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International Nichts gelernt? Japan kehrt zur Atomkraft zurück

Nach gut zwei Jahren Pause nimmt Japan die Produktion von Atomstrom wieder auf. Kritiker sehen die alte Atom-Clique aus Regierung, Atomaufsicht und Betreiber wieder am Werk. Trotz des langen Arms der Atom-Lobby ist aber die Rückkehr zum Zustand von vor Fukushima eher unwahrscheinlich.

Legende: Video FOKUS: Japan fährt AKW hoch abspielen. Laufzeit 05:40 Minuten.
Aus 10vor10 vom 10.08.2015.

Erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor gut vier Jahren erzeugt Japan bald wieder Atomstrom. Gegen den breiten Widerstand in der Bevölkerung hat der Betreiberkonzern Kyushu Electric Power den ersten Block des Atomkraftwerks Sendai in der südwestlichen Provinz Kagoshima wieder angefahren. Am Freitag soll der Reaktor wieder Strom produzieren und Anfang September den kommerziellen Betrieb voll aufnehmen.

Kein Atomstrom seit 2011

Als Konsequenz der Atomkatastrophe in Fukushima vom 11. März 2011 standen seit rund zwei Jahren alle 48 Reaktoren in Japan still. Die Wiederinbetriebnahme des Sendai-Reaktors ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der Atomstrom aus wirtschaftlichen Gründen befürwortet. Abe besteht darauf, dass der rohstoffarme Inselstaat auf Dauer nicht unter der Last teurer Importe an Öl und Gas bestehen könne.

Mehrheit der Japaner gegen Atomkraft

Die Wiederinbetriebnahme des Reaktors erfolgt sehr zum Missfallen der Japaner. Auch viereinhalb Jahre nach der Atomkatastrophe spricht sich nämlich die Mehrheit in Umfragen gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus – trotz steigender Stromrechnungen.

Atomkraftgegner kritisieren unter anderem, dass die Betreiber des AKW Sendai unklar lassen würden, wie die zehntausend Anwohner im Falle eines Unfalls in der Grössenordnung von Fukushima evakuiert werden könnten. Bürgergruppen beanstanden ausserdem, dass der Reaktor in Sendai mehr als 30 Jahre alt sei, genau wie sämtliche der Unglücksreaktoren in Fukushima.

Ausstieg aus der Atomenergie vereitelt

Noch im September 2012 hatte Abes Vorgänger Yoshihiko Noda einen kompletten Ausstieg aus der Kernkraft bis zum Ende der 2030er Jahre verkündet. Nodas Partei erlitt in der Folge eine Wahlniederlage, wodurch Abes Liberaldemokratische Partei LDP an die Macht zurückkehrte – jene Partei also, die jahrzehntelang bei ihrer Atompolitik Sicherheitsfragen vernachlässigt hatte.

Weniger Atomenergie als vor Fukushima

Atomgegner befürchten nun, dass jenes als Atomdorf bekannte Netzwerk aus Regierung, Atomaufsicht, Betreiber Tepco und Medien, das mutmasslich die Katastrophe von Fukushima zu verantworten hat, wieder am Werk ist. Dennoch ist unwahrscheinlich, dass ein Zustand wie vor Fukushima wieder hergestellt wird, als die Atomenergie rund 30 Prozent zur Stromversorgung in Japan beitrug.

Die Regierung hat als neue Zielgrösse einen Atomstrom-Anteil von 20 bis 22 Prozent bis zum Jahr 2030 ausgegeben. Wahrscheinlich wird er in Zukunft aber tiefer sein. Zum einen wegen des Widerstands im Volk, zum anderen, weil einige der derzeit auf dem Prüfstand stehenden Meiler zu alt sind und kaum die neuen Sicherheitsauflagen erfüllen können. Hinzu kommt die Konkurrenz durch erneuerbare Energien, die seit Fukushima deutlich zugelegt haben sollen.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Treichler, Honolulu
    Japan hat gelernt dass es ohne Nuklearenergie nicht geht.
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  • Kommentar von Walter Wieser, St. Augustine, Florida USA
    15,891 starben verursacht durch das Erdbeben und den daraus resultierenden Tsunami. 2,584 vermisste aus den gleichen Gruenden. 2 Personen mussten mit Strahlungsschaeden ins Spital verbracht werden. (Diese sind immer noch am leben, gesund und munter.....) Warum nennt man das einen nuklearen super gau? Man kann hoechstens die Lage der Kraftwerke in Frage stellen. Aber halt, was schreibe ich da? Strom kommt ja aus der Steckdose.......
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    1. Antwort von C.Eugster, Bern
      --- Mehr als 100 Schilddrüsenkrebsfälle bei Kindern in Fukushima - mehr als 22.000 Kinder mit neuen Zysten und Knoten --- nur so als vergleich Unglaublich diese ignoranz???
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  • Kommentar von Thomas Steiner, zürich
    schon krass, wie die politische Elite am Volk vorbei entscheidet. Ist das einer Demokratie würdig? Nicht nur, dass Korruption und grobe Fahrlässigkeit zum Gau führten, sondern vorallem, dass die Probleme von Fukushima nicht ansatzweise gelöst sind. Was passiert zb mit den tausenden jetzt schon leckenden Tanks mit hochgradig verstrahlten Wasser? Endlager für Müll? Rückbauplan für die AKWs? Nichts gelöst, aber klar, einfach weitermachen!
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