Neue Gefechte in Berg-Karabach

Im Südkaukasus ist der Konflikt um Berg-Karabach wieder aufgeflammt. In den vergangenen Tagen starben mindestens 15 Menschen. Die verfeindeten Staaten Aserbaidschan und Armenien geben sich gegenseitig die Schuld. International wächst die Besorgnis.

Zerstörtes Haus in der Grenzstadt Agdam Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein zerstörtes Haus in der Grenzstadt Agdam SRF/EVN

Bei Gefechten um das von Armenien kontrollierte Berg-Karabach im Südkaukasus sind am Wochenende mehrere Menschen getötet worden.

Allein am Samstag sollen auf beiden Seiten mindestens sechs Soldaten ums Leben gekommen sein. Am Sonntag gab es weitere Schusswechsel. Dabei soll ein aserbaidschanischer Soldat tödlich getroffen worden sein. Angeblich hatten aserbaidschanische Truppen die Demarkationslinie durchbrochen.

Gegenseitige Vorwürfe

Die verfeindeten früheren Sowjetrepubliken Aserbaidschan und Armenien werfen sich gegenseitig vor, die Feuerpause gebrochen zu haben. Das Verteidigungsministerium in Berg-Karabach teilte mit, dass der 1994 vereinbarte Waffenstillstand in den vergangenen Tagen 1500 Mal verletzt worden sei.

Ein Sprecher des aserbaidschanischen Verteidigungsministeriums sagte, sein Land werde weiter angemessen reagieren, wenn sein Territorium von armenischer Seite beschossen werde. Dazu werde auch auf die Stellungen des Gegners geschossen.

Ein Sprecher der armenischen Präsidialverwaltung warnte, jede Verletzung der Waffenruhe könne zu einem neuen «Kriegsabenteuer» führen. Armenien bekenne sich zur friedlichen Lösung des Konflikts. Armenien wirft der autoritär geführten ölreichen Südkaukasusrepublik Aserbaidschan seit Jahren vor, das Militär massiv hochzurüsten, um Berg-Karabach zurückzuerobern.

Berg-Karabach gehört völkerrechtlich zu Aserbaidschan, wird aber seit einem Krieg Anfang der 1990er Jahre von Armenien kontrolliert. Schutzmacht Armeniens ist Russland, das dort Tausende Soldaten stationiert hat.

Weltweite Sorge

Die USA, Russland und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) zeigten sich besorgt angesichts der jüngsten Gewalteskalation. Die OSZE verurteilte in einer Mitteilung zudem gezielte Angriffe auf Zivilisten und Helfer internationaler Organisationen im Konfliktgebiet. Demnach geriet an der armenisch-aserbaidschanischen Grenze während eines humanitären Hilfseinsatzes für die Bevölkerung ein klar markiertes Fahrzeug des Roten Kreuzes unter Feuer.

Die USA forderten beide Seiten auf, an einer friedlichen Lösung des Konflikts zu arbeiten. Auch Russland fordert eine friedliche Lösung. Die Lage habe sich deutlich verschlechtert, kritisierte das Aussenministerium in Moskau. «Wir rufen alle Beteiligten der Konfrontation auf, sich zurückzuhalten, auf Gewalt zu verzichten und umgehend Schritte einzuleiten, um die Lage zu stabilisieren», hiess es in einer Mitteilung.