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International «Nordkoreas Regime ist ein Hund, der bellt, aber nicht beisst»

Längst ist klar: Sanktionen gegen Nordkorea nützen nichts. Sein Atomwaffenprogramm wird das bitterarme Land aber erst aufgeben, wenn das Regime sicher ist, auch ohne an der Macht zu bleiben. So analysiert ein Professor aus Südkorea die Situation.

Es ist zum Ritual geworden: Zuerst testet das Regime in Pjöngjang eine Rakete oder eine Atombombe. Dann beschliesst der Uno-Sicherheitsrat neue Sanktionen. Deren Wirkung ist gleich Null. Das Ziel, Nordkorea vom Atomkurs abzubringen, wird verfehlt, ein ums andere Mal.

Lawrence Dermody ist Forscher am Friedensinstitut Sipri in Stockholm. Auch die jüngsten Boykotte seien ein fauler Kompromiss, sagt Dermody. Ein Grund dafür ist, dass die Sanktionen gar nicht greifen, wie das Sipri festgestellt hat.

Sie seien zahnlos und behinderten das Regime kaum. Zumal das Land bereits isoliert sei und nur mit sehr wenigen Ländern überhaupt noch Handel treibe. Gerade diese raren Handelspartner, allen voran China, daneben Pakistan oder Iran, tun wenig, um die Sanktionen durchzusetzen.

Ein Hund der bellt, beisst nicht

Es sei, so Dermody, ohnehin schwierig und verschlinge enorme Ressourcen, Handelsboykotte durchzusetzen – etwa mit weltweiten systematischen Kontrollen auf Flughäfen und von Schiffen auf hoher See. Vorläufig sähen die meisten Regierungen Nordkorea als zu wenig bedrohlich, um diesen Aufwand zu rechtfertigen.

Noch gelte das Regime in Pjöngjang als Hund, der bellt, aber nicht beisst, sagt Professor Eduardo Zachary Albrecht. Er ist Professor an der Pukyong Universität in Südkorea. In einer viel beachteten Forschungsarbeit schreibt er auch, die gegenwärtige Situation mit dem ständig provozierenden Nordkorea sei für die beiden wichtigsten Mächte, USA und China, zwar nicht ideal, aber tolerierbar.

USA und China profitieren von der Halsstarrigkeit

Mit Nordkorea begründe Washington seine massive militärische Präsenz in Ostasien sowie die Verteidigungspakte mit Südkorea und Japan. Peking wiederum ermöglicht die Dauerkrise, sich als Regionalmacht darzustellen; als einziges Land mit Einfluss in Pjöngjang. Ausserdem wolle China keinesfalls ein starkes, demokratisch vereinigtes Korea an seiner Grenze. Und ein halsstarriges Nordkorea verhindert genau das.

Auch das nordkoreanische Regime profitiert vom Status Quo. Es kann sich dem Heimpublikum als Opfer einer von den USA manipulierten Weltgemeinschaft präsentieren. Für Albrecht ist klar: Dreht man sich weiter im Kreis, besteht die Gefahr, dass doch irgendwann die Sicherungen durchbrennen. Die Alternative zu den unwirksamen Strafmassnahmen gegen Kim Jong-Uns Diktatur wäre eine Strategie der Umarmung.

Erst wenn Nordkorea in die internationale Wirtschaft und Politik integriert sei, habe man überhaupt einen Hebel, um Druck auszuüben. Vor allem aber: Erst wenn das Regime in Pjöngjang überzeugt sei, auch ohne Atomwaffen zu überleben, wäre es bereit, auf sie zu verzichten. Davon ist Albrecht überzeugt.

Hauptsache, an der Macht bleiben

Die Machterhaltung ist offenbar das einzige, was für die Machthaber in Pjöngjang zählt. Ob sich ein integriertes Nordkorea irgendwann auch intern wandeln würde, weg vom grausamen Unterdrückerstaat, ist zwar ungewiss, aber denkbar.

Für eine erfolgreiche Nordkorea-Strategie müssten, so Albrecht, die USA und China an einem Strick ziehen, vereinbaren, welche strategische Architektur in Ostasien für beide akzeptabel wäre. Noch sind sie davon weit entfernt.

Albrecht ist sich aber auch durchaus bewusst, wie schwierig eine Umarmungsstrategie für Operettendiktator Kim Jong-Un dem Publikum in demokratischen Ländern zu verkaufen wäre.

Die Moral dem Pragmatismus opfern?

Die Forderung lautet: Übeltäter gehören bestraft, nicht belohnt. Doch man müsse aus dieser Logik ausbrechen. Also die Moral dem Pragmatismus opfern, tun, was Erfolg verspreche und nicht, was ethisch geboten scheine, fordert Albrecht.

Der Nordkorea-Experte ist mittelfristig optimistisch, dass dies gelingt – und zwar aus zwei wirtschaftlichen Gründen: Würde Nordkorea zu einem normalen ostasiatischen Land, wäre es erstens ein attraktiver Markt für viele. Zweitens würden die militärischen Vorkehrungen in der ganzen Region für den Fall, dass der Hund irgendwann doch beisst, zu einer unerträglichen Belastung werden.

(lin;eglc)

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