Niederlande: Schmutzli bald verboten?

In den Niederlanden scheiden sich die Geister, wenn es um die Schmutzlis geht – die Gehilfen des Nikolaus. Viele dunkelhäutige Immigranten sehen in ihnen eine Referenz an die Sklavenzeit. Nun hat sich sogar die UNO in die hitzig geführte Debatte eingemischt.

Sinterklaas mit weissem Bart und zwei swarte Pietjen Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Sinterklaas mit zwei swarte Pieten. Reuters

Der niederländische Samichlaus heisst Sinterklaas und er kommt mit seinen Knechten, den zwarte Pieten, bereits im November ins Land. Deshalb beginnt die alljährliche Diskussion über Sinn und Unsinn der pechschwarz angemalten Knechte meist schon, wenn die Blätter von den Bäumen fallen. Heuer wird diese Debatte besonders hitzig geführt: im Radio, in den Zeitungen und im Fernsehen.

Vorwurf des Rassismus'

Prem Radhakishun spricht von einer strukturellen Ungleichheit: «Vor 100 Jahren dachten die Weissen in Europa, dass Schwarze Affen sind. Dem sagt man Kolonialismus. Daran hat sich bis heute nichts verändert, der weisse Sinterklaas sitzt hoch zu Ross und die zwarte Pieten hüpfen dümmlich hinter ihm her», findet der in Surinam geborene Anwalt und Fernsehmacher.

Quinsy Gario pflichtet ihm bei: Es kränke viele, dass die schwarz geschminkten Knechte bis heute immer noch bloss Hilfskräfte seien, sagt der Künstler mit Wurzeln in den niederländischen Antilleninseln. Die Stimme der dunklen Niederländer müsse endlich gehört werden. Es sei höchste Zeit, diesen alten, rassistischen Zopf abzuschneiden, fordert Gario.

Debatte um Schmutzli in den Niederlanden

1:34 min, aus Tagesschau Nacht vom 24.10.2013

Niederländer verstehen die Kritik nicht

Der Rassismus-Vorwurf wird von einer Mehrheit der Niederländer nicht verstanden. Innerhalb eines halben Tages haben mehr als eine halbe Million Menschen das Daumen-nach-oben-Zeichen auf einer Facebook-Seite für den Erhalt der St.-Nikolaus-Tradition angeklickt. Nur ein paar hundert taten dies auf der gegnerischen Seite.

Sinterklaas ist hinter den Deichen viel wichtiger als Weihnachten. Die Ankunft des heiligen Mannes, der mit dem Dampfschiff aus Spanien kommt, wird im November jeweils live im Fernsehen übertragen. Ab diesem Zeitpunkt stellen die Kinder abends einen Schuh vor die Türe, in den sie eine Zeichnung oder etwas anderes für Sinterklaas stecken. Am Morgen finden sie in den Schuhen Süssigkeiten. Das geht so bis zum 5. Dezember, dem offiziellen niederländischen Nikolaustag. Dann bringt Sinterklaas die grossen Geschenke.

Arbeitsgruppe der UNO will zwarte Pieten verbieten

Ob er das auch in Zukunft tun wird, ist allerdings ungewiss. Denn mittlerweile beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte mit der Frage: Ist bei dieser Tradition, die auf das 19. Jahrhundert zurückgeht, Rassismus im Spiel?

Es sei unbegreiflich, weshalb in den Niederlanden nicht verstanden werde, dass dieser Volksbrauch ein Schritt zurück in die Sklaverei sei. Damit sollte im 21. Jahrhundert wirklich aufgehört werden, liess sich die jamaikanische Präsidentin der Arbeitsgruppe, Verene Shepherd, im niederländischen Radio vernehmen. Sie rief Premierminister Mark Rutte dazu auf, dem St. Nikolausfest ein Ende zu bereiten. Doch dieser hatte bereits festgestellt: «Der zwarte Piet ist schwarz, daran können wir wenig ändern.»

Anfang November, also noch bevor Sinterklaas ins Land reist, will die UNO entscheiden, ob das Nikolausfest in den Niederlanden abgeschafft werden muss oder nicht.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel