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Kreative Schlepper Neue Flüchtlingsroute über das Schwarze Meer

In nur einem Monat sind fast 500 Migranten über das Schwarze Meer nach Rumänien gekommen und damit nach Europa.

Legende: Audio Das Schwarze Meer wird zur neuen Flüchtlingsroute abspielen. Laufzeit 05:16 Minuten.
05:16 min, aus Echo der Zeit vom 16.09.2017.

Die rund 500 Migranten aus der Türkei, die über das Schwarze Meer nach Rumänien gekommen sind, sind zahlenmässig nicht vergleichbar mit den Tausenden auf der Mittelmeer-Route. Gerald Tatzgern ist Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung von Schlepperkriminalität beim österreichischen Bundeskriminalamt. Er beobachtet die Entwicklung in Osteuropa.

SRF News: Ist die Route über das Schwarze Meer eine Alternative oder gar ein Ersatz für die Mittelmeer-Route?

Gerald Tatzgern: Wir merkten besonders in den letzten Wochen, dass diese Route direkt von der Türkei über das Schwarze Meer Richtung Rumänien mehrfach von Schleppern verwendet wird. Wir sind hier nahe an einer kriminellen Struktur, die bereits in der Türkei diese neue Route eingeschlagen hat. Hier wird versucht, neue Hoffnungen für die Migranten zu schüren, indem sie die Route über das Schwarze Meer wählen. Ich denke aber nicht, dass es eine Ausweichroute wird, weil es einfach zu gefährlich ist und zu wenig Migranten bereit wären, diesen Weg einzuschlagen.

Wie gefährlich ist diese Flucht über das Schwarze Meer?

Wir wissen aus Überwachungsmassnahmen und von Experten, dass hier gefährliche Strömungen herrschen. In vielen Abschnitten an der bulgarischen Küste herrscht teilweise ein Schwimmverbot. Das bedeutet, dass die Schlepper hier wegen den Strömungen besonders stark motorisierte Boote verwenden müssen, um die Migranten sicher nach Rumänien bringen zu können.

Haben die Schlepper solche Boote?

Bis jetzt wurden keine kleinen Schlauchboote sichergestellt. Es stimmt aber, dass grössere Schiffe mit 50 bis 70 Personen oder mehr unterwegs sind.

Wie gut ist Rumänien auf diese Migranten vorbereitet?

Wir sind mit den rumänischen Kollegen in Kontakt. Auf Ebene der Kriminalpolizeien wird mit Hochdruck ermittelt, weil hier bereits eine kriminelle Struktur festgestellt werden konnte. Es werden auch die nötigen Massnahmen an der Küste gesetzt, damit nicht zu viele Migranten auf dieser Route geschleppt werden.

Die wenigsten der Migranten wollen in Rumänien bleiben, sondern wollen nach Westeuropa. Wie einfach ist das über die «grüne Grenze»?

Wir wissen natürlich, dass zwischen Rumänien und Ungarn keine wirkliche Grenze mit einem Zaun besteht. Es gibt also genug «grüne» Grenzabschnitte ohne grössere Hindernisse. Wir wissen auch, dass diese Route über Rumänien nicht nur direkt über Ungarn Richtung Österreich und weiter führt, sondern konnten auch die eine oder andere Schlepper-Aktion über Rumänien nach Serbien und von dort weiter feststellen.

Sind denn die rumänischen Behörden und die Grenzwächter bereit, zu intervenieren?

Die rumänische Grenzwache weiss ganz genau, welche besondere Rolle sie hier für den Schengen-Raum und die Europäische Union einnimmt, und dass sie einen sehr starken Puffer darstellen. Dafür werden auch Boote und Beamte entsandt, die mit den rumänischen Behörden Überwachungsmassnahmen oder Ermittlungen durchführen.

Wie kooperativ zeigt sich denn die türkische Regierung

Auf kriminalpolizeilicher Ebene ist es wegen der politischen Verhältnisse nicht einfacher geworden. Aber erst diese Woche hatte ich persönlich ein Treffen mit Kollegen der Stelle zur Bekämpfung der illegalen Migration in der Türkei. Hierbei wurde der starke Wille zur Kooperation signalisiert. Wir erreichen hier auch wieder eine Qualität der Zusammenarbeit, die auch diesen organisierten Gruppen entgegengestellt werden können.

Das Gespräch führte Beat Soltermann.

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63 Kommentare

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  • Kommentar von Hofer Fred (sail)
    Sommaruga will mehr Geld für Flüchtilge. Sie soll mal in unser Nachbarhaus in Brüttisellen. Ein Durchgangsheim und dort mit den übrigebliebenen Bewohnern über Zustände reden. Mehr dürfte ich hier wahrscheinlich nicht berichten. Nur noch eins: Von Behörden beschämend.
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  • Kommentar von Lou Elgers (sail)
    Herr Wermuth gibt wenn immer möglich, uns die Schuld. Von diesen Ländern und Afrika sollte man längst – bessere Selbstverwaltung und EIgenverantwortung sehen. Das Leidige sind dort die Regierungen, die Korruption und die Unfähigkeit, die uns unangenehm aufgelastet werden. Ich kann es auch nicht ertragen, wenn mab immer Arme, Hungernde und Krigsgeschädigte erwähnt, aber die meisten gut gelaunt von unseren Einrichtungen und Systemen profitieren, Nachwuchs sorgen. Zu welchen Lasten ?
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    1. Antwort von Hofer Fred (sail)
      ahrhunderte lang waren sie teils kolonisiert und mussten auf Selbsbestimmung verzichten – und nun – nach fünfzig Jahren bereits, ist man dort nicht in der Lage, geordnete Verhältnisse zu schaffenJ Man sollte ehrlich erkennen, dass diese Probleme grossteils von Afrika selbstverursacht sind. Misswirtschaft, Selbstausbeutung, Diebstahl und Betrug durch eigene Regierungen und Staatschefs, unnötige zerfressende Konflikte und Kriege.
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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Diese Multikulti-Träumerei ist höchst unverantwortlich, gefährlich und schafft Parallel-Gesellschaften. Die Verantwortlichen der heutigen katastroph. Asylpolitik werden nie zur Verantwortung gezogen. Die kommenden Generationen sollen es richten !
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    1. Antwort von A. Zuckermann (azu)
      Meinen Sie die Parallel-Geselschaften, die sich Jährlich am WEF treffen? Haben Sie mir ein Beispiel für eine funktionierende Mono-Kultur?
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