Ländern, die sich in wichtigen Abstimmungen der Stimme enthielten, dürfte Israel keine Bonuspunkte eintragen. Ebenso wenig wenn er deren Botschafter öffentlich vorführt.

Shimon Stein: Aussenpolitik als Trauerspiel

Lange Zeit bewegte sich Israel international gewandt. Seine Diplomaten waren hochqualifiziert, die Aussenminister angesehene Figuren – von Abba Eban über Golda Meir bis zu Mosche Dayan und Shimon Peres.

Doch jetzt läuft die Aussenpolitik aus dem Ruder. Der jüngste Aussenminister Avigdor Lieberman war eine pure Provokation. Jetzt ist der Posten gar verwaist, Premier Netanyahu kümmert sich nebenbei darum.

Shimon Stein war 32 Jahre lang Diplomat, unter anderem Botschafter in Deutschland. Heute arbeitet er am Tel Aviver Institut für nationale Sicherheitsstudien und spricht von einem Trauerspiel: Schuld seien Ex-Aussenminister Lieberman und Netanyahu selber.

Das Aussenministerium wurde nach den Worten Steins abgewertet. Viele Amtsinhaber sähen es nur noch als Durchlauferhitzer für noch höhere Weihen. Schlüsselaufgaben seien anderen Ministerien, vor allem jenen im Sicherheitsbereich oder direkt dem Premierministeramt zugeteilt worden. Dramatisch sei, dass Netanyahu selbst für Schlüsselposten lieber dumpfe Parteigänger statt Topleute einsetze.

Unterbezahlte Diplomaten

Was zählt, sind Nibelungentreue und die Nähe zu Netanyahu und seinen Bündnispartnern. Das, verbunden mit der kargen Bezahlung, löste jüngst gar den ersten Diplomatenstreik im Land aus: Ein Diplomat mit 15 Dienstjahren verdient umgerechnet nur 2500 Franken.

In immer mehr Ländern gebe es einen Trend, politische Getreue auf diplomatische Spitzenposten zu hieven, stellt der amerikanische Forscher Nicholas Kralev fest. Das schwäche den aussenpolitischen Apparat erheblich, erklärt der Autor eines Standardwerkes über die US-Aussenpolitik «Americas other Army».

An Hochqualifizierten fehlt es nicht

Auch Ex-Botschafter Stein ist überzeugt: Israel könnte, ja müsste auf der diplomatischen Bühne dringend vieles besser machen: «Es gibt im Aussenministerium ein hochqualifiziertes Team, das wesentliche bessere Arbeit leisten könne als das aktuelle.»

Schlechtes Marketing ist für jedes Land ein Problem. Für Israel, dessen aktuelle Politik ohnehin schwierig zu verkaufen ist, ist es fatal.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von P.Fetz, Zürich
    Stellt euch vor im Nahenosten gibt es für immer Frieden und alle anerkennen Israel und niemand macht mehr eine Drohung gegen Israel dass sie ausgelöscht werden! DANN WÜRDE ISRAEL SO UNWICHTIG SEIN AUF DER WELT UND KEINER SPRICHT MEHR ÜBER SIE, DASS WÜRDE ISRAEL GAR NICHT GEFALLEN, SIE WÄREN EIN VOLK WIE JEDES ANDERE!
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    1. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      Da kennen Sie aber das Jüdische Volk sehr schlecht! Sie sollten sich eher vorstellen, wie es wäre, wenn Israel sich ohne Kriegsgeschrei und Terror, dafür mit aller Energie und finanziellem Einsatz, der Entwicklung in Medizin, Landwirtschaft, etc. widmen könnte. Das wäre ein Gewinn für die ganze Welt - viele könnten von den Neuerungen profitieren. Und wieder wäre Israel in aller Munde!
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    2. Antwort von S. Buso, 8500
      @bolliger: es geht nicht um das jüdische volk, sondern um israel! Das ist ein immer grösser werdender unterschied! Wie Sie sicherlich wissen(oder nicht wahrhaben wollen), ist der grössere teil des jüdischen volkes nicht mit dem zionistenstaat israel einverstanden.
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    3. Antwort von S. Bolliger, Kirchleerau
      @ Buso: Sie dürfen gerne in meinem ersten Satz das Jüdische Volk durch Israelis ersetzen, müssen aber akzeptieren, dass Israel Heimatstaat für jüdische Menschen ist. Israelis haben uns zu zig neuen Errungenschaften verholfen, von denen Menschen auf der ganzen Welt, Juden und Nichtjuden, auch Sie - profitieren.
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  • Kommentar von Peter Schlucht, Bern
    Irgendwann musste jedem klar werden, dass der koloniale Zionismus nicht nur die Bewohner der besetzten Gebiete bedroht sondern auch mit den Nachbarn unverträglich ist. Zudem wachsen die Kosten zur Aufrechterhaltung dieses Systems für die USA und Deutschland in derart astronomische Höhen, dass die Frage, ob sich das eigentlich lohnt, immer lauter gestellt wird. Spätestens seit 1967 ist das auch moralisch-sittlich nicht mehr zu rechtfertigen. Darüber kann auch keine gute Diplomatie hinweg helfen.
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    1. Antwort von Björn Christen, Bern
      Kolonialer Zionismus?! Was bitte rauchen Sie? - Israel wurde 1947 von den Vereinten Nationen als Staat ratifiziert. Genauso wurde den Arabern ein (grösserer) Teil Palästinas zugesprochen, was diese allerdings ablehnten und stattdessen ihr Idol Hitler nachahmen und die Juden auslöschen wollten. Nur ging der Schuss eben nach hinten los und seither sind die Araber am Rumheulen.
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Dummes Netanyahu-Bashing! Israel hat ähnliche Probleme wie die Schweiz im Bezug auf die EU. Egal, wer das Land diplomatisch vertritt, man eckt nur schon dadurch an, dass man nicht in der EU ist und eben eigene Interessen vertritt, die mit EU-Politik nur schwer vereinbar sind. Genauso wird Israel in der UNO vom islamischen Block und ihren linken Verbündeten permanent angeschwärzt. Erschwerend kommt hinzu, dass mit Obama erstmals seit Carter kein Israel-Freund POTUS ist. Aber nicht mehr lange.
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    1. Antwort von Sebastian Wendelspiess, Rüschlikon
      angeschwärzt? Sie wollen die Völkerrechtsverbrecher der Israelis also herunterspielen?
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    2. Antwort von Willi Geissbühler, Zürich
      Netanjahu beendete den sogenannten Friedensprozeß. Zwar anerkannte er die Bedingungen des Hebron-Abkommens, das von seinen Vorgängern verhandelt worden war, an, aber er legte eine weit weniger konziliante Haltung gegenüber den Palästinensern an den Tag.Auf den Gewinn der Präsidentenwahlen zu setzen ist dumm, denn ist noch gar nicht sicher dass die Republikaner, welche ja für das amerikanische Volk gar nichts tun, im Gegenteil, sie bereichern sich nur, die Wahl gewinnen. Eher nicht.
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