Neue Direktoren für Italiens Museen

Frischer Wind für die die italienischen Museen: Der italienische Kulturminister Franceschini hat die Leitung von 20 Museen ausgewechselt. Neu werden beispielsweise die Uffizien in Florenz von einem Deutschen geleitet. Was steckt hinter der Aktion?

Ausstellungsraum, im Vordergrund ein goldenes Kreuz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Meisterwerke in den Uffizien: Das Museum wird neu vom Deutschen Eike Schmidt geleitet. Imago

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Rolf Pellegrini

Rolf Pellegrini

Rolf Pellegrini war während Jahrzehnten für SRF, früher Schweizer Radio DRS, tätig. Unter anderem leitete er die «Echo»-Redaktion, war Frankreich- und zuletzt während mehr als einem Jahrzehnt Italienkorrespondent. Aktuell unterstützt er die SRF-Berichterstattung aus Italien.

SRF News: Hat der Kulturminister Dario Franceschini in Italien zu wenige Museumsfachleute gefunden?

Rolf Pellegrini: Doch, natürlich würde er die finden. Erstklassige Kunstexperten gibt es in Italien viele. Das Ganze riecht ein bisschen nach Public Relations, nach Propaganda. Der Kulturminister Dario Franceschini will sich – wie Premierminister Matteo Renzi – modern und aufgeschlossen zeigen, international offen. Ausserdem ist er der Ansicht, dass Italiens Museumslandschaft einen Modernisierungsschub benötigt. Der Verteilungsschlüssel der Posten – so hat man den Eindruck – war bereits im vornhinein bestimmt worden, ohne dass man das publik machen wollte.

Wie reagiert man darauf in Italien?

Die grosse Masse der Italiener hat zur Sache nichts zu sagen. Vermutlich will niemand offen die Entscheidungen des Kulturministers kritisieren und damit als engstirnig gelten. Von den Fachleuten nahm der bisherige Direktor der Galleria dell Accademia von Florenz, Angelo Tartuferi, kein Blatt vor den Mund. Tartuferi wird von der Deutschen Cecilie Hollberg ersetzt, sein Vertrag wird nicht verlängert. Er sagte bitter, im Grunde sei das eine Niederlage für sein Land. Immerhin habe man in Italien das System des Schutzes für die Kulturgüter erfunden und entwickelt, und ganze Heerscharen von Deutschen seien nach Italien gekommen, um es zu studieren. Er glaube nicht, dass die neu ernannten Kollegen fähiger seien als die Italiener, dieses angebliche Manko auszufüllen. Sie seien einfach jünger und Ausländer, das habe den Ausschlag gegeben. Mit anderen Worten: Einige italienische Museumsspezialisten kommen sich verschaukelt vor. Sie lassen durch die Blume erkennen, dass die von der Regierung so plakativ angekündigte Öffnung zur Welt im Grunde erst rechtprovinziell wirke.

«  Einige italienische Museumsspezialisten kommen sich verschaukelt vor. »

Was bringen die ausländischen Museumsfachleute für Trümpfe mit?

Es sind zweifellos hochqualifizierte Kunstexperten, die da berufen wurden. Sie haben einen Namen. Und sie sind alle international sehr gut vernetzt. Ob sie sich durchsetzen können, ist eine andere Frage. Der Rahmen, in dem die kulturellen Aktivitäten ablaufen, wird von italienischen Verwaltern und Managern gesetzt. Sie müssen die politischen Vorgaben umsetzen. Und da gibt es in der Kultur wie anderswo Filz und Kulturpotentaten, die nicht einfach alles umsetzen, was vielleicht wünschbar wäre. Es gibt auch solche, die, wenn nötig, ihre Macht mit Zähnen und Klauen oder mit feinen Manövern machiavellistisch verteidigen werden.

Gerade die Museen haben in jüngster Vergangenheit einiges an Sparopfern bringen müssen. Sind diese Zeiten jetzt vorbei, wird wieder mehr Geld gesprochen?

Touristen sitzen auf dem Markusplatz in Venedig Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Markusplatz in Venedig: Touristen bringen nicht nur Geld. Keystone/Archiv

Ja, das wurde von Franceschini schon im Februar versprochen. Höhere Kundenfreundlichkeit ist in einigen Kunststätten angesagt, zum Beispiel die Möglichkeit, rasche Ticketreservationen via Internet zu tätigen. Es soll weiter mehr Imbiss- und Restaurantecken geben. Viele der Museen in Italien müssen sich nicht vor der ausländischen Konkurrenz verstecken. Ein Hauptproblem ist der Mangel an Personal, und damit zusammenhängend vielerorts reduzierte Öffnungszeiten. Manchmal wird das Problem noch verstärkt durch Protestaktionen von unterbezahltem Personal.

«  Gruppenreisende haken die Sehenswürdigkeiten ab, schiessen dann ein Foto auf dem Smartphone und können dann zuhause beweisen, dass sie da waren. »

Die grossen Museen sind wahre Publikumsmagnete, während die kleineren in der Provinz oft ziemlich leer sind. Braucht es vor allem auch eine neue Gesamtstrategie?

Ja, das braucht es. Das Hauptproblem besteht darin, die internationale Tourismusbranche dazu zu bringen, dass sie andere Besuchsrouten für ihre Klienten vorsieht, vor allem für jene, die in Gruppen reisen. Die wollen alle in derselben Saison in Blitzesschnelle dieselben Plätze, Museen, Denkmäler sehen. Die haken die Sehenswürdigkeiten ab, schiessen ein Foto auf dem Smartphone und können dann zuhause beweisen, dass sie an den bekanntesten Orten waren. Aber auf diesem Gebiet muss sich etwas verändern, denn die bekanntesten Städte wie Florenz, Rom, Venedig leiden immer mehr unter den negativen Auswirkungen des Massentourismus. Der Tourismus ist ja nicht nur Manna, nicht nur Honig und Geld. Er bedeutet auch Umweltverschmutzung, Lärm, Beeinträchtigung der Lebensqualität für die Anwohner. Oder, wie im Fall Venedigs besonders deutlich, er ist eine Gefahr für die schiere Existenz, für das Überleben der Stadt.

Das Gespräch führte Barbara Büttner.