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International Nordkoreas Machthaber deutet Kurswechsel an

Ungewöhnliche Töne aus dem abgeschotteten Nordkorea: Staatschef Kim Jong Un hat in einer seltenen Neujahrsansprache von Aussöhnung und Wiedervereinigung mit dem Süden gesprochen. Konkret wurde er dabei nicht. Er kündigte zudem an, sein Land zum «wirtschaftlichen Riesen» machen zu wollen.

Legende: Video Ungewöhnliche Töne aus Nordkorea abspielen. Laufzeit 01:27 Minuten.
Aus Tagesschau vom 01.01.2013.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat überraschend versöhnliche Töne gegenüber Südkorea angeschlagen. Beide Seiten müssten sich für die Überwindung der Landesteilung stark machen, sagte er in einer seltenen Neujahrsansprache.

«Es ist wichtig, die Konfrontation zwischen dem Norden und dem Süden zu beenden», sagte er in der Rede, die vom staatlichen Fernsehen übertragen wurde. So könne «die Teilung des Landes beendet und seine Wiedervereinigung erreicht werden». Die Vergangenheit zeige, dass Konfrontation zwischen Landsleuten zu «nichts als Krieg» führe.

Vage Ankündigungen

Wie er sich die gewünschte Annäherung konkret vorstellt, sagte Kim in der Rede nicht. Er erwähnte lediglich die bekannte Forderung, die beiden «grossen Wiedervereinigungsprogramme» umzusetzen – Abkommen, die bei den bisher einzigen beiden gesamtkoreanischen Gipfeltreffen 2000 und 2007 unterzeichnet wurden.

Danach hatte die Entspannungspolitik zwischen beiden Staaten allerdings einen Rückschlag erlitten. Nordkorea brach den Kontakt zur Regierung von Präsident Lee Myung Bak ab. Dieser wiederum hatte sich von der «Sonnenscheinpolitik» seiner beiden Vorgänger distanziert. 

Neue Staatschefin in Südkorea

Lee selbst scheidet im Februar aus dem Amt, es übernimmt dann seine konservative Parteifreundin Park Geun Hye das Präsidentenamt. Sie scheint einen deutlich stärkeren Entspannungskurs einschlagen zu wollen als ihr Vorgänger. So sprach sie sich schon vor dem Amtsantritt für eine stärkere Zusammenarbeit mit Nordkorea aus. Allerdings verlangt sie von Nordkorea den Verzicht auf das umstrittene Atomprogramm.

Südkorea reagierte verhalten auf die jüngsten Äusserungen aus Nordkorea. Diese seien weitgehend auf der Linie der bisherigen Politik.

Es war die erste Neujahrsansprache eines nordkoreanischen Machthabers seit 19 Jahren. Kim knüpfte damit an die Gepflogenheit seines 1994 verstorbenen Grossvaters Kim Il Sung an. Dieser hatte jahrelang zum neuen Jahr eine Ansprache gehalten. Sein Vater Kim Jong Il, inzwischen ebenfalls verstorben, hatte so gut wie nie öffentliche Reden gehalten. 

Nordkorea als «wirtschaftlicher Riese»

Neben den Beziehungen zu Südkorea kündigte Kim Jong Un in seiner Rede auch einen Umschwung in der Wirtschaft an. Nordkorea solle zu einem ««wirtschaftlichen Riesen» werden, der Lebensstandard der Menschen steigen. 

Kim bekräftigte, sein Land könne sich «nur unter der Bedingung entwickeln, dass es seine militärische Macht in allen Bereichen ausbaut». Der erfolgreiche Start einer Weltraumrakete in Nordkorea im Dezember solle als Ansporn für die Anstrengungen der Menschen dienen.
 
Der Abschuss der Rakete am 12. Dezember hatte international für grosse Empörung gesorgt. Die USA, Südkorea und andere Staaten interpretierten ihn als verdeckten Test für die Entwicklung von Interkontinentalraketen, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Nordkorea sprach von einem Satellitenstart zu friedlichen Zwecken. 

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Esther, Basel
    ...«nur unter der Bedingung entwickeln,dass es seine militärische Macht in allen Bereichen ausbaut»... Alles total und absolut logisch - so werden die "Konfrontationen zwischen Nord und Süd benendet und so wird man zu einem "wirtschaftlicher Riese" und der Lebensstandard der Menschen steigt... Ziemlich viel warme Luft...
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Erstaunliche Worte, immerhin EIN Lichtblick zu Beginn dieses neuen Jahres. Doch eine "Aussöhnung" hätte einen Haken, was wir auch bei Deutschland sehen. Während Honecker, Mielke und Co. viel zu sanft angefasst wurden und nur Egon Krenz als ein Bauernopfer lange inhaftiert war, leiden sehr viele Leute unter den Stasi-Verbrechen noch heute. Bei einer wirklichen "Aussöhnung" müsste viel gründlicher ausgemistet werden. Nordkorea wimmelt von Honeckers und Mielkes. Kommen auch diese davon?
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